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Nachrichten Lokal > Nachrichten > Düsseldorf > Motorrad-Korso in Düsseldorf: Spendenaktion für Hospiz
Düsseldorf

Motorrad-Korso in Düsseldorf: Spendenaktion für Hospiz

Julia Becker
Zuletzt aktualisiert: August 3, 2026 7:01 a.m.
Julia Becker
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Die Sonne stand hoch am Himmel über dem Schützenplatz an der Bayreuther Straße, als sich am Samstag ein vertrautes Brummen in der Luft ausbreitete. Gut 160 Motorräder reihten sich nebeneinander, bereit für ihren Auftritt. Es war der 18. Motorrad-Korso der Mopped-Schützen aus Benrath, und dieses Mal fiel er nicht ins Wasser. Nach der Absage im vergangenen Jahr wegen angekündigter Regenfluten rollten die Bikes nun unter fast wolkenlosem Himmel durch Düsseldorfs Stadtteile, von Hassels über Oberbilk bis nach Grafenberg. Ihr Ziel war klar: Spenden sammeln für das Kinder- und Jugendhospiz Regenbogenland in Gerresheim. Der Korso führte die Fahrerinnen und Fahrer auch direkt am Hospiz-Gebäude vorbei – eine stille, aber mächtige Geste der Solidarität in einer lauten Parade.

„Für uns sind solche Veranstaltungen existenziell notwendig“, sagt Jenny Bahms, Ehrenamtlerin im Regenbogenland. Ihre Worte treffen den Kern der Sache. Mehr als die Hälfte der Finanzierung des Hospizes, über 50 Prozent, stammt aus Spenden. Jeder Euro zählt, um den Leitspruch der Einrichtung mit Leben zu füllen: „Nicht dem Leben mehr Tage geben, sondern den Tagen mehr Leben.“ Dieses Jahr hoffen die Organisatoren wieder auf einen vierstelligen Spendenerlös. In den vergangenen Jahren kamen durch das Mopped-Schützen-Treffen insgesamt 67.297 Euro zusammen, das Rekordjahr 2024 brachte allein 9.100 Euro. Die Veranstaltung ist mehr als nur ein Motorradtreffen. Sie ist ein pulsierendes Beispiel dafür, wie Gemeinschaftssinn in Düsseldorf konkret funktioniert.

Hintergrund und Kontext: Vom Stammtisch zur festen Institution

Die Mopped-Schützen sind selbst ein schönes Stück Düsseldorfer Lokalgeschichte. Gegründet 2009, sind sie kein eigener Verein, sondern ein Stammtisch innerhalb der traditionsreichen Schützenbruderschaft St. Cäcilia Benrath. Die Idee entstand schlicht aus der Beobachtung, dass viele der Schützenbrüder auch leidenschaftliche Motorradfahrer waren. Warum also nicht dieses gemeinsame Hobby mit einem guten Zweck verbinden? So begann vor 18 Jahren die Erfolgsgeschichte.

Das Kinder- und Jugendhospiz Regenbogenland ist seit jeher der Empfänger der Spenden. Es begleitet Familien, in denen Kinder oder Jugendliche an unheilbaren, lebensverkürzenden Krankheiten leiden. Die Arbeit umfasst Kurzzeitpflege, Entlastung der Familien und Trauerbegleitung. Diese Arbeit ist kostspielig und wird nur zu einem Teil durch die Krankenkassen finanziert. Die Lücke muss durch Spenden geschlossen werden. Veranstaltungen wie die der Mopped-Schützen sind daher keine nette Zugabe, sondern eine finanziell tragende Säule. Es ist ein Modell, das in vielen deutschen Städten zu finden ist: Lokale Vereine oder Initiativen adoptieren soziale Einrichtungen und schaffen durch regelmäßige Aktionen eine verlässliche Unterstützung.

Eine Gemeinschaft in Aktion: Mehr als nur ein Korso

Der Korso ist das sichtbare Herzstück, aber das Treffen auf dem Schützenplatz ist der eigentliche soziale Motor. Hier zeigt sich, was ehrenamtliches Engagement wirklich bedeutet. Mehr als 30 Helfer arbeiteten am Wochenende komplett unentgeltlich. Sie standen am Grill, bauten die Bühne für die Livemusik auf und wieder ab, organisierten das Frühstück für die frühen Vögel und kümmerten sich um die aufwändige Logistik von Genehmigungen bis zur Koordination mit der Polizei.

Die Atmosphäre war geprägt von einem entspannten Miteinander. An einem Tombolastand verkaufte Melina Schwanke (CDU) Lose. Die Bezirksbürgermeisterin des Stadtbezirks 9 (Benrath, Himmelgeist, Urdenbach, Itter) war jedoch nicht in offizieller Funktion da. „Ich bin privat mit von der Partie“, betonte sie. „Ich bin seit der ersten Veranstaltung dabei, und da war ich ja noch lange nicht Bezirksbürgermeisterin.“ Ihre Anwesenheit symbolisiert die Verwurzelung der Aktion im Stadtteil. Es ist eine Initiative aus der Mitte der Benrather Bürgerschaft, die politische Würdenträger einfach als Nachbarn und Unterstützer mit einbezieht.

Auch die Unterhaltung kam nicht zu kurz und war ebenfalls ein Geschenk. Bands wie „Be Rock“ aus Krefeld, die Remscheider Sängerin Claudia Heinken oder die Düsseldorfer „KvR“ (Kurz vor Rente) rockten die Bühne ohne Gage. Selbst die Getränke und die Bühne wurden gesponsert. „Solches ehrenamtliches soziales Engagement für die Schwächeren in der Gesellschaft finde ich einfach großartig“, sagte der CDU-Landtagsabgeordnete Peter Blumenrath, der ebenfalls vorbeischaute. „Und dass das ein kleinerer Verein wie die Schützenbruderschaft in Benrath bereits so oft auf die Beine gestellt hat, macht es nochmals besonders.“

Gemeinschaftsauswirkungen und lokale Bedeutung

Die Wirkung des Mopped-Schützen-Treffens ist vielschichtig. Zunächst ist da die direkte finanzielle Hilfe für das Regenbogenland. Jeder gesammelte Euro bedeutet konkret mehr Lebensqualität für schwerkranke Kinder und entlastete Eltern. Die Spende sichert:

  • Spielmaterial
  • Besondere Therapieangebote
  • Eine warme, fürsorgliche Umgebung
  • Kurzzeitpflege
  • Entlastung der Familien
  • Trauerbegleitung

Doch die Bedeutung geht über den Geldbetrag hinaus. Solche Events schaffen Sichtbarkeit. Der laute Korso, der durch mehrere Stadtteile rollt, ist eine rollende Plakatwand für die Anliegen des Hospizes. Viele Anwohner, die das Spektakel am Straßenrand verfolgen, erfahren vielleicht zum ersten Mal von der Arbeit des Regenbogenlandes. Es ist Aufklärung und Sensibilisierung im öffentlichen Raum.

Für den Düsseldorfer Süden, besonders für Benrath, stärkt die Veranstaltung das lokale Identitätsgefühl. „Es ist für den Düsseldorfer Süden eine Möglichkeit, bei der Unterstützung von Menschen gemeinschaftlich etwas zu bewegen“, so bringt es Melina Schwanke auf den Punkt. In einer Zeit, in der Nachbarschaften oft anonym werden, schafft dieses jährliche Ritual Verbindung. Schützen, Motorradfahrer, Musiker, Politiker und viele Bürger arbeiten Hand in Hand für ein gemeinsames, uneigennütziges Ziel. Das stärkt den sozialen Zusammenhalt und zeigt, dass Solidarität keine abstrakte Idee bleiben muss.

Ein Ausblick auf die Straße vor uns

Auch wenn die Zahl der Aussteller in diesem Jahr mit sechs Ständen kleiner war als in der Vergangenheit, ist der Wille ungebrochen. Präses Jörg C. Sturm und sein Team planen bereits für 2026. Sie wissen, dass nicht jedes Jahr ein Rekordspendenjahr sein kann, aber die Kontinuität ist entscheidend. Das Motto könnte lauten: Wir machen weiter, weil es wichtig ist.

Die Mopped-Schützen aus Benrath demonstrieren damit ein einfaches, aber wirkungsvolles Rezept für gelebte Mitmenschlichkeit. Sie nehmen ein gemeinsames Hobby, verbinden es mit lokaler Tradition und kanalisieren die entstehende Energie in direkte, lokale Hilfe. Es ist ein Modell, von dem viele Stadtteile lernen können. Am Ende des Tages, wenn der letzte Grill ausgekühlt und die Bühne abgebaut ist, bleibt mehr als nur das Summen der Motoren in der Erinnerung. Es bleibt das gute Gefühl, dass in Düsseldorf Menschen füreinander da sind – und manchmal nehmen sie dafür einfach den kürzesten Weg: über die Straßen ihrer eigenen Stadt.

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VonJulia Becker
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Julia ist eine engagierte Reporterin für den Süden Deutschlands mit Schwerpunkt auf München und Stuttgart. Sie schreibt über lokale Kulturveranstaltungen, das wirtschaftliche Stadtleben und Geschichten von Menschen, die ihre Region prägen. Ihre Beiträge zeichnen sich durch Nähe, Empathie und starke persönliche Perspektiven aus.
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