Mittwoch, 19 Aug. 2026
  • Meine Interessen
  • Gespeichert
  • Verlauf
logo
  • Startseite
  • Nachrichten
    • Aktuelle Nachrichten
    • Berlin
    • Dortmund
    • Dresden
    • Düsseldorf
    • Essen
    • Frankfurt am Main
    • Hamburg
    • Köln
    • München
    • Stuttgart
  • Politik
  • Wirtschaft
  • Fußball
    • Bundesliga 1
    • Bundesliga 2
    • Bundesliga 3
  • Berlin
  • Dortmund
  • Dresden
  • Düsseldorf
  • Essen
  • Frankfurt am Main
  • Hamburg
  • Köln
  • München
  • Stuttgart
SchriftgrößenanpassungAa
Nachrichten LokalNachrichten Lokal
  • Meine Merkliste
  • Meine Interessen
  • Verlauf
Search
  • Startseite
  • Nachrichten
    • Aktuelle Nachrichten
    • Berlin
    • Dortmund
    • Dresden
    • Düsseldorf
    • Essen
    • Frankfurt am Main
    • Hamburg
    • Köln
    • München
    • Stuttgart
  • Politik
  • Wirtschaft
  • Fußball
    • Bundesliga 1
    • Bundesliga 2
    • Bundesliga 3
Folgen Sie uns
© 2026 Nachrichten Lokal. Eine Publikation der LokalMedia GmbH. Alle Rechte vorbehalten.
Nachrichten Lokal > Nachrichten > Berlin > Nänzi Retrospektive in Berlin: Entdecken Sie die Kunst der Ungehorsamen
Berlin

Nänzi Retrospektive in Berlin: Entdecken Sie die Kunst der Ungehorsamen

Julia Becker
Zuletzt aktualisiert: August 19, 2026 4:21 p.m.
Julia Becker
Aktie
Aktie

Am Ende einer ruhigen Seitenstraße in Schöneberg, dort, wo die Backsteinfassaden noch vom Gründerzeitcharme erzählen, öffnet sich ein besonderer Ort Berliner Kunstgeschichte. In den Räumen des Vereins der Berliner Künstlerinnen von 1867 in der Eisenacher Straße 118 hallt nicht nur das Erbe von Käthe Kollwitz nach, die hier einst lernte und lehrte. Hier begegnet man jetzt einem sehr viel späteren, sehr lauten und ungehorsamen Geist: Nänzi.

Die Retrospektive „Wenn ich schwach bin, bin ich stark. Schneewittchen.“ ist mehr als eine Ausstellung. Sie ist eine kraftvolle Wiederbegegnung mit einer Künstlerin, die das Berlin der Wendejahre und des Aufbruchs mit unvergleichlicher Stimme prägte – und deren Werk heute aktueller wirkt denn je. Für die Berliner Gemeinschaft, besonders für diejenigen, die um Selbstbestimmung und Sichtbarkeit kämpfen, ist diese Schau eine wichtige Resonanzbox für eigene Gefühle und Kämpfe.

Nänzi, mit bürgerlichem Namen Sybille Reichert, war keine Künstlerin der leisen Töne. 1962 in Boxberg in Baden geboren, brach sie mit 16 die Schule ab und landete 1983 in der West-Berliner Punkszene. Ihr Künstlername war eine bewusste Provokation, eine Referenz an Nancy Spungen, die tragische Muse des Sex-Pistols-Bassisten Sid Vicious. Diese Wahl verriet viel über ihre frühen Jahre, die von Heroin und toxischen Abhängigkeiten geprägt waren. Die Wende kam 1988, nachdem ihr damaliger Freund an den Drogen starb. Nänzi schwor ab. „Die Kunst wurde ihr Rausch“, wie es Helen Adkins, ihre kunsthistorische Nachlassbetreuerin, formuliert. Von 1990 bis 1996 studierte sie an der Hochschule der Künste Berlin, wurde Meisterschülerin bei Joachim Schmettau und fand nach dem Mauerfall ihr endgültiges Zuhause in einem Atelier im Prenzlauer Berg.

Ihr plötzlicher Tod durch ein Aneurysma im Jahr 2013 riss eine Lücke in die Berliner Kunstlandschaft. Die jetzige Ausstellung im VdBK, kuratiert von Helen Adkins, schließt diese Lücke für einen Moment. Sie versammelt rund 40 Werke – skurrile, bunt bemalte Skulpturen aus Gips, Beton und Acrylharz, dazu Collagen, Künstlerbücher und Zeichnungen. Es sind keine Werke für den schnellen, beiläufigen Blick. Sie zwingen zum Hingucken, zum Verweilen, oft auch zum Erschrecken.

Werk Jahr Material
Minna muss zum Film 2010 Gips
Fuck your Morals Unbekannt Skulptur
Karma Frau Unbekannt Skulptur
Collagen Unbekannt Papier
Künstlerbücher Unbekannt Diverse Materialien
Zeichnungen Unbekannt Papier

Die Figuren, die Nänzi erschuf, sind eine direkte Kampfansage an alle Konventionen weiblicher Darstellung. Da ist „Minna muss zum Film“ von 2010, eine korpulente Gipsfigur im traditionellen Schwarzwälder Bollenhut mit den roten, unverheiratet signalisierenden Wollkugeln. Sie ist das hypersatirische Selbstporträt einer „Dorftrampel“, die gleichzeitig eine verführerische „Nana“ sein möchte – eine gebrochene, tragikomische Figur zwischen Selbstironie und tiefem Schmerz über gesellschaftliche Zuschreibungen. Andere Werke wie „Fuck your Morals“ oder die beißend ironische „Karma Frau“, die vor männlichem Königsgehabe posiert, atmen puren, ungefilterten Trotz.

„Ihre Kunst hatte einen starken Ich-Bezug, inszeniert mit einzigartiger Selbstironie. Diese im heutigen Ego-Gehabe seltene Gabe zieht sich wie ein roter Faden durch ihren Nachlass“, erklärt Helen Adkins während einer Führung durch die engen Räume des Projektraums. Die Ausstellung ist ein Paradebeispiel dafür, wie Berliner Kulturinstitutionen mit lokalem Bezug das Erbe oft übersehener Künstlerinnen pflegen und der Stadtgemeinschaft zugänglich machen. Der VdBK 1867 selbst ist ein historischer Ort des weiblichen Ungehorsams: Gegründet zu einer Zeit, als Frauen von staatlichen Kunstakademien ausgeschlossen waren, bot er Künstlerinnen wie Käthe Kollwitz eine Plattform. Nänzis Werk findet hier seinen perfekten Resonanzraum.

  • Radikale Aneignung des eigenen Körpers
  • Gesellschaftliche Zuschreibungen hinterfragen
  • Einzigartige Selbstironie in der Kunst
  • Bedeutung für die LGBTQ+-Community
  • Rohheit und Ehrlichkeit in der Darstellung
  • Einfluss auf Body Positivity Debatten

Für die Berliner Gemeinschaft, besonders im heutigen Schöneberg mit seiner lebendigen Mischung aus etablierten Bürgern, Künstlern und queeren Communities, hat diese Ausstellung eine besondere Bedeutung. Nänzis Thema war die radikale Aneignung des eigenen, oft als „hässlich“ oder „unweiblich“ gebrandmarkten Körpers. In einer Zeit, in der Debatten über Body Positivity, Selbstbestimmung und die Abwehr patriarchaler Schönheitsideale in aller Munde sind, wirken ihre Arbeiten nicht wie historische Relikte, sondern wie zeitgenössische Kommentare.

Ihre Figuren sind „keine stylischen Püppchen zum Vorzeigen und Spielen“, wie es in einem früheren Artikel hieß. „Es sind verstörende Wesen: derb, skurril, verhauen, nervig, manchmal verrucht und auch sehr wütend. Vor allem ungehorsam.“ Dieser Ungehorsam ist es, der viele Besucher, besonders junge Frauen und Menschen der LGBTQ+-Community, anspricht. Hier sehen sie keine geglättete, marktkonforme Kunst, sondern einen rohen, ehrlichen und humorvollen Kampf um Identität.

Doch Nänzis Weg war nicht einfach. Sie verstörte nicht nur den gutbürgerlichen Geschmack, sondern hatte auch auf dem hart umkämpften Kunstmarkt wenig Glück. Galeristen, so wird berichtet, verwechselten ihre laszive Extrovertiertheit mit einer Einladung. „Me too war damals noch kein Begriff“, heißt es in der Würdigung ihrer Arbeit. Nänzi reagierte verletzt und schroff, zog sich zurück. Viele ihrer kraftvollen Figuren verblieben bei Freunden oder im Atelier, statt den Weg in große Sammlungen zu finden. Dies macht die Retrospektive im VdBK umso wichtiger: Sie korrigiert ein Stück weit das Versäumnis des etablierten Kunstbetriebs und gibt einer wichtigen Berliner Stimme den Raum, der ihr immer zustand.

Die Ausstellung ist bis zum 5. September zu sehen, donnerstags bis samstags von 16 bis 19 Uhr. Der Eintritt ist frei, eine bewusste Entscheidung des Vereins, um die Kunst allen zugänglich zu machen. An den Samstagen, dem 22. und 29. August, finden um 17 Uhr Führungen mit der Kuratorin Helen Adkins statt – eine ausgezeichnete Gelegenheit, tiefer in Nänzis faszinierende und komplexe Welt einzutauchen.

Für eine Stadt wie Berlin, die sich stets als Hort der Freiheit und des Nonkonformismus sieht, ist die Wiederentdeckung Nänzis eine essenzielle Selbstvergewisserung. Ihre Kunst erinnert daran, dass wahre Stärke oft aus der schonungslosen Auseinandersetzung mit der eigenen Verletzlichkeit erwächst. Ihr Credo, entlehnt einer Zeile des Apostels Paulus, die sie aber dem Märchen-Schneewittchen in den Mund legte – „Wenn ich schwach bin, bin ich stark“ –, ist mehr als ein Titel. Es ist ein Lebensmotto für alle, die sich weigern, in die vorgefertigten Schablonen einer normierenden Gesellschaft zu passen. In den Räumen des VdBK 1867 lebt dieser rebellische Geist weiter und lädt die Berliner Gemeinschaft ein, ihn zu teilen und für sich selbst zu entdecken.

Diesen Artikel teilen
E-Mail Link kopieren Drucken
VonJulia Becker
Folgen:
Julia ist eine engagierte Reporterin für den Süden Deutschlands mit Schwerpunkt auf München und Stuttgart. Sie schreibt über lokale Kulturveranstaltungen, das wirtschaftliche Stadtleben und Geschichten von Menschen, die ihre Region prägen. Ihre Beiträge zeichnen sich durch Nähe, Empathie und starke persönliche Perspektiven aus.
Vorheriger Artikel Niedrigwasser: Auswirkungen auf Rhein und Donau – Was jetzt getan wird
Nächster Artikel Frankfurt Finance & Future Summit: Treffen Sie die Entscheider am 21.-22. Oktober
Einen Kommentar hinterlassen

Schreibe einen Kommentar Antwort abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Deine verlässliche Quelle für präzise und zeitnahe Informationen!

Unser Anspruch auf Genauigkeit, Unabhängigkeit und aktuelle Berichterstattung hat uns das Vertrauen eines breiten Publikums eingebracht. Bleiben Sie stets informiert – mit Echtzeit-Updates zu den wichtigsten Ereignissen und Trends.
FacebookGefällt mir
XFolgen
InstagramFolgen
LinkedInFolgen

Das könnte Ihnen auch gefallen

Berlin

Margot Friedländer Gedenkveranstaltung Berlin 2024: Bewegende Zeremonie

Von
Julia Becker

Polizeiverfolgung Berlin Wedding endet mit Unfall und Verletzter

Von
Julia Becker
Berlin

Schock beim CSD: Transporter-Angriff in Berlin

Von
Julia Becker
Berlin

Propalästinensischer Farbangriff Auswärtiges Amt Berlin: Polizei nimmt fünf Personen fest

Von
Julia Becker
logo
Facebook Twitter Instagram

Über uns


Deine Stadt, Deine Geschichten: Deine direkte Verbindung zu lokalen Schlagzeilen und aktuellen Ereignissen. Bleib informiert mit unserer Echtzeit-Berichterstattung über Politik, Wirtschaft, Kultur, Lifestyle und mehr. Deine verlässliche Quelle für Nachrichten aus deiner Region – rund um die Uhr.

Weitere Kategorien
  • Essen & Trinken
  • Stil
  • Kultur
  • Lifestyle
Nützliche Links
  • Über uns
  • Kontakt
  • Werben Sie mit uns
  • Datenschutzerklärung
  • Allgemeine Nutzungsbedingungen

© 2025 Nachrichten Lokal. Eine Publikation der LokalMedia GmbH. Alle Rechte vorbehalten.