Eine Drohne fliegt über Dortmund, als die Temperaturen bereits über 30 Grad klettern. Ihre Spezialkamera fängt nicht das Bild einer Stadt ein, sondern ihre Körpertemperatur. Das Ergebnis ist eine spektakuläre Wärmelandkarte, die Orte zeigt, die bis zu 70 Grad heiß werden. Diese neuen Thermalbilder machen deutlich: In Dortmund wird es nicht überall gleich heiß. Die Unterschiede zwischen asphaltierten Flächen und begrünten Oasen sind dramatisch und prägen das Leben in unserer Stadt an immer häufigeren Hitzetagen entscheidend.
Ein Stadtbild in Rot und Blau
Die Aufnahmen, aufgenommen von einer speziellen Drohne, zeigen die Innenstadt aus einer ungewohnten Perspektive. Straßen, Plätze und Dächer leuchten in tiefem Rot, Orange und Gelb. Das Rathaus, große asphaltierte Flächen und Teile des Hauptbahnhofvorplatzes verwandeln sich in wahre Hitzeinseln. «Besonders Flächen aus Asphalt, Beton oder dunklem Material speichern die Sonnenenergie den ganzen Tag über und geben sie nur langsam wieder ab,» erklärt ein Stadtklimatologe, der an der Auswertung beteiligt war. «Sie können bis zu 70 Grad Celsius erreichen. Das ist nicht nur unangenehm, das ist gesundheitsgefährdend.»
Im Kontrast dazu erscheinen Parks, Alleen und begrünte Hinterhöfe in kühlen Blau- und Grüntönen. Der Westfalenpark, die Promenade entlang des Wallrings und selbst kleinere, dicht bepflanzte Innenhöfe in der Nordstadt können bis zu 40 Grad kühler sein als ihre asphaltierte Umgebung. «Grün ist nicht gleich Grün,» betont eine Landschaftsplanerin der Stadt Dortmund. «Ein großkroniger, alter Baum spendet nicht nur Schatten. Durch die Verdunstung von Wasser über seine Blätter kühlt er die Luft aktiv ab. Ein kleiner Rasenstreifen hingegen hat diesen Effekt kaum.»
Wer leidet unter den Hitzeinseln?
Die sozialen Auswirkungen dieser Hitze-Hotspots sind ungleich verteilt. Besonders betroffen sind dicht besiedelte Stadtteile mit hohem Versiegelungsgrad, wie Teile der Innenstadt, der Nordstadt und bestimmte Bereiche des Kreuzviertels. Hier leben oft ältere Menschen, Familien ohne Auto und Personen mit geringerem Einkommen. «Wenn Ihre Wohnung sich aufheizt und sich nachts nicht abkühlt, ist das mehr als unbequem,» sagt eine Sozialarbeiterin des Caritas-Verbands. «Für chronisch Kranke, ältere Menschen oder Kleinkinder kann die Hitze lebensbedrohlich werden. Und nicht jeder kann sich eine Klimaanlage leisten oder einfach ‚auf’s Land‘ fahren.»
Die Thermalbilder liefern damit eine datengestützte Grundlage für eine Diskussion, die in Dortmund seit Jahren geführt wird: Wie machen wir unsere Stadt klimaresilient und sozial gerecht? Der letzte Hitzesommer hat die Dringlichkeit unterstrichen. Der Stadtrat diskutiert bereits über Maßnahmen.
Was kann die Stadt tun?
- Konsequent entsiegeln und begrünen
- Jeden Parkplatz in eine Grünfläche umwandeln
- Begrünte Dächer und Fassaden fördern
- Neue Baugebiete mit ausreichend Grün planen
- Sanierung von Plätzen mit dem Fokus auf Hitzeminderung
- Baumschutzsatzungen und Nachpflanzung gefällter Bäume
Die Lösungsansätze liegen auf der Hand, ihre Umsetzung ist jedoch komplex. «Wir müssen konsequent entsiegeln und begrünen,» sagt ein grüner Stadtrat. «Jeder Parkplatz, der zu einem wasserdurchlässigen Belag oder einer Grünfläche wird, hilft. Jedes begrünte Dach und jede Fassade ist ein kleiner Klimaretter.» Die Stadtverwaltung verweist auf bereits laufende Programme wie die «Zukunftsfähige Stadt» und die Förderung von Dach- und Fassadenbegrünung.
Doch es geht auch um Stadtplanung. Neue Baugebiete sollten von vornherein mit ausreichend Grün, Schatten und Frischluftschneisen geplant werden. Bei der Sanierung von Plätzen, wie aktuell am Friedensplatz diskutiert, muss der Aspekt der Hitzeminderung eine zentrale Rolle spielen. «Ein schattenloser, vollständig gepflasterter Platz ist im Sommer keine Aufenthaltsqualität, sondern eine Strafzone,» kommentiert ein Anwohner aus der Innenstadt.
Die Thermalbilder zeigen auch, wie wichtig der Erhalt jedes einzelnen großen Baumes ist. Die Diskussionen um Baumschutzsatzungen und die Nachpflanzung gefällter Bäume bekommen durch diese visuellen Beweise neues Gewicht.
Was können Bürgerinnen und Bürger tun?
Stadtklimatologie ist nicht nur Aufgabe der Politik. Auch im Kleinen lässt sich viel bewegen. «Ein begrünter Hinterhof, ein Baum vor dem Haus, ein Vorgarten ohne Schotter – all das summiert sich,» erklärt eine Aktive der Initiative «Dortmund kühlt runter.» Die Gruppe engagiert sich für mehr Stadtgrün und informiert Bürger über Fördermöglichkeiten. «Jeder kann bei der Stadt anregen, dass eine ungenutzte asphaltierte Fläche entsiegelt wird. Und jeder kann darauf achten, dass bei der eigenen Wohnung oder dem Haus nicht noch mehr Fläche versiegelt wird.»
Die spektakulären Wärmebilder sind mehr als eine technische Spielerei. Sie sind ein Weckruf für Dortmund. Sie zeigen konkret und unbestreitbar, wo unsere Stadt im Sommer unbewohnbar heiß wird und wo wir Erholung finden. Sie machen die abstrakte Diskussion um Klimaanpassung greifbar. Die Herausforderung der nächsten Jahre wird sein, das Blau auf diesen Bildern auszudehnen – durch kluge Politik, durch Investitionen in grüne Infrastruktur und durch das Engagement jeder und jedes Einzelnen, der hier lebt. Denn die Lebensqualität in Dortmund an einem heißen Sommertag darf nicht vom Postleitzahlgebiet oder dem Geldbeutel abhängen.
| Bereich | Temperatur |
|---|---|
| Asphaltierte Flächen | bis zu 70 Grad |
| Westfalenpark | 40 Grad kühler |
| Innenhöfe Nordstadt | 40 Grad kühler |
| Hauptbahnhofvorplatz | 70 Grad |
| Parks Allgemein | 40 Grad kühler |
| Dachbegrünung | Reduzierung der Umgebungstemperatur |