Eine Wohnungstür in einem Mehrfamilienhaus in Neuhausen-Nymphenburg. Ein Klingeln am Freitagvormittag. Ein Mann, der ahnungslos öffnet. Was folgt, ist ein brutaler Angriff mit einer Waffe, der einen 42-Jährigen schwer verletzt und eine ganze Nachbarschaft in Angst und Unverständnis zurücklässt. Der Fall, der sich in der Schachenmeierstraße ereignete, beschäftigt nun die Ermittler der Münchner Mordkommission auf Hochtouren. Sie fahnden mit einem europäischen Haftbefehl nach einem 35-jährigen Mann aus München. Während das Opfer im Krankenhaus um sein Leben kämpfte, bleiben die entscheidenden Fragen offen: Was trieb den Täter zu dieser Tat? Und was bedeutet diese Gewalt vor der eigenen Haustür für das Sicherheitsgefühl in einem ruhigen Münchner Stadtteil?
Ein brutaler Angriff am helllichten Tag
Es war gegen 10.20 Uhr am vergangenen Freitag, als es an der Wohnungstür einer 36-jährigen Münchnerin in der Schachenmeierstraße klingelte. In der Wohnung waren zu diesem Zeitpunkt drei Gäste, darunter der 42-jährige Mann, der das Opfer werden sollte. Er ging zur Tür und öffnete. Vor ihm stand, nach bisherigen Ermittlungen der Polizei, der 35-jährige Mann, gegen den nun gefahndet wird.
Was dann passierte, ging schnell und brutal vonstatten. Der Täter griff den 42-Jährigen laut Polizeiangaben sofort an. Er soll mit einem Messer mehrfach auf sein Opfer eingestochen haben. Zusätzlich schlug er mit den Fäusten auf den Mann ein. Der Angriff spielte sich unmittelbar im Türrahmen der Wohnung ab, ein Ort, der eigentlich Schutz und Privatsphäre symbolisiert. Nach der Tat flüchtete der Angreifer. Die herbeigerufenen Rettungskräfte brachten den schwer verletzten 42-Jährigen in ein Münchner Krankenhaus. Eine Polizeisprecherin teilte am Sonntag mit, dass der Verletzte sich nicht mehr in akuter Lebensgefahr befinde. Die Hinterbliebenen und die Nachbarn sind dennoch zutiefst erschüttert.
Intensive Fahndung und ein unklares Motiv
Die Mordkommission hat die Ermittlungen übernommen und richtet ihr Augenmerk auf den flüchtigen 35-Jährigen. Die Staatsanwaltschaft München I beantragte erfolgreich einen Haftbefehl sowie einen Europäischen Haftbefehl gegen den Mann. Beide werden unter anderem wegen des dringenden Verdachts des versuchten Mordes erlassen. Die Fahndungsmaßnahmen des Polizeipräsidiums München laufen auf Hochtouren.
Während die Jagd nach dem Täter läuft, tappen die Ermittler bezüglich des Motivs noch im Dunkeln. Die Polizei geht aufgrund ihrer ersten Erkenntnisse davon aus, dass sich Täter und Opfer kannten und eine „Vorbeziehung“ zwischen ihnen bestand. Was genau diese Vorbeziehung umfasst, ob es sich um eine persönliche Fehde, einen finanziellen Streit oder etwas ganz anderes handelt, wird nicht näher spezifiziert. In der Nachbarschaft und in ersten Berichten kursiert auch das Gerücht, Eifersucht könnte eine Rolle gespielt haben. Unklar ist dabei, ob die 36-jährige Frau, in deren Wohnung der Besuch stattfand, in irgendeiner Weise mit der Tatmotivation in Verbindung steht. Die Polizei hat hierzu keine bestätigenden Angaben gemacht. Die Ungewissheit über die Ursache der Gewalt belastet die Anwohner zusätzlich.
Neuhausen-Nymphenburg: Idyllischer Stadtteil mit einem Schock
Der Tatort liegt im Stadtteil Neuhausen-Nymphenburg, einem Bereich Münchens, der für seine ruhigen, grünen Straßen, seine klassischen Altbauten und ein starkes nachbarschaftliches Miteinander bekannt ist. Viele Familien schätzen das Wohnumfeld. Ein derart brutaler Vorfall, der sich nicht in der dunklen Nacht, sondern am helllichten Vormittag abspielt, erschüttert das grundlegende Sicherheitsgefühl. Die Vorstellung, dass allein das Öffnen der eigenen Wohnungstür zu einer lebensbedrohlichen Gefahr werden kann, löst bei vielen Bewohnern Besorgnis aus.
„Man denkt immer, so etwas passiert woanders, nicht direkt vor der eigenen Haustür“, sagt eine Anwohnerin, die aus Sicherheitsgründen nicht namentlich genannt werden möchte. „Jetzt schaue ich doch zweimal durch den Spion, bevor ich aufmache.“ Diese veränderte Wahrnehmung ist eine direkte und verständliche Folge der Tat. Sie zeigt, wie ein einzelner Gewaltakt das Vertrauen in die unmittelbare Umgebung nachhaltig strapazieren kann.
Die Arbeit der Mordkommission und die nächsten Schritte
Die Münchner Mordkommission ist auf schwere Gewaltverbrechen spezialisiert und führt nun ein Bündel von Maßnahmen durch. Dazu gehören:
- Auswertung von möglichen Spuren am Tatort
- Befragung von Zeugen
- Ausforschung des Umfelds von Täter und Opfer
- Überprüfung der Beweggründe des Täters
- Kooperation mit internationalen Behörden
- Öffentlichkeitsarbeit zur Täterfahndung
Der europäische Haftbefehl deutet darauf hin, dass die Ermittler damit rechnen, der Gesuchte könnte versucht haben, sich ins Ausland abzusetzen.
Für die Bürgerinnen und Bürger in Neuhausen-Nymphenburg und ganz München bleibt die Hoffnung, dass die Polizei den Täter schnell festnehmen kann. Nur eine Aufklärung der Tat inklusive der Beweggründe des Angreifers kann langfristig dazu beitragen, das verlorene Gefühl der Sicherheit ein Stück weit zurückzugewinnen. Bis dahin ist die Verunsicherung spürbar. Der Fall ist eine tragische Erinnerung daran, dass Gewalt auch in den vermeintlich sichersten Vierteln unserer Stadt nicht vollständig ausgeschlossen werden kann. Die Pflicht der Ermittler ist es nun, alles dafür zu tun, dass Gerechtigkeit für das Opfer geschaffen und die genauen Umstände dieser schockierenden Attacke ans Licht gebracht werden.