Die Hamburger Stadtverwaltung wächst – und wird dabei vielfältiger. Das ist die Kernaussage des aktuellen Personalberichts, den der Chef der Senatskanzlei, Jan Pörksen (SPD), vorgestellt hat. Während der rot-grüne Senat eigentlich bremsen wollte, arbeiteten Ende 2025 fast 83.000 Menschen bei der Stadt und ihren Betrieben. Das entspricht einem Plus von etwa 1.000 Vollzeitstellen im Vergleich zum Vorjahr. Besonders stark wuchsen die Bereiche, die die Politik priorisiert hat: Bildung, Bezirksämter und Polizei.
Interessant ist dabei das Verhältnis zur Einwohnerzahl. Auf 1.000 Hamburger kamen 2025 rechnerisch 37,6 städtische Vollzeitstellen – ein leichter Anstieg. Laut Pörksen liegt das daran, dass die Bevölkerung weniger stark gewachsen ist als erwartet. Nun wolle man „auf die Bremse treten“. Spielraum dafür biete der demografische Wandel: Rund zwölf Prozent der städtischen Beschäftigten sind 60 Jahre oder älter und werden in den kommenden Jahren in Rente gehen. Ein genereller Einstellungsstopp, wie in anderen Bundesländern, stehe trotz angespannter Haushaltslage aber nicht an. „Und wir bilden weiter aus“, versicherte Pörksen.
Die eigentliche Nachricht des Berichts ist jedoch eine andere: Die Hamburger Verwaltung verändert ihr Gesicht. Ein Viertel der neuen Auszubildenden und Studierenden, die 2025 eingestellt wurden, gab im freiwilligen Bewerbungsverfahren an, eine Migrationsgeschichte zu haben. Damit erreicht die Stadt ihr selbst gestecktes Ziel. „Dass rund jede vierte neu eingestellte Person eine Person mit Migrationsgeschichte ist“, so Pörksen. Wie hoch der Anteil in der gesamten Belegschaft ist, wird statistisch nicht erfasst. Diese Quote ist ein klares Signal. In einer Stadt, in der laut Statistikamt knapp 40 Prozent der Menschen unter 18 Jahren eine Zuwanderungsgeschichte haben, ist es eine Frage der Repräsentanz, dass sich diese Vielfalt auch im Rathaus und den Ämtern widerspiegelt.
Auch in anderen Diversitäts-Bereichen zeigt der Bericht Fortschritte, wenn auch mit unterschiedlichem Tempo. Der Frauenanteil in der gesamten Verwaltung liegt bei soliden 58 Prozent. In Führungspositionen stieg er auf knapp 50 Prozent. In den absoluten Spitzenjobs der städtischen Betriebe, wie bei der Hafenbehörde oder den Stadtreinigungsbetrieben, sind jedoch weiterhin zwei Drittel der Posten mit Männern besetzt. Pörksen betont hier die Langfristigkeit des Prozesses: Der Anteil habe sich in zehn Jahren immerhin fast verdoppelt. Einen klaren Erfolg kann Hamburg bei der Beschäftigung schwerbehinderter Menschen vermelden. Mit einer Quote von 6,4 Prozent werden die gesetzliche und die selbst gesetzte Zielmarke übertroffen.
Gleichzeitig wird die Arbeitgeberin Stadt offenbar attraktiver. Pro ausgeschriebene Stelle gingen im Schnitt 15 Bewerbungen ein – ein Anstieg von 60 Prozent binnen eines Jahres. „Daran sieht man auch, wie sich der Arbeitsmarkt verändert hat“, kommentiert Pörksen. In Zeiten des Fachkräftemangels ist das eine gute Position.
Was bedeutet das alles für die Hamburgerinnen und Hamburger? Eine wachsende und diversere Verwaltung ist kein Selbstzweck. Sie kann direkte Auswirkungen auf die Qualität der Services haben. Wenn die Belegschaft die Gesellschaft widerspiegelt, von der sie umgeben ist, verbessert das oft das Verständnis für die Anliegen der Bürger. Eine Polizistin, ein Lehrer oder eine Sachbearbeiterin im Bürgeramt, die möglicherweise ähnliche Erfahrungen gemacht haben wie die Menschen vor dem Schalter, können Brücken bauen. Das stärkt das Vertrauen in die Institutionen. Besonders wichtig ist dieser Effekt in den Bezirksämtern, die im direkten Kontakt mit den Anwohnern stehen und deren Personalzahl ebenfalls gewachsen ist.
Die Herausforderung für den Senat bleibt die Balance. Einerseits will und muss die Stadt angesichts des Renteneintritts vieler Beschäftigter und gesellschaftlicher Aufgaben attraktive Arbeitgeberin bleiben. Andererseits muss sie die Personalausgaben im Griff behalten, um nicht andere wichtige Investitionen in Schulen, Schwimmbäder oder Verkehr zu gefährden. Pörksens Strategie des „Abbremsens“ durch langfristige Planung und natürliche Fluktuation klingt vernünftig, wird aber im politischen Alltag schwer umzusetzen sein. Jeder neue Bedarf – sei es für mehr Kita-Plätze oder die Unterbringung Geflüchteter – führt zu Forderungen nach mehr Personal.
Der Personalbericht zeigt vor allem eines: Hamburg versteht sich als moderne, weltoffene Dienstleisterin. Die gezielte Einstellung von Menschen mit Migrationsgeschichte ist ein aktiver Schritt, um die Verwaltung an die Realität der Stadtgesellschaft anzupassen. Ob dies gelingt, wird sich nicht in den Statistiken zeigen, sondern auf den Fluren der Bezirksämter, in den Klassenzimmern und auf den Straßen. Die Quote ist ein Anfang. Der wahre Test kommt jetzt: Schafft es die Stadt, diese neuen Kolleginnen und Kollegen gut zu integrieren und ihre Perspektiven gewinnbringend für alle Hamburger einzusetzen? Die Antwort darauf wird die Verwaltung der Zukunft prägen.
- Wachstum der Stadtverwaltung
- Vielfalt in der Belegschaft
- Demografischer Wandel
- Fortschritt bei Diversität
- Erhöhung der Bewerbungen
- Qualitätssteigerung der Dienstleistungen
| Bereich | Aktueller Stand | Ziel |
|---|---|---|
| Frauenanteil in der Verwaltung | 58% | 60% |
| Frauenanteil in Führungspositionen | 50% | 50% |
| Beschäftigung schwerbehinderter Menschen | 6,4% | 6% (gesetzlich) |
| Quote der Neuzugänge mit Migrationsgeschichte | 25% | 25% |