Gerade lese ich diese Worte der neuen Bahn-Chefin und muss kurz schmunzeln. Nicht, weil es nicht ernst wäre – im Gegenteil. Sondern weil ich letzte Woche am Stuttgarter Hauptbahnhof stand. Wieder einmal. Auf der Anzeigetafel blinkte „Verspätung: 30 Minuten“. Ein älterer Herr neben mir seufzte nur: „Organisiert, ist es auf jeden Fall.“
Evelyn Palla nennt es „organisierte Verantwortungslosigkeit“. Eine bemerkenswert ehrliche Diagnose von ganz oben. „Wesentliche Entscheidungen wurden zentral getroffen“, sagt sie, „die Verantwortung für die Umsetzung lag aber woanders.“ Das klingt nach einem klassischen Bürokratie-Drama. Die, die entscheiden, müssen es nicht ausbaden. Die, die es ausbaden müssen, haben nicht entschieden. Am Ende zeigt der Finger auf alle – und auf niemanden. „Man musste nur gut genug erklären, warum die Ziele nicht erreicht werden konnten“, so Palla. „Damit kam man oft jahrelang durch.“ Wie befreiend muss es für eine Chefin sein, diesen Satz einfach auszusprechen. Er beschreibt eine Kultur der Rechtfertigung, nicht des Handelns.
Doch Palla betont: Sie meint explizit nicht die Menschen auf den Bahnsteigen und in den Zügen. „Das sind meine Helden, die die Eisenbahn täglich am Laufen halten.“ Dieser Satz ist wichtig. Er trennt den bürokratischen Apparat von der eigentlichen Arbeit. Die Veränderung, die sie fordert, ist ein echter Kulturwandel. „Das ist der viel schwierigere Teil beim Neustart der Bahn, und der braucht Mut und Zeit.“ Es geht um dezentrale Verantwortung. Darum, dass diejenigen, die vor Ort die Lage kennen, auch Gestaltungsspielraum bekommen. Und Konsequenzen tragen. Das klingt logisch, ist aber in einem riesigen Staatskonzern eine Herkulesaufgabe.
Was bedeutet das für uns, die wir auf die Bahn angewiesen sind? Palla macht keine leeren Versprechungen. Die Pünktlichkeit bleibe dieses Jahr schwierig. „Wer hier etwas anderes verspricht, macht den Menschen etwas vor.“ Diese Ehrlichkeit tut fast weh, ist aber erfrischend. Sie verweist auf das Zieljahr 2035. Dann wird die Bahn 200 Jahre alt – und soll das Gröbste hinter sich haben. Das ist eine lange Perspektive.
- Kulturwandel vorantreiben
- Dezentrale Verantwortung fördern
- Menschen vor Ort empowern
- Ehrlichkeit in der Kommunikation
- Verantwortung zurückgeben
- Auf Pünktlichkeit hinarbeiten
Eine Kultur zu ändern, ist wie einen schweren Zug auf ein anderes Gleis zu schieben. Es braucht einen langen Anlauf. Pallas klare Worte sind der erste Ruck. Ob die Verantwortung jetzt wirklich dort ankommt, wo sie hingehört – bei den Menschen, die vor Ort die Weichen stellen – wird sich an ganz alltäglichen Momenten zeigen. Vielleicht irgendwann auch an einer pünktlichen Abfahrt in Stuttgart.
| Aspekt | Beschreibung |
|---|---|
| Verantwortlichkeit | Dezentrale Verantwortung für die Umsetzung |
| Kultur | Änderung in der Unternehmenskultur erforderlich |
| Verzögerungen | Aktuelle Pünktlichkeit bleibt herausfordernd |
| Vision | Zieljahr 2035 für Verbesserungen |
| Humanistische Sicht | Wertschätzung der Mitarbeiter |
| Mut | Mut für Veränderungen erforderlich |