Die Insolvenz der bekannten Modemarke Closed im August 2025 hat in Hamburg nicht nur einen großen wirtschaftlichen Schaden hinterlassen, sondern wirft jetzt auch ernste rechtliche Fragen auf. Nach Informationen der WELT AM SONNTAG ermittelt die Hamburger Staatsanwaltschaft gegen die ehemaligen Geschäftsführer Gordon Giers, Hans Redlefsen und Til Nadler. Der Vorwurf: Insolvenzverschleppung. Gläubiger des Unternehmens haben Forderungen in Höhe von etwa 100 Millionen Euro angemeldet. Diese Summe zeigt das enorme Ausmaß des finanziellen Scherbenhaufens, den das einst angesehene Label in der Hamburger Wirtschaftshistorie hinterlässt.
Im Zentrum der Ermittlungen stehen offenbar eine Reihe dubioser Geschäfte. Besonders der ehemalige Finanzchef Hans Redlefsen gerät schwer unter Beschuss. Ihm werden Kreditbetrügereien, Bilanzfälschungen und Veruntreuung vorgeworfen. Ein schwerwiegender Vorwurf kam Ende Juli 2026 von der milliardenschweren Aloys Wobben Stiftung, der Eigentümerin des Windkraftkonzerns Enercon. Sie erstattete Strafanzeige gegen Redlefsen mit der Behauptung, er habe im Jahr 2024 notariell beurkundete Kaufverträge gefälscht. Auf Nachfragen der Zeitung reagierte Redlefsen nicht.
Seine Mitgeschäftsführer Gordon Giers und Til Nadler bestreiten derweil, von den Vorgängen gewusst zu haben. Sie beteuern ihre Unkenntnis über die mutmaßlichen Machenschaften. Die Staatsanwaltschaft muss nun klären, ob und in welchem Umfang die Verantwortlichen ihrer Sorgfaltspflicht nachgekommen sind oder ob durch Handeln oder Unterlassen die Insolvenz des Unternehmens bewusst hinausgezögert wurde – zum Schaden der Gläubiger und Mitarbeiter.
Für Hamburg als Wirtschaftsstandort ist dieser Fall ein schwerer Schlag. Er untergräbt das Vertrauen und wirft ein Schlaglicht auf die Kontrollmechanismen in Unternehmen. Die rund 100 Millionen Euro an Gläubigerforderungen bedeuten nicht nur Verluste für Banken und Investoren, sondern können auch Existenzbedrohungen für kleinere Zulieferer und Dienstleister bedeuten, die auf ihr Geld warten.
- Wirtschaftlicher Schaden für die Stadt
- Ermittlungen gegen ehemalige Geschäftsführer
- Vorwurf der Insolvenzverschleppung
- Kreditbetrügereien und Bilanzfälschungen
- Strafanzeige von Aloys Wobben Stiftung
- Bedrohung für kleinere Zulieferer
Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sind daher nicht nur von strafrechtlichem, sondern auch von hohem wirtschaftlichem und symbolischem Interesse für die Hamburger Geschäftswelt.
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Marke | Closed |
| Insolvenzdatum | August 2025 |
| Forderungen der Gläubiger | 100 Millionen Euro |
| Ex-Geschäftsführer | Gordon Giers, Hans Redlefsen, Til Nadler |
| Kritik an | Hans Redlefsen |
| Eigentümerin der Stiftung | Aloys Wobben Stiftung |