Als Julia Becker von Nachrichten Lokal berichte ich über ein wichtiges Thema, das besonders in den heißen Sommermonaten an Bedeutung gewinnt: die Versorgung obdachloser Menschen in unserer Stadt. Die Potsdamer Straßensozialarbeit hat angesichts der Hitze ein besonderes Auge auf den gesundheitlichen Zustand der Obdachlosen. «Wir haben regelmäßig und zusätzlich Hitzetouren durchgeführt», sagte Jörg Faulhaber von dem Projekt Creso-Streetwork. Außerdem hätten die Streetworker Wasser und teilweise Sonnencreme verteilt. Bei akuten Hitzewarninformationen hätten sie die Obdachlosen gewarnt.
Die Stadt Potsdam erlebte schon Tage mit Temperaturen nahe der 40-Grad-Marke. Für Menschen ohne festen Wohnsitz stellt dies eine besondere gesundheitliche Gefahr dar. Ohne Zugang zu kühlen Räumen, ausreichend Wasser und Schattenplätzen sind Hitzschlag und Dehydrierung reale Risiken. Die Streetworker sind dabei oft die erste und wichtigste Kontaktstelle für diese besonders vulnerable Gruppe in unserer Gemeinschaft.
Die Streetworker kritisieren deutlich: «Wir sind allerdings der Meinung, dass es im Stadtgebiet zu wenige Wasserspender und insgesamt zu wenig Abkühlungsmöglichkeiten gibt.» Diese Aussage von Jörg Faulhaber ist ein klarer Appell an die kommunale Infrastrukturplanung. Während viele Potsdamerinnen und Potsdamer sich in klimatisierten Räumen aufhalten können, haben Obdachlose diese Möglichkeit oft nicht. Öffentliche Trinkbrunnen oder festinstallierte Wasserspender an zentralen Plätzen wie dem Hauptbahnhof, dem Luisenplatz oder in den Parks der Stadt könnten hier eine lebenswichtige Lücke schließen. Bei den Hitzetouren sei daher Wasser größtenteils dankend angenommen worden, so Faulhaber. Diese Nachfrage zeigt den klaren Bedarf.
Die Straßensozialarbeit ist ein unverzichtbarer Pfeiler der Potsdamer Gemeinwesensarbeit. Im vergangenen Jahr arbeiteten die Streetworker nach eigenen Angaben mit 143 namentlich erfassten Menschen. «Dabei ist jedoch zu beachten, dass uns nicht alle obdach- oder wohnungslosen Menschen in Potsdam bekannt sind.» Viele Menschen seien zudem bereits an andere Institutionen angebunden – etwa an die Suppenküche. Diese Zahl, so unvollständig sie sein mag, gibt doch einen Einblick in das Ausmaß der Wohnungslosigkeit in unserer Stadt. Sie zeigt, dass es sich nicht um ein Randphänomen handelt, sondern um eine reale soziale Herausforderung mitten in unserer Gemeinschaft.
Nach dem Eindruck der Straßensozialarbeit gibt es einen leichten Anstieg der Anzahl der Obdachlosen in der Stadt. Dies lasse sich aber nur schwer belegen. «Aus unserer Sicht könnte das mit prekären Wohnungslagen, Zuzügen aus Berlin, einem schnelleren Verfahren bis hin zur Räumung der eigenen Wohnung» zusammenhängen. Sie sähen außerdem psychische Belastungen und Armut als Treiber. Diese Analyse der Fachleute vor Ort deckt sich mit den größeren Trends in vielen deutschen Städten: steigende Mieten, knapper Wohnraum und soziale Verwerfungen führen dazu, dass immer mehr Menschen den Boden unter den Füßen verlieren. Potsdam ist als wachsende Stadt mit angespanntem Wohnungsmarkt hier besonders betroffen.
Die Forderung nach mehr öffentlichen Wasserspendern ist daher nicht nur eine Frage der sommerlichen Hitzevorsorge, sondern eine Frage der städtischen Daseinsvorsorge und sozialen Gerechtigkeit. Eine Stadt, die für alle da sein will, muss auch die Grundbedürfnisse aller Bewohnerinnen und Bewohner im Blick haben – unabhängig von ihrem Wohnstatus. Die bestehenden Angebote wie die Suppenküche oder die Straßensozialarbeit leisten Unglaubliches, stoßen aber an ihre Grenzen, wenn die grundlegende städtische Infrastruktur fehlt.
Was bedeutet das konkret für Potsdam? Die Streetworker haben mit ihren Hitzetouren und der Wasserverteilung eine akute Nothilfe geleistet. Diese Arbeit ist wichtig und verdient unseren Respekt. Doch sie kann nur eine Übergangslösung sein. Langfristig braucht es strukturelle Antworten von der Stadtverwaltung und der Politik. Die Installation von kostenlosen Wasserspendern an neuralgischen Punkten wäre ein erster, konkreter und vergleichsweise kostengünstiger Schritt. Solche Spender gibt es bereits in anderen Städten wie Berlin oder Freiburg und sie kommen nicht nur Obdachlosen, sondern auch anderen Stadtbewohnern wie Seniorinnen, Kindern oder Radfahrern zugute.
Zudem stellt sich die Frage nach kühlen Aufenthaltsmöglichkeiten während extremer Hitzetage. Könnten städtische Einrichtungen wie Bibliotheken, Bürgerhäuser oder Schwimmbäder gezielt als «Kühlezonen» ausgewiesen und beworben werden? Und wie können Obdachlose, die oft am Rande des sozialen und digitalen Informationsflusses stehen, über solche Angebote erreicht werden? Hier ist die Expertise der Streetworker gefragt, die den direkten Draht zu den Menschen auf der Straße haben.
Die Situation der Obdachlosen in Potsdam ist ein Spiegel unserer städtischen Gesellschaft. Sie zeigt, wie wir mit den Schwächsten umgehen und wie robust unsere sozialen Sicherungssysteme sind. Der Sommer mit seiner Hitze wirft ein grelles Licht auf diese Missstände. Die Forderung der Straßensozialarbeit nach mehr Wasserspendern ist deshalb mehr als eine technische Detailfrage. Sie ist ein Aufruf, die soziale Infrastruktur unserer Stadt so auszubauen, dass niemand durchs Raster fällt. In einer reichen und fortschrittlichen Stadt wie Potsdam sollte der Zugang zu Trinkwasser – einer grundlegendsten Lebensvoraussetzung – für alle Menschen eine Selbstverständlichkeit sein. Es ist an der Zeit, dass die Stadtverwaltung und der Stadtrat diesen Aufruf hören und in konkretes Handeln umsetzen. Die Gesundheit und Würde jedes Potsdamers und jeder Potsdamerin hängt auch davon ab.
- Wasserspender an zentralen Plätzen
- Öffentliche Trinkbrunnen
- Akute Nothilfe durch Streetworker
- Kühlräume während der Hitze
- Zusammenarbeit mit sozialen Institutionen
- Langfristige Lösungen durch die Stadtverwaltung
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Temperaturen | Nahe der 40 Grad |
| Obdachlose | Besondere gesundheitliche Gefahr |
| Wasserspender | Zu wenige im Stadtgebiet |
| Hitzetouren | Regelmäßig durchgeführt |
| Nothilfe | Akute Versorgung von Obdachlosen |
| Soziale Gerechtigkeit | Wichtigkeit des Zugangs zu Wasser |