Weingut Escher beim Weindorf Stuttgart
Es ist wieder so weit: Die Türme des Alten Schlosses in Stuttgart ragen bald nicht mehr nur in den Himmel, sondern in ein Meer von Weinlauben. Vom 28. August bis zum 1. September 2025 verwandelt sich das historische Zentrum erneut zum größten Weinfest Deutschlands. Unter den rund 130 Winzern aus der Region ist in diesem Jahr ein besonderer Gast aus dem Remstal zu finden: das Familienweingut Escher aus Schwaikheim. Nach ihrem gelungenen Debüt im vergangenen Jahr kehren die Brüder Christian und Markus Escher zurück – und haben sich dabei deutlich nach vorn gearbeitet. Ihre „Wein&Wacholder“-Laube steht diesmal nicht irgendwo, sondern an einem der prominentesten Plätze des Festes: direkt vor der historischen Kulisse des Alten Schlosses.
Wie kommt es zu diesem bemerkenswerten Umzug? Die Antwort darauf findet man wenige Tage vor dem großen Aufbau. Auf dem Hof des Weinguts in Schwaikheim herrscht geschäftiges Treiben. Christian und Markus Escher laden mit konzentrierten Bewegungen Kisten, Fässer und Dekoration auf ihren Pritschenwagen. Die Sonne steht hoch, und eigentlich haben sie es eilig. Doch für ein Gespräch nehmen sie sich kurz Zeit. „Es ist schon eine kleine Überraschung für uns gewesen,“ gesteht Christian Escher, während er eine Kiste mit Gläsern sichert. „Nach unserer ersten Teilnahme 2024 gab es ein Feedback der Veranstalter und wohl auch der Besucher. Offenbar hat unsere Laube und unser Konzept gut angekommen. Die Anfrage, ob wir diesen zentraleren Standort einnehmen möchten, kam dann von Seiten des Weindorf-Teams.“
Dieses „Konzept“ ist es, das die Escher-Brüder von vielen anderen unterscheidet. Während das Stuttgarter Weindorf traditionell stark von den großen, etablierten Weingütern der Region geprägt ist, bringen die Eschers etwas Besonderes mit: die Symbiose von Wein und Wacholder. Ihr Familienbetrieb blickt auf eine lange Geschichte zurück, in der der Obstanbau, insbesondere von Zwetschgen für die regionale Brenntradition, immer eine Rolle spielte. Heute betreiben sie eine moderne, nachhaltige Landwirtschaft mit Wein- und Obstbau. Der daraus gebrannte Wacholderschnaps, fein abgestimmt auf die Eigenheiten ihrer Weine, ist ihr Markenzeichen.
„Unser Gedanke war und ist es, den Gästen ein komplettes Geschmackserlebnis aus unserer Heimat zu bieten,“ erklärt Markus Escher. „Ein Glas frischer Trollinger oder Lemberger vom sonnenverwöhnten Remstal-Hang – und dazu ein kleiner, passender Schluck unseres hausgebrannten Wacholders. Das ergänzt sich perfekt und erzählt eine Geschichte. Die Geschichte unseres Hofes, unserer Familie und unserer Region.“ Dieses erzählerische Element, die handwerkliche Herkunft jedes Produkts und die persönliche, ungekünstigte Art der Brüder am Stand waren 2024 offenbar der Schlüssel zum Erfolg.
Der neue Standort vor dem Alten Schloss ist dabei Chance und Herausforderung zugleich. „Natürlich ist die Aufmerksamkeit dort eine andere,“ sagt Christian. „Man steht im Blickfeld von tausenden Menschen, die zwischen Schlossplatz, Königsstraße und der Hauptbühne pendeln. Das bedeutet mehr Gäste, aber auch die Verpflichtung, hier unseren Hof und das Remstal gut zu repräsentieren.“ Die Vorbereitungen laufen daher auf Hochtouren. Neben den bewährten Tropfen wie dem fruchtigen Schillerwein oder dem kraftvollen Lemberger „Alte Reben“ experimentieren sie mit kleinen Fässern eines neuen Cuvée-Weins, den sie vielleicht exklusiv am Weindorf präsentieren. Auch der Wacholder, gereift in verschiedenen Holzfassarten, wird in seiner Vielfalt gezeigt.
Die Teilnahme am Stuttgarter Weindorf ist für ein Weingut ihrer Größe mehr als nur ein Verkaufsereignis. Es ist eine enorme logistische Leistung und eine Investition in die Zukunft. „Für uns ist es die wichtigste Veranstaltung des Jahres, um neue Gäste zu erreichen,“ so Markus. „Stuttgart ist unser nächstes großes Ballungszentrum. Hier treffen wir Menschen, die vielleicht noch nie im Remstal waren, aber die Lust auf regionalen Wein haben. Wenn sie dann bei uns am Stand eine gute Erfahrung machen, erhoffen wir uns, dass sie uns später im Hofladen besuchen oder unsere Weine in ihren Lieblingsrestaurants wiederentdecken.“
Die Brüder verkörpern einen modernen Typus des Winzers: sie sind Handwerker, Landwirte, Gastgeber und Marketingspezialisten in einer Person. Während Christian oft den Keller und die Weinbereitung im Blick hat, ist Markus häufig das Gesicht bei Veranstaltungen. Diese Aufteilung spiegelt sich auch in der Vorbereitung auf das Weindorf wider. Doch eines ist beiden gleichermaßen wichtig: die Authentizität. „Was die Leute bei uns bekommen, ist genau das, was hier auf unseren Flächen gewachsen und in unseren Kellern entstanden ist,“ betont Christian. „Keine Massenware, sondern ein Stück Heimat in der Flasche und im Glas.“
Die Bedeutung solcher lokalen, familiengeführten Betriebe für die regionale Identität und den Tourismus ist nicht zu unterschätzen. Das Weindorf Stuttgart, das jährlich über 300.000 Besucher anzieht, bietet dafür die perfekte Bühne. Es ist ein Fest der regionalen Vielfalt, bei dem die großen Namen der Weinwelt ebenso ihren Platz haben wie die aufstrebenden, kleinen Güter. Der Aufstieg der Escher-Brüder von der ersten Teilnahme zu einem prominenten Platz im Herzen des Festes ist ein schönes Beispiel dafür, wie Qualität, Konzept und Leidenschaft wahrgenommen und belohnt werden.
- Historische Kulisse des Alten Schlosses
- Fruchtiger Schillerwein
- Kraftvoller Lemberger „Alte Reben“
- Hausgebrannter Wacholderschnaps
- Neue Cuvée-Weine
- Tradition und Innovation
| Produkt | Beschreibung |
|---|---|
| Trollinger | Ein frischer Wein aus dem Remstal |
| Lemberger | Kraftvoller Wein mit Charakter |
| Wacholderschnaps | Fein abgestimmte Spirituose aus eigene Anbau |
| Schillerwein | Fruchtiger Wein mit Tradition |
| Cuvée-Wein | Ein neues Experiment des Weinguts |
| Wacholder in Holzfass | Verschiedene Reifungen im Holzfass |
Wenige Tage später wird der Platz vor dem Alten Schloss ein anderes Bild bieten. Wo jetzt noch der leere Asphalt liegt, werden dann die festlich geschmückte Escher-Laube und der Duft von frischem Wein und würzigem Wacholder stehen. Christian und Markus Escher werden dort stehen, Gläser polieren, Wein ausschenken und ihre Geschichte erzählen – die Geschichte eines Familienbetriebs aus Schwaikheim, der es mit Liebe zum Detail und zur Tradition geschafft hat, sich mitten in der Landeshauptstadt einen der besten Plätze zu sichern. Ein Zeichen dafür, dass auch abseits der ganz großen Weinlagen im Remstal Spitzenqualität und innovative Ideen gedeihen, die Stuttgart begeistern können.