Für Autofahrer, die die Hamburger Innenstadt gewohnt sind, steht eine gewohnte Route vor dem Aus. Für Anwohner, Geschäftsleute und alle, die täglich durch das historische Kontorhausviertel pendeln, beginnt Ende August eine langwierige Phase der Einschränkungen. Der Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) startet am 31. August mit dem vollständigen Umbau der Steinstraße und des Speersorts – ein Projekt, das die Verkehrs- und Baustellenlage im ohnehin schon belasteten Stadtzentrum für bis zu zwei Jahre spürbar verschärfen wird.
Auf einer Länge von rund 570 Metern, vom Speersort bis zur Kreuzung Klosterwall, wird die Stadt nicht nur marode Fahrbahnen und Gehwege erneuern, sondern die Straße von Grund auf umgestalten. Die Planungen, die seit 2023 laufen und im Frühjahr 2025 konkret angekündigt wurden, sehen eine radikale Umverteilung des öffentlichen Raums vor. Die aktuelle, stellenweise bis zu 17 Meter breite Fahrbahn für den Autoverkehr wird auf 6,50 Meter schrumpfen. Dieser Platzgewinn fließt in zwei Meter breite, geschützte Radwege, deutlich verbreiterte Gehwege und zusätzliche Flächen für die Außengastronomie der ansässigen Cafés und Restaurants. Die wohl einschneidendste Änderung: Private Autos verlieren ihr Durchfahrtsrecht durch diesen zentralen Abschnitt. Künftig ist die Steinstraße nur noch für Anlieger, Lieferverkehr, Busse und Taxis befahrbar.
„Wir schaffen mit diesem Umbau einen sicheren und attraktiven öffentlichen Raum, der den Menschen zurückgegeben wird“, sagt ein Sprecher des LSBG. „Die Steinstraße wandelt sich von einer reinen Verkehrsader zu einem Aufenthaltsort für alle.“ Die Stadt verweist dabei auf die zunehmende Bedeutung des Radverkehrs und das Ziel, fußgängerfreundliche Quartiere zu schaffen. Mit etwa 500 Quadratmetern neu entsiegelter Fläche, 58 neuen Bäumen – überwiegend robusten Sumpfeichen – und rund 330 Quadratmetern Blühflächen erhält das Projekt auch eine deutliche ökologische Komponente. Um dies zu ermöglichen, müssen allerdings zunächst alle zehn vorhandenen Straßenbäume gefällt werden. Der LSBG begründet dies damit, dass die meisten Bäume nicht in das neue Konzept passen und fünf von ihnen ohnehin eine zu geringe Lebenserwartung hätten.
Die konkreten Auswirkungen auf den Alltag werden massiv sein. Die Baumaßnahme vergrößert die bereits existierende Großbaustelle im Herzen der östlichen Innenstadt. Direkt südlich der Steinstraße laufen bereits die Umgestaltungsarbeiten am Burchardplatz und in der Burchardstraße. Damit werden zwei Großprojekte im UNESCO-geschützten Kontorhausviertel zeitgleich realisiert, eine Belastungsprobe für die Infrastruktur und die Nerven aller Beteiligten.
Um den Verkehrskollaps zu vermeiden, hat der LSBG die Arbeiten in vier Bauabschnitte unterteilt, die sich vom Speersort ausgehend nach und nach bis zum Klosterwall vorarbeiten. Jedes Baufeld soll dabei zwischen zwei und zehn Wochen bestehen. „Wir sind uns der Belastung bewusst und werden versuchen, eine Fahrspur in Richtung Hauptbahnhof so lange wie möglich offen zu halten“, so der LSBG-Sprecher. Eine komplette Ausnahme gibt es jedoch nicht: Für voraussichtlich zwei Monate im Frühjahr 2027 muss der Abschnitt zwischen Kattrepel und Jakobikirchhof vollständig gesperrt werden. Ein genauer Termin hierfür steht noch nicht fest.
Für die rund 150 angrenzenden Geschäfte, Büros und Gastronomiebetriebe ist die Anlieferung und Erreichbarkeit die größte Sorge. Der LSBG verspricht, Hauseingänge und Garagen „möglichst“ immer erreichbar zu halten. Parkplätze innerhalb der wechselnden Baufelder werden jedoch temporär wegfallen. Fußgänger und Radfahrer sollen die Baustelle immer passieren können, auch wenn es zu Engstellen kommen wird. Die Linienbusse des HVV werden umgeleitet, Haltestellen verlegt. Für viele Pendler bedeutet dies: Mehr Zeit für den Weg einplanen und sich auf ständig wechselnde Verkehrsführungen einstellen.
„Wir fürchten natürlich vor allem um unsere Kundschaft“, sagt Michael Berger, Inhaber eines Schreibwarenladens in der Steinstraße, der hier seit über 20 Jahren arbeitet. „Wenn es schwer ist, hierher zu kommen, und dann auch noch die Parkplätze wegfallen, gehen die Leute vielleicht woanders hin. Zwei Jahre sind eine lange Zeit.“ Andere, wie die Betreiberin eines nahegelegenen Cafés, blicken verhalten optimistisch auf die Zeit nach dem Umbau: „Die breiteren Gehwege und die neuen Bäume werden die Straße sicherlich aufwerten. Aber die Bauphase selbst wird eine harte Prüfung.“
Der Umbau der Steinstraße ist kein isoliertes Projekt, sondern Teil eines größeren Trends in Hamburg und vielen anderen deutschen Großstädten. Vom Jungfernstieg über die Ottenser Hauptstraße bis zur Langen Reihe: Immer mehr zentrale Straßenräume werden zugunsten von Fußgängern, Radfahrern und der Aufenthaltsqualität umgestaltet und vom Durchgangsverkehr entlastet.
- Umbau der Steinstraße beginnt am 31. August
- Dauer: bis zu zwei Jahre
- Umverteilung des öffentlichen Raums
- Weitere Bäume und Grünflächen geplant
- Parkplätze während der Bauphase temporär wegfallend
- Verkehr wird umgeleitet
Hamburg folgt damit einer stadtplanerischen Philosophie, die den menschengerechten öffentlichen Raum in den Vordergrund stellt und die Dominanz des Autos zurückdrängen will. Kritiker monieren jedoch oft, dass solche Maßnahmen den Verkehr lediglich in benachbarte Wohngebiete verlagern und dort die Anwohner belasten.
Ob die ambitionierte Umgestaltung der Steinstraße ihre Ziele erreicht und zu einer lebendigeren, sichereren und grüneren Mitte Hamburgs beiträgt, wird sich erst in einigen Jahren endgültig zeigen. Bis dahin steht den Hamburgerinnen und Hamburgern eine Geduldsprobe bevor. Die Stadt appelliert an alle, wo immer möglich auf öffentliche Verkehrsmittel, das Fahrrad oder Wege zu Fuß auszuweichen. Die detaillierten Verkehrsführungspläne für die jeweiligen Bauabschnitte will der LSBG rechtzeitig vor Baubeginn auf seinen Webseiten und vor Ort bekanntgeben. Für die Anwohner und Gewerbetreibende beginnt nun das Warten auf den 31. August – und das Countdown für zwei Jahre voller Bagger, Bauzäune und Umleitungen.
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Startdatum | 31. August |
| Dauer | Bis zu zwei Jahre |
| Umbaufeldlänge | 570 Meter |
| Neue Bäume | 58 |
| Neu entsiegelte Fläche | 500 Quadratmeter |
| Blühfläche | 330 Quadratmeter |