Die Thalkirchner Brücke in München ist für die nächsten zwei Jahre komplett gesperrt. Ein marodes Gelenk macht die umfassende Sanierung des wichtigen Isar-Übergangs notwendig. Für Zehntausende Münchnerinnen und Münchner bedeutet dies massive Umleitungen und einen deutlich verlängerten Arbeitsweg. Die Stadtverwaltung hat jetzt den detaillierten Sanierungsplan und den Fahrplan für die Ersatzbusse vorgestellt.
Wer in München wohnt, kennt die Thalkirchner Brücke. Sie verbindet den Stadtteil Thalkirchen auf der westlichen Seite der Isar mit dem Süden von Untergiesing auf der östlichen Seite. Täglich rollen hier über 40.000 Fahrzeuge hin und her, dazu kommen unzählige Fußgänger und Radfahrer. Die Brücke ist eine der wichtigsten Verkehrsadern für den Süden der Stadt und entlastet die benachbarte Großhesseloher Brücke spürbar. Seit Anfang dieses Jahres ist diese Lebensader nun durchschnitten. Ein sogenanntes Lagergelenk, ein bewegliches Teil im Inneren der Brückenkonstruktion, das thermische Ausdehnungen ausgleicht, ist so stark korrodiert, dass eine akute Gefahr besteht. Experten des Baureferats stellten fest, dass es jederzeit brechen könnte. Eine sofortige Sperrung war die einzige sichere Lösung.
Der genaue Sanierungsplan liegt nun vor. Die Arbeiten beginnen im Frühjahr 2025 und werden voraussichtlich bis Ende 2026 dauern. „Wir müssen hier eine Komplettsanierung durchführen“, erklärt Baureferent Thomas Böhle. „Nicht nur das defekte Lagergelenk wird ersetzt, sondern wir nutzen die Zeit der Sperrung, um auch die Fahrbahn, die Gehwege und die gesamte elektrische Installation zu erneuern. So stellen wir sicher, dass die Brücke für die nächsten Jahrzehnte fit ist.“ Die Kosten für die Maßnahme belaufen sich auf rund 15 Millionen Euro. Für die Anwohner bedeutet die lange Sperrung eine enorme Umstellung. Besonders betroffen sind die Bewohner von Thalkirchen und Forstenried, für die die Brücke die kürzeste Verbindung in die Innenstadt und zu wichtigen Arbeitsplätzen im Osten darstellt.
Als Ersatz für den wegfallenden Individualverkehr hat die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) nun das Konzept für die Ersatzbuslinien vorgestellt. Der Kern des Plans ist die ExpressBus-Linie 100. Sie wird im Fünf-Minuten-Takt verkehren und die Strecke zwischen der S-Bahn-Station Siemenswerke und dem Ostbahnhof bedienen, also quasi den Weg der gesperrten Brücke überspringen. Zusätzlich wird die bestehende Buslinie 135 verstärkt und umgeleitet, um Thalkirchen besser anzubinden. „Wir wissen, dass wir den Komfort einer direkten Autofahrt nicht ersetzen können“, sagt MVG-Sprecherin Andrea Kratzer. „Aber unser Ziel ist es, mit einem dichten Takt und zuverlässigen Verbindungen eine attraktive Alternative zu schaffen. Wir rechnen damit, dass viele Pendler auf die Öffentlichen umsteigen werden.“
- Brücke in zwei Jahren komplett gesperrt
- Komplettsanierung notwendig
- Kosten betragen rund 15 Millionen Euro
- ExpressBus-Linie 100 alle fünf Minuten
- Bestehende Buslinie 135 wird umgeleitet
- Ersatzbuslinien werden in den nächsten Wochen vorgestellt
Die Reaktionen in den betroffenen Vierteln sind gemischt. „Zwei Jahre sind eine sehr lange Zeit“, sagt Michael Berger aus Thalkirchen, der täglich zur Arbeit nach Berg am Laim fährt. „Jetzt muss ich entweder einen großen Umweg über die A8 fahren oder auf den Bus umsteigen. Beides kostet viel mehr Zeit.“ Andere sehen die Situation pragmatischer. „Die Brücke war einfach in einem miserablen Zustand“, meint Simone Keller aus Untergiesing. „Lieber jetzt zwei Jahre Strapazen, als dass etwas Schlimmes passiert. Ich werde das Rad mehr nutzen und die neuen Busverbindungen testen.“ Lokale Gewerbetreibende, besonders entlang der Thalkirchner Straße, fürchten dagegen Einbußen durch den wegfallenden Durchgangsverkehr.
Die Sperrung der Thalkirchner Brücke wirft auch ein Schlaglicht auf den Zustand der Münchner Brücken insgesamt. Viele der rund 400 Brücken im Stadtgebiet stammen aus der Nachkriegszeit und nähern sich dem Ende ihrer geplanten Lebensdauer. Das Baureferat hat in den letzten Jahren die Instandhaltungsmittel zwar deutlich aufgestockt, doch der Sanierungsstau bleibt groß. „Die Thalkirchner Brücke ist ein prominenter Fall, aber bei Weitem nicht der einzige“, so Baureferent Böhle. „Wir priorisieren nach Dringlichkeit, aber solche Großsanierungen binden über Jahre Kapazitäten und Budget.”
Für die kommenden zwei Jahre müssen sich die Münchnerinnen und Münchner im Südosten der Stadt auf Geduld und Flexibilität einstellen. Die detaillierten Fahrpläne der Ersatzbuslinien werden in den kommenden Wochen in den betroffenen Stadtteilen ausgehängt und sind online auf den Seiten der MVG abrufbar. Die Stadt empfiehlt allen Pendlerinnen und Pendlern, schon jetzt Alternativen wie die Nutzung der S-Bahn oder Fahrgemeinschaften zu prüfen. Die Sanierung selbst ist eine Investition in die Zukunft – damit diese wichtige Isarquerung auch für kommende Generationen sicher und intakt bleibt.
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Sanierungsbeginn | Frühjahr 2025 |
| Geplante Dauer | Bis Ende 2026 |
| Gesamtkosten | Rund 15 Millionen Euro |
| Primäre Ersatzlinie | ExpressBus-Linie 100 |
| Buslinie 135 | Verstärkt und umgeleitet |
| Instandhaltungszustand | Hoher Sanierungsstau |