Im Herzen der Rhein-Metropole pulsiert das Leben nicht nur an der Börse, sondern zunehmend auch in den Küchen. Während Frankfurt lange als geschäftige Bankenstadt galt, die ihren kulinarischen Höhepunkt im klassischen Apfelweinlokalen fand, vollzieht sich ein stiller, aber umso schmackhafterer Wandel. Die jüngste, 38. Ausgabe des Restaurantführers „Frankfurt geht aus!“ liefert dafür den beeindruckenden Beweis. Sie testete rund 500 Lokale und krönt mit dem „The Dune“ in Sachsenhausen nicht nur das beste Restaurant der Region, sondern setzt ein Symbol für den neuen, internationalen Anspruch der Stadt. „Besonders freut uns, dass sich Frankfurt zunehmend als Gourmetstadt etabliert“, kommentiert Chefredakteurin Gabriele Lohwasser dieses Ergebnis. Doch dieser Aufstieg hat viele Facetten – von spektakulären Neueröffnungen bis zu herben Rückschlägen – und verändert, was und wo die Frankfurterinnen und Frankfurter essen gehen.
Die Krönung eines kulinarischen Aufschwungs fand in der Kennedyallee statt. Im „The Dune“, dem Restaurant des The Florentin Hotels, verbindet Chefkoch Niclas Nußbaumer französische Handwerkskunst mit japanischer Ästhetik zu einer eigenen, mitreißenden Sprache. Dass dieses Konzept wenige Monate nach Eröffnung mit zwei Michelin-Sternen und nun der Spitzenposition im regionalen Guide belohnt wird, ist mehr als nur ein Erfolg für ein einzelnes Haus. Es ist eine Auszeichnung für den gesamten Standort Frankfurt.
Der Kritiker schreibt begeistert: „Was für ein Spaß, in Frankfurt so ein Menü erleben zu dürfen und nicht um die halbe Welt düsen zu müssen.“ Dieser Satz fasst prägnant zusammen, wofür die Stadt heute kulinarisch steht: internationale Spitzenqualität vor der eigenen Haustür. Auf den Plätzen zwei und drei folgen mit dem „Rausch“ und dem „Lafleur“ im Westend zwei weitere Zwei-Sterne-Häuser, die diese erstklassige Liga festigen. Doch der Hunger nach Neuem ist ungebremst und zeigt sich in einer Welle ambitionierter Eröffnungen.
Das Gutleutviertel begrüßt mit dem „Yechun“ den ersten europäischen Standort eines renommierten Konzepts aus Yangzhou. Hier steht die feine Huaiyang-Küche im Zentrum, die in Deutschland noch kaum bekannt ist und durch natürliche Aromen und Zurückhaltung bei Gewürzen besticht. Nahe der Messe entsteht im neuen Europa-Allee-Tower mit der „20 High Skyline Bar“ im 20. Stock des Atlantic Hotels eine spektakuläre Perspektive auf die Stadt, die im September öffnen soll. Barmanager Mo Kaba versteht seine Bar nicht nur als Drinkschmiede, sondern als Ort, der Erinnerungen schafft.
Und im Taj Hessischer Hof setzt die „Bombay Brasserie“ auf indisches Fine-Dining – eine Nische, die Frankfurt bisher vermissen ließ und die es auf Anhieb an die Spitze der entsprechenden Kategorie schafft. Diese Entwicklungen zeigen, dass Investoren und Gastronomen Frankfurt als einen Markt mit wachsendem Anspruch und offenem Publikum entdecken.
Parallel zu dieser Hochküche bleibt die Vielfalt der Alltagsküche entscheidend für das Stadtgefühl. Der Guide reagiert darauf mit neuen Rankings für aktuelle Trends. Eine Top Five für Ramen verrät, wo die japanischen Nudelsuppen am intensivsten schmecken:
- im unscheinbaren „Muku“ in Sachsenhausen
- im „Kitakata Ramen Ban Nai“ im Westend
- im „Sorihashiya“ im Bahnhofsviertel
- im „Noodle & Rice“ in Nordend
- im „Tonkotsu“ im Ostend
- im „Ramen Nagi“ in Bornheim
Überraschend führt das neue Matcha-Ranking nicht in ein Café, sondern in die Pizzeria „Cereza“ an der Berliner Straße, deren Betreiber mit der „höchsten Qualitätsstufe der Welt“ werben. Selbst die traditionelle Frankfurter Apfelweinkultur öffnet sich neuen Einflüssen, wie die „Cider Week“ vom 19. bis 29. August beweist. Auf der Dachterrasse des Ruby Louise Hotels, im Bornheimer Ratskeller mit spanischem Sidra oder bei einer Schifffahrt auf dem Main verbindet sich Altes mit Neuem.
Doch nicht jede Neueröffnung wird zum Erfolg, und nicht jedes etablierte Lokal hält sein Niveau. Die Flop-Liste des Guides wirft ein schonungsloses Licht auf diese Schattenseiten der Gastro-Szene. Besonders überraschend fällt das Urteil über das „M-Steakhouse“ im Westend aus, eine seit Jahren feste Adresse für Fleischliebhaber. Der Kritiker bemängelt nicht nur die Qualität des Steaks, sondern vor allem eine als überzogen empfundene Preispolitik: Wer ein Hauptgericht teilt, muss 13 Euro für einen zusätzlichen Teller bezahlen. Auch das Fischrestaurant „Oceans“ an der Bockenheimer Landstraße enttäuscht trotz schönem Altbau mit einem „lieblosen und abgetakelten Eindruck“ und handwerklichen Fehlern in der Küche.
| Restaurant | Bewertung | Details |
|---|---|---|
| M-Steakhouse | Enttäuschend | Überhöhte Preise und schlechte Qualität |
| Oceans | Enttäuschend | Liebloser Eindruck und handwerkliche Fehler |
| Fried 90’s | Enttäuschend | Hype allein garantiert keinen guten Besuch |
| Cascata | Enttäuschend | Mangelnde Qualität |
| Pizza del Corso | Enttäuschend | Unzureichende Leistungen |
| Amir Sandwich | Enttäuschend | Schwache Ausführung |
Was bedeutet diese dynamische Mischung aus Höhenflügen und Abstürzen für die Frankfurter Gemeinschaft? Zum einen steigt die Lebensqualität spürbar. Die Bewohnerinnen und Bewohner müssen nicht mehr nach Hamburg, Berlin oder München reisen, um kulinarische Highlights zu erleben. Diese Entwicklung stärkt das städtische Selbstbewusstsein jenseits der Finanzwelt. Zum anderen wird das Angebot demokratischer. Zwischen exklusiven Fine-Dining-Tempeln wie dem „The Dune“ und trendigen Ramen-Bars wie dem „Muku“ findet jede und jeder ein passendes kulinarisches Zuhause. Die Stadt wird genussvoller und vielfältiger.
Die Kehrseite sind steigende Preise in den Spitzensegmenten und der immense Druck auf Gastronomen, die in einer hart umkämpften Szene jeden Tag überzeugen müssen. Die Flop-Liste zeigt, dass die Gäste anspruchsvoller und kritischer geworden sind – ein gesunder Prozess für jede lebendige Gastro-Kultur.
Die kulinarische Landschaft Frankfurts befindet sich in einer Aufbruchsphase. Die Auszeichnung des „The Dune“ ist dabei kein isoliertes Ereignis, sondern der vorläufige Höhepunkt einer Entwicklung, die die ganze Stadt erfasst hat. Sie reicht von der Wiederbelebung der Apfelweinkultur mit internationalen Akzenten bis zur Eroberung neuer kulinarischer Kontinente wie der Huaiyang-Küche. Für die Frankfurterinnen und Frankfurter ist das eine Einladung, ihre eigene Stadt neu zu entdecken und zu schmecken. Die Botschaft des Guides ist klar: Es lohnt sich, neugierig zu bleiben, die etablierten Adressen zu hinterfragen und die versteckten Schätze in den Stadtteilen zu suchen. Denn letztlich wird die kulinarische Zukunft der Stadt nicht nur von Sternenkoch Niclas Nußbaumer geprägt, sondern von allen, die sich täglich entscheiden, wo und was sie gemeinsam essen wollen.