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Nachrichten Lokal > Nachrichten > Dresden > Erfolg in Dresden: Naturbad Mockritz wieder sicher
Dresden

Erfolg in Dresden: Naturbad Mockritz wieder sicher

Julia Becker
Zuletzt aktualisiert: Juli 29, 2026 10:58 a.m.
Julia Becker
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Die Erleichterung ist den Menschen im Dresdner Süden ins Gesicht geschrieben. An diesem ersten richtig warmen Frühlingstag steht eine kleine Gruppe Anwohner am geschlossenen Zaun des Naturbades Mockritz und blickt auf das glitzernde Wasser. „Endlich“, sagt eine ältere Dame, die ihre Enkelkinder an der Hand hält. „Wir haben schon befürchtet, dass die ganze Saison wieder ins Wasser fällt.“ Ihre Sorge war begründet. Das beliebte Freibad, eine grüne Oase in den Dresdner Elbwiesen, war in den vergangenen Jahren von wiederkehrenden Schließungen aufgrund bakterieller Belastungen geplagt worden. Doch jetzt kommt die Wende: Die Stadt Dresden hat umfangreiche Sanierungs- und Sicherheitsmaßnahmen abgeschlossen. Das Naturbad Mockritz ist ab sofort wieder uneingeschränkt und sicher geöffnet – pünktlich zum Beginn der Badesaison und just als der Deutsche Wetterdienst die erste Hitzewelle des Jahres ankündigt.

Die Nachricht hat Gewicht. Das Naturbad Mockritz ist nicht irgendein Schwimmbad. Es ist eines der letzten großen natürlichen Freibäder in einer deutschen Großstadt, ein seit 1935 genutzter und tief verwurzelter Ort der Gemeinschaft für die Stadtteile Mockritz, Leubnitz-Neuostra und Plauen. Seine Schließungen trafen stets einen Nerv, denn sie raubten tausenden Familien, Jugendlichen und Senioren den zentralen sommerlichen Treffpunkt. Die jetzt verkündete vollständige Freigabe ist das Ergebnis eines langen von Frust begleiteten Prozesses. „Wahrscheinlich ist es die Summe verschiedener Maßnahmen, die jetzt den Durchbruch brachte“, erklärt Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (Bündnis 90/Die Grünen) auf Nachfrage von Nachrichten Lokal. „Angesichts der kommenden Hitzewelle ist das für eine ersehnte Abkühlung genau die richtige Nachricht.“

Die Probleme waren komplex und vielschichtig. Im Kern ging es um die Wasserqualität. Ein Naturbad wird nicht mit Chlor gereinigt, sondern durch einen natürlichen Filterkreislauf aus Pflanzen und Kies. Dieses empfindliche System war in Mockritz über Jahre aus dem Gleichgewicht geraten. Hohe Besucherzahlen, Nährstoffeinträge und die zunehmend warmen, trockenen Sommer führten zu vermehrtem Algenwachstum und wiederholt zu erhöhten Werten von intestinalen Enterokokken und E. coli-Bakterien, die Durchfallerkrankungen verursachen können. Die Gesundheitsbehörde des Landkreises Meißen, in deren Zuständigkeit die Überwachung fällt, sah sich mehrmals gezwungen ein Badeverbot zu verhängen – zuletzt noch im Spätsommer 2023. Für die Stadtverwaltung wurde klar, dass einzelne Reparaturen nicht mehr ausreichen würden. Ein ganzheitlicher Sanierungsplan musste her.

„Wir standen vor der grundsätzlichen Entscheidung: Bauen wir das Bad in dieser Form überhaupt weiter, oder müssen wir auf eine konventionelle Chlorlösung umsteigen?“ schildert Jähnigen die Ausgangslage. Die Entscheidung fiel zugunsten des Naturbad-Prinzips. „Der ökologische Gedanke und der besondere Erholungswert dieses Ortes waren für den Oberbürgermeister und die Koalition im Stadtrat nicht verhandelbar.” Daraufhin wurden im vergangenen Herbst und Winter Investitionen in Höhe von rund 580.000 Euro getätigt. Das ist eine beträchtliche Summe im knappen Haushalt einer Kommune, unterstreicht aber den Wert, den die Stadt diesem Gemeinschaftsgut beimisst.

  • vollständige Überholung der Umwälzpumpen und der Filteranlage
  • effizientere Pumpen für stabileren Wasseraustausch
  • Erweiterung des Pflanzenfilters
  • fachmännisches Entfernen von Ablagerungen
  • Austausch des Erdreichs an kritischen Stellen
  • Modernisierung der Sanitär- und Duschanlagen

„Die größte Herausforderung war, das natürliche System so zu unterstützen, dass es auch mit den veränderten klimatischen Bedingungen zurechtkommt“, sagt Dr. Anke Kummer, eine auf aquatische Systeme spezialisierte Umweltwissenschaftlerin der Technischen Universität Dresden, die die Stadt beratend begleitete. „Mehr Hitzeperioden bedeuten wärmeres Wasser, und wärmeres Wasser ist anfälliger für Bakterienwachstum.“ Die jetzt umgesetzten technischen Verbesserungen zielen darauf ab, diese kritischen Phasen zu überbrücken. Sie betont, dass der Erfolg der Maßnahmen nun einem Langzeittest unter realen Bedingungen unterliege – nämlich einem vollen, heißen Dresdner Sommer.

Die Freude in der betroffenen Nachbarschaft ist groß, aber sie ist auch vorsichtig. Man erinnert sich an vorzeitige Entwarnungen in früheren Jahren. „Es ist schön, das Tor offen zu sehen. Aber ich werde erst richtig jubeln, wenn wir den ganzen Juli und August ohne Zwischenfälle planschen können“, meint Thomas Berger, Anwohner aus Leubnitz und Vater zweier kleiner Kinder. Er und andere engagierte Bürger hatten sich in einer Initiative „Rettet das Naturbad” organisiert und über Monate hinweg mit konstruktiver Kritik und eigenen Beobachtungsdaten den Druck auf die Politik aufrechterhalten. Diese Bürgerbeteiligung, so sind sich mehrere Stadträte aus verschiedenen Fraktionen einig, war ein wesentlicher Treiber für die nun erfolgte grundlegende Sanierung.

Die politische Dimension des Themas ist nicht zu unterschätzen. Im Stadtrat wurde über Monate leidenschaftlich über den richtigen Weg gestritten. Während Grüne, Linke und Teile der SPD auf der ökologischen Sanierung bestanden, gab es aus den Reihen von CDU und FDP Stimmen, die eine kostengünstigere Chlorlösung forderten – nicht zuletzt um Planungssicherheit zu haben. Der schließlich gefundene Kompromiss für die Investitionen war auch ein Sieg der gemäßigt-progressiven Koalition, die in Dresden regiert. Er spiegelt ein Stadtverständnis wider, das ökologische Nachhaltigkeit und hochwertige öffentliche Infrastruktur als zwei Seiten derselben Medaille sieht. „Das ist genau die Art von Projekten, bei denen Kommunalpolitik das Leben der Menschen direkt verbessert”, so Sozialbürgermeisterin Janne Mücke (Die Linke). „Wir investieren in den sozialen Zusammenhalt. Ein bezahlbares, attraktives Freibad ist gerade für Familien mit geringerem Einkommen ein unverzichtbares Angebot.”

Tatsächlich ist der soziale Aspekt zentral. Das Naturbad Mockritz hat einen vergleichsweise niedrigen Eintrittspreis. Es ist ein Ort, an dem sich die diversen Bewohnerschaften der südlichen Stadtteile mischen – Studierende, Familien, Alteingesessene und Zugezogene. In einer Zeit, in der private Freizeitangebote immer teurer werden, gewinnen solche öffentlichen Räume an Bedeutung. Die Wiedereröffnung ist somit auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit und der gleichberechtigten Teilhabe am städtischen Leben.

Der Blick über die Stadtgrenzen hinaus zeigt, dass Dresden mit seiner Entscheidung, am Naturbad festzuhalten, eher eine Ausnahme macht. Viele ähnliche Bäder in Deutschland wurden in den letzten Jahrzehnten aus Kostengründen geschlossen oder chlorisiert. Das macht den Erfolg der Sanierung in Mockritz umso beobachtenswerter. Sollte das Konzept dauerhaft stabil laufen, könnte es als Modell für andere Kommunen dienen, die ihre eigenen Naturbäder erhalten wollen.

Für die Dresdner Bürgerinnen und Bürger bleibt nun vor allem eines: die praktische Nutzung. Das Gesundheitsamt wird die Wasserqualität wie gewohnt engmaschig überwachen, die Ergebnisse werden wöchentlich online veröffentlicht. Die Badeaufsicht wurde verstärkt und es gibt neue, klarere Hinweisschilder zu den Hygieneregeln. Die Verantwortung liegt nun auch bei den Besuchern, das empfindliche Ökosystem zu schützen – durch das Duschen vor dem Baden und den Verzicht auf Sonnencremes mit schädlichen Chemikalien.

Die kommenden heißen Monate werden den Beweis bringen. Für die Menschen am Elbhang bedeutet die Öffnung aber schon jetzt mehr als nur eine Abkühlungsmöglichkeit. Es ist die Rückkehr eines Stücks verlässlicher Normalität und Lebensqualität. Als die ersten Sonnenanbeter ihre Handtücher auf der Wiese ausbreiten, ist spürbar, dass hier mehr gereinigt wurde als nur Wasser. Es geht um das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit der Kommune und den Wert öffentlicher Güter. Das Naturbad Mockritz ist wieder da. Jetzt muss es nur noch den Sommer überstehen.


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VonJulia Becker
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Julia ist eine engagierte Reporterin für den Süden Deutschlands mit Schwerpunkt auf München und Stuttgart. Sie schreibt über lokale Kulturveranstaltungen, das wirtschaftliche Stadtleben und Geschichten von Menschen, die ihre Region prägen. Ihre Beiträge zeichnen sich durch Nähe, Empathie und starke persönliche Perspektiven aus.
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