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Nachrichten Lokal > Nachrichten > Berlin > AnnenMayKantereit rockt die Wuhlheide in Berlin
Berlin

AnnenMayKantereit rockt die Wuhlheide in Berlin

Julia Becker
Zuletzt aktualisiert: August 14, 2026 8:20 a.m.
Julia Becker
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AnnenmayKantereit schlägt in Berlin ein wie ein warmer Sommerregen – emotional, intensiv und sehnsüchtig erwartet. Drei Auftritte in der ausverkauften Wuhlheide, der Berliner Open-Air-Bühne im Herzen des grünen Treptower Parks, stehen für mehr als nur Rockkonzerte. Sie sind ein Heimspiel für eine Band, die von der Kölner Straßenecke zum gefeierten Stadion-Act wurde, und ein Spiegelbild dessen, wie die Stadt ihre Musik als Soundtrack einer ganzen Generation adoptiert hat.

Am ersten von drei Abenden verwandeln Sänger Henning May, Gitarrist und Pianist Christopher Annen und Schlagzeuger Severin Kantereit die weitläufige Freilichtbühne in einen intimen Wohnzimmermoment, bevor sie sie mit der Wucht eines ausgewachsenen Rockorchesters zum Beben bringen. Das Publikum, ein quer durch alle Altersgruppen gemischter Ozean aus fast 17.000 Menschen, kennt jede Textzeile, von den frühen, melancholischen Balladen bis zu den großen Radiohits. Hier zeigt sich die besondere Verbindung dieser Band zu Berlin, einer Stadt, die ihre raue, ehrliche und gleichzeitig vulnerable Art zu sprechen und zu singen wie kaum eine andere verinnerlicht hat.

Das Konzert ist eine Reise durch die emotionale Landkarte der letzten zehn Jahre deutschsprachiger Musik. Sie beginnt leise, fast schüchtern, mit dem zarten Klavierintro zu „Barrikaden“. Henning May steht allein im Scheinwerferlicht, seine Stimme, dieses einzigartige, zwischen Heiserkeit und zerbrechlicher Klarheit oszillierende Instrument, füllt die abendliche Stille der Wuhlheide. Es ist ein Moment der puren Konzentration, der zeigt, dass der Kern der Band trotz aller gewachsenen Bühnengröße unverändert geblieben ist: die unmittelbare, rohe Kraft des Songwritings.

Doch die Ruhe währt nicht lange. Mit den ersten Gitarrenriffs von „Pocahontas“ explodiert die Bühne. Christopher Annen treibt die Band mit treibenden Rhythmen an, während Severin Kantereits präzises, kraftvolles Schlagspiel das rhythmische Fundament legt, auf dem sich die Songs entfalten können. Die Bühnenbeleuchtung, ein beeindruckendes Spiel aus Lasern und flutendem Farblicht, malt Muster in den Berliner Nachthimmel und unterstreicht die emotionale Intensität der Musik. Die Band hat ihre Performance deutlich erweitert; unterstützt von weiteren Musikern an Bass, Keyboard und Geige, gewinnt der Sound eine orchestrale Tiefe, ohne an Direktheit zu verlieren.

Ein besonderer Höhepunkt des Abends ist die Coverversion von Amy Winehouses „Back to Black“. Mays Interpretation ist keine bloße Nachahmung, sondern eine tiefe, respektvolle Aneignung. Er fängt die verzweifelte Schwärze des Originals ein, übersetzt sie aber in seine eigene, deutsche Melancholie. Es ist ein Tribut von einem einzigartigen Stimmphänomen an ein anderes und einer der Momente, in dem die gigantische Open-Air-Kulisse verschwindet und nur noch die gemeinsame Traurigkeit im Raum steht – oder besser: im Berliner Sandboden der Wuhlheide.

Zwischen den Songs bleibt Zeit für die für AnnenMayKantereit typischen, leicht verlegenen, aber stets ehrlichen Ansagen. May spricht über die „komische, schöne“ Energie Berlins, dankt dem Publikum für die langjährige Unterstützung und wirkt immer wieder überwältigt vom Anblick der Massen. Diese Authentizität ist ein Schlüssel zum Erfolg der Band. In einer Zeit des perfekt durchinszenierten Pop-Betriebs wirkt ihre Art, einfach da zu stehen und ihre Geschichten zu erzählen, wie ein ehrliches Versprechen. Das Publikum honoriert das mit bedingungsloser Hingabe.

Die Setlist ist eine ausgeklügelte Mischung aus Antrieb und Innehalten. Nach der energetischen „3 2 1“-Hymne folgt die zerbrechliche Ballade „Marie“, bei der tausende Handylichter die Zuschauerreihen in einen Sternenhimmel verwandeln. Die Band beherrscht die Dynamik eines solchen Großkonzerts meisterhaft. Sie wissen genau, wann sie das Publikum zu einem kollektiven Springen bringen müssen und wann es Zeit ist, in andächtiger Stille den Lyrics zu lauschen. Dieses Gespür unterscheidet einen guten von einem großartigen Live-Act.

  • Emotionale Intensität
  • Einzigartige Stimme von Henning May
  • Orchestrale Tiefe der Musik
  • Direkte Verbindung zum Publikum
  • Kollegiales Miteinander auf der Bühne
  • Ehrliche Ansagen zwischen den Songs

Für viele der Anwesenden ist ein AnnenMayKantereit-Konzert mehr als nur ein Freizeitvergnügen. Die Songs begleiteten sie durch Prüfungen, erste Lieben, den Umzug in die Großstadt oder den Abschied von zu Hause. „Schon mal von Liebe gelebt?“ oder „Ausgehen!“ sind nicht nur Ohrwürmer, sondern emotionale Marker im Leben vieler junger Erwachsener. In der Wuhlheide werden diese privaten Erinnerungen zu einem kollektiven Erlebnis, einer großen, singenden Gemeinschaft. Die Band fungiert dabei als Katalysator für dieses gemeinsame Gefühl.

Der Abend endet, wie er beginnen muss, mit dem absoluten Fan-Favoriten „Oft gefragt“. Die gesamte Wuhlheide verwandelt sich in einen einzigen, gigantischen Chor. 17.000 Stimmen singen die Zeilen „Hab‘ kein‘ Bock mehr auf gar nichts / Außer auf dich“ mit einer Inbrunst, die Gänsehaut garantiert. In diesem Moment verschmelzen Band und Publikum, Köln und Berlin, Heimweh und Ankunft zu einem perfekten Ganzen.

AnnenMayKantereit haben mit ihren drei Konzerten in der Wuhlheide nicht nur musikalische Maßstäbe gesetzt. Sie haben gezeigt, dass deutschsprachiger Rock auf der größten Bühne emotional und absolut glaubwürdig bestehen kann. Die Berliner Nächte wurden mit Geschichten von Herzschmerz, Sehnsucht und purem Lebensübermut gefüllt – und alle, die dabei waren, wissen nun ein wenig besser, wie es sich anfühlt, „schon mal von Liebe gelebt“ zu haben. Die Botschaft dieser drei Abende ist klar: Diese Musik ist in Berlin zu Hause angekommen.

Song Emotion Besonderheit
Barrikaden Melancholie Start des Konzerts
Pocahontas Energie Erster Höhepunkt
Back to Black Traurigkeit Coverversion
Marie Erinnerung Handylichter
Oft gefragt Gemeinschaft Fan-Favorit
3 2 1 Antrieb Energiegeladene Hymne


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VonJulia Becker
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Julia ist eine engagierte Reporterin für den Süden Deutschlands mit Schwerpunkt auf München und Stuttgart. Sie schreibt über lokale Kulturveranstaltungen, das wirtschaftliche Stadtleben und Geschichten von Menschen, die ihre Region prägen. Ihre Beiträge zeichnen sich durch Nähe, Empathie und starke persönliche Perspektiven aus.
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