Die Berliner Gesundheitsämter mahnen zur Vorsicht. In diesem Sommer wurden bereits drei Fälle von Infektionen mit sogenannten Vibrionen registriert, einer endete für einen älteren Menschen tödlich. Besonders alarmierend ist dabei die zeitliche Dimension: Die Saison der hierzulande erworbenen Infektionen beginnt in diesem Jahr ungewöhnlich früh – eine direkte Folge der anhaltenden Hitze und der dadurch schnell erwärmten Küstengewässer.
Nach dem aktuellen Wochenbericht des Berliner Landesamts für Gesundheit und Soziales (Lageso) für Infektionskrankheiten handelt es sich bei allen drei in Berlin gemeldeten Fällen um Wundinfektionen. In zwei Fällen entwickelte sich daraus eine Sepsis, also eine Blutvergiftung, die in einem Fall zum Tod führte. Alle Betroffenen waren über 75 Jahre alt und zählten somit zur klassischen Risikogruppe. Die Infektionsquelle konnte in zwei Fällen vermutlich auf Mecklenburg-Vorpommern zurückverfolgt werden, wo sich die Erkrankten durch Kontakt von Wunden mit Meer- oder Brackwasser angesteckt hatten.
Vibrionen sind Bakterien, die natürlicherweise in Gewässern vorkommen. Das Problem: Sie lieben Wärme. „Bei Wassertemperaturen über 20 Grad können sich Vibrionen in Oberflächengewässern stark vermehren“, erklärt das Robert Koch-Institut (RKI). Besonders betroffen sind flache Küstenbereiche, die sich schnell aufheizen, und Gewässer mit geringem Salzgehalt – wie die Ostsee. Hier steigt das Risiko für ein vermehrtes Auftreten der Bakterien bei anhaltend hohen Temperaturen deutlich an.
Die aktuellen Fallzahlen zeigen einen besorgniserregenden Trend auf. Während in den Vorjahren im Mittel bis zur 29. Kalenderwoche (dieses Jahr bis Mitte Juli) lediglich eine Infektion gemeldet wurde, sind es 2025 bereits drei. Das Lageso stellt in seinem Bericht fest, dass eine „vergleichsweise frühe Saison hierzulande erworbener Vibrionen-Infektionen zu beobachten“ sei. Diese führt die Behörde wahrscheinlich auf die „durch hohe Temperaturen verursachte frühe Erwärmung der Küstengewässer“ zurück. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2023 und 2024 wurden jeweils fünf Fälle in Berlin gemeldet, 2025 waren es bislang zwei.
Für die breite Öffentlichkeit ist die Gefahr gering, für bestimmte Personengruppen jedoch sehr real. Zur Risikogruppe zählen vor allem:
- ältere Menschen
- Personen mit geschwächtem Immunsystem
- Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen
- Diabetes
- Leberleiden
- schweren Herzerkrankungen
Die größte Gefahr besteht, wenn offene Wunden, auch kleinste Verletzungen, mit warmem Meer- oder Brackwasser in Kontakt kommen. Die Bakterien können dann in die Wunde eindringen und innerhalb weniger Stunden bis Tage zu schweren Entzündungen führen.
| Risiko Gruppe | Mögliche Erkrankungen | Vorsichtsmaßnahme |
|---|---|---|
| Ältere Menschen | Sepsis | Kontakt mit Wasser vermeiden |
| Menschen mit geschwächtem Immunsystem | Infektion | Ärztliche Hilfe suchen |
| Zuckerkranke | Entzündung | Wunden schützen |
| Leberschwache | Schwere Erkrankung | Wasser meiden |
| Herzkranke | Blutvergiftung | Auf Symptome achten |
Die Berliner Gesundheitsverwaltung rät Angehörigen der Risikogruppen dringend, bei Aufenthalten an Nord- und Ostsee besondere Vorsicht walten zu lassen. Der direkte Kontakt von offenen Wunden mit warmem Küstenwasser sollte unbedingt vermieden werden. Bei Verdacht auf eine Infektion – erkennbar an plötzlich auftretender Rötung, Schwellung, Überwärmung und Schmerzen im Wundbereich, eventuell mit Fieber – ist umgehend ein Arzt aufzusuchen und auf den Kontakt mit Meerwasser hingewiesen werden. Eine frühe antibiotische Behandlung ist entscheidend.
Dieser frühe und deutliche Anstieg der Fallzahlen ist ein weiteres, konkretes Warnsignal in einem Sommer, der von Hitzewellen geprägt ist. Er zeigt, wie sich der Klimawandel nicht nur in globalen Temperaturen, sondern auch in sehr lokalen Gesundheitsrisiken niederschlägt. Während viele Berlinerinnen und Berliner die Hitze an der Ostseeküste suchen, wird ein Tag am Meer für vulnerable Gruppen zunehmend zu einem gut kalkulierbaren Risiko. Die aktuelle Meldung ist somit nicht nur eine Gesundheitswarnung, sondern auch ein Auftrag, die Aufklärung über diese klimasensiblen Infektionsrisiken besonders in Risikogruppen zu verstärken.