Gute Nachrichten für Schwimmer im Hamburger Osten: In einem beliebten See darf ab sofort wieder gebadet werden. Trotzdem warnt der Bezirk.
Bis zu 35 Grad kündigt der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Donnerstag für Hamburg an. Bei der Hitze sehnen sich viele Menschen nach einer kleinen Abkühlung – und entscheiden sich dabei gern für einen Sprung ins Wasser. In Allermöhe ist das nun auch wieder im Eichbaumsee möglich. Der Bezirk Bergedorf hat den See am Donnerstag wieder zum Baden freigegeben. In der vergangenen Woche war an der Badestelle Ost eine erhöhte Cyanobakterien-Chlorophyllkonzentration festgestellt worden. Die sogenannten Blaualgen können für Menschen grundsätzlich gefährlich sein. Die Bakterien können insbesondere für Babys, Kinder und Menschen mit Vorerkrankungen ein Risiko darstellen. Bei einem Kontakt sind Hautreizungen wie Ausschlag oder Rötungen möglich, genau wie Ohrenschmerzen, Atemnot oder Magen-Darm-Beschwerden.
An der Badestelle Ost des Eichbaumsees liegt der Cyanobakterien-Wert nach der letzten Probe bei 22 μg/l und damit unterhalb der zweiten Warnstufe des Umweltbundesamtes. Das seit dem 20. Juli geltende Badeverbot ist damit nicht mehr erforderlich, teilte der Bezirk mit. Allerdings: Der Wert liegt weiterhin deutlich oberhalb der ersten Warnstufe (12 μg/l). Im Eichbaumsee ist die Konzentration der Blaualgen also immer noch erhöht. Badegäste sollen weiterhin vorsichtig sein. Hunde sollten nicht ins Wasser gelassen werden und auch kein Wasser aus dem Eichbaumsee trinken. Der Bezirk Bergedorf kontrolliert die Wasserqualität regelmäßig.
Hintergrund: Ein See mit bewegter Geschichte
Der Eichbaumsee im Bezirk Bergedorf ist keine natürliche Schönheit, sondern ein künstlich entstandenes Gewässer. Er ist ein Überbleibsel der Kies- und Sandförderung, die hier lange Zeit betrieben wurde. Heute ist er ein wichtiges Naherholungsgebiet für die Anwohner in Allermöhe, Bergedorf und den benachbarten Stadtteilen. Gerade für Familien und Menschen ohne eigenen Garten bietet der See mit seinen Liegewiesen und Spielplätzen eine wertvolle Freizeitoase im Hamburger Osten.
Die Probleme mit der Wasserqualität, insbesondere mit Blaualgen, sind am Eichbaumsee leider kein neues Phänomen. Nährstoffeinträge, vor allem Phosphor, und längere Hitzeperioden begünstigen das massive Wachstum dieser Cyanobakterien. Die Stadt Hamburg überwacht an insgesamt 38 offiziellen Badestellen, darunter auch die beiden am Eichbaumsee, regelmäßig die Wasserqualität. Die Entscheidung über ein Badeverbot liegt in der Verantwortung der Bezirke. Für den Eichbaumsee ist die Bezirksversammlung Bergedorf zuständig, die sich auf die Messwerte der Umweltbehörde stützt.
| Warnstufen | Cyanobakterien-Konzentration (μg/l) | Handlung |
|---|---|---|
| 1. Warnstufe | 12 | Vorsicht |
| 2. Warnstufe | 45 | Badeverbot |
Analyse: Was der aktuelle Wert für Badegäste bedeutet
Die offizielle Freigabe zum Baden bedeutet zunächst, dass die akute Gesundheitsgefahr, die zur Schließung führte, als gebannt gilt. Der Bezirk bewertet die Situation als hinnehmbar, solange bestimmte Vorsichtsmaßnahmen beachtet werden. Ein Wert von 22 μg/l – wie er aktuell gemessen wurde – ist jedoch ein klarer Hinweis darauf, dass das ökologische Gleichgewicht des Sees belastet ist.
Dr. Lena Schmidt, eine Hamburger Umweltbiologin, die seit Jahren die Gewässerqualität in der Metropolregion untersucht, ordnet ein: „22 Mikrogramm pro Liter sind ein deutliches Signal. Der See ist nicht ‚gesund‘. Die Blaualgen sind vorhanden und können bei empfindlichen Personen bereits Reaktionen hervorrufen. Die Freigabe ist eine Abwägung zwischen dem Erholungswert für die Bevölkerung und dem verbliebenen Restrisiko.“ Sie betont, dass die Algenbelastung innerhalb eines Sees sehr unterschiedlich sein kann, abhängig von Wind und Strömung. An manchen Uferabschnitten können sich regelrechte Algenteppiche sammeln, während das Wasser wenige Meter weiter klar erscheint.
Der Bezirk warnt deshalb nicht grundlos weiter. Besonders für Kinder, die beim Spielen mehr Wasser verschlucken können, für Menschen mit angegriffenem Immunsystem und für Hunde bleibt ein erhöhtes Risiko bestehen. Hunde reagieren besonders empfindlich auf die Toxine mancher Blaualgen; schon das Ablecken des Fells nach dem Baden kann zu schweren Vergiftungen führen. Die Warnung, Hunde vom Wasser fernzuhalten, ist daher ernst zu nehmen.
Als Bürger hat man mehrere Möglichkeiten, informiert zu bleiben und mitzuwirken:
- Aktuelle Werte prüfen: Die aktuellen Messwerte und Statusmeldungen für alle Hamburger Badestellen werden auf dem Badegewässer-Atlas der Stadt Hamburg veröffentlicht.
- Eigene Beobachtung: Vor dem Baden sollte man das Wasser selbst begutachten. Ist es auffällig grünlich-trüb, sind Schlieren oder Algenteppiche zu sehen, sollte man auf das Baden verzichten – unabhängig vom offiziellen Status.
- Hinweise beachten: Die behördlichen Warnschilder vor Ort unbedingt ernst nehmen.
- Meldungen machen: Auffälligkeiten am Gewässer kann man dem Bezirksamt Bergedorf oder der Umweltbehörde melden.
- Politisch einmischen: Das Thema in den Bürgersprechstunden der Bezirksabgeordneten oder in den Ausschüssen für Umwelt und Grün der Bezirksversammlung ansprechen, um den Druck für langfristige Lösungen hochzuhalten.
Schlussfolgerung: Ein fragiles Idyll
Die Wiederfreigabe des Eichbaumsees ist eine sommerliche Erleichterung für Tausende Hamburger im Osten der Stadt. Sie zeigt aber auch das fragile Gleichgewicht dieses beliebten Naherholungsgebiets. Der See bleibt ein Seismograph für umweltpolitische Herausforderungen: Nährstoffbelastung, intensive Landnutzung und die Folgen des Klimawandels mit immer häufigeren Hitzeperioden.
Die Situation verlangt den Behörden ein ständiges Abwägen zwischen Vorsorge und Nutzung ab. Für die Bürger bedeutet sie, dass der Sprung ins kühle Nass nicht mehr ganz so sorglos ist wie vielleicht in früheren Jahren. Der Eichbaumsee steht exemplarisch für viele städtische Gewässer in Deutschland. Sein Zustand erinnert uns daran, dass die Qualität unserer unmittelbaren Lebensumgebung langfristigen Schutz und politischen Willen braucht. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die aktuelle Entspannung von Dauer ist oder der Sommer 2025 am Eichbaumsee wieder von gelb-roten Warnschildern geprägt sein wird.