Im Scharnhauser Park liegt die Spannung in der Luft, eine Mischung aus Vorfreude und Besorgnis. Seit 22 Jahren gehört das Feuerwerksfestival «Flammende Sterne» für viele Ostfilderner zum spätsommerlichen Kalender. An diesem Wochenende werden wieder Pyrotechniker aus Argentinien, der Schweiz und Australien gegeneinander antreten und voraussichtlich rund 40.000 Menschen anlocken. Doch in diesem Jahr ist die Diskussion lauter denn je: Ist ein solches Spektakel im trockenen August noch zu verantworten?
Die Stadtverwaltung und der Gemeinderat stehen vor einer komplexen Abwägungsaufgabe. Auf der einen Seite steht eine traditionsreiche Veranstaltung mit hohem Freizeitwert für Familien und großer überregionaler Strahlkraft. Auf der anderen Seite drängen sich Fragen der Sicherheit, des Klimas und des Naturschutzes immer dringlicher in den Vordergrund. Das heutige Veranstaltungsformat stammt aus einer Zeit, in der andere Maßstäbe an solche Großveranstaltungen angelegt wurden, räumt die Stadt Ostfildern selbst ein. Längere Trockenperioden und zunehmende Hitze würden nicht nur die Brandgefahr erhöhen, sondern stellen grundsätzlich die Frage, wie Veranstaltungen künftig klima- und umweltverträglicher gestaltet werden können.
Die konkrete Brandgefahr ist das drängendste Sicherheitsthema. Die Feuerwehr richtet sich nach dem Grasland-Feuerindex des Deutschen Wetterdienstes, der für das Wochenende im Bereich des nahen Flughafens Stuttgart eine «geringe bis mittlere» Gefahr prognostiziert. Als Vorsichtsmaßnahmen hat die Stadt:
- Zusätzliches Feuerwehrpersonal
- Löschwasserreserven
- Eine Drohne zur Brandfrüherkennung
- Ein geländegängiges Tanklöschfahrzeug
- Kontinuierliche Bewertung der Gefahrenlage
- Verantwortbare Durchführung des Feuerwerks
Auf Nachfragen zu detaillierten Entscheidungskriterien oder konkreten Notfallplänen für einen Großbrand – wie er etwa bei «Rhein in Flammen» in Koblenz vorkam – wollte weder die Stadt noch die verantwortliche Geschäftsführerin der MCE GmbH, Carina Speidel, antworten. Auf ihrer Webseite versichert die «Ideenschmiede» lediglich, dass «notwendige Vorkehrungen zu Prävention und Schutz angesichts der anhaltenden Trockenheit» getroffen worden seien. Diese Intransparenz hinterlässt bei einigen Anwohnern ein ungutes Gefühl.
Kritik kommt auch vom Naturschutzbund (NABU). Die Ortsgruppe Ostfildern weist darauf hin, dass das Feuerwerk im Scharnhauser Park in unmittelbarer Nähe zu einem Landschaftsschutzgebiet und einem flächenhaften Naturdenkmal stattfindet. Durch das nächtliche Feuerwerk würden Tiere durch Lärm und Licht gestört werden. Das könne bei Tieren Fluchtreaktionen auslösen, so der NABU. In einer Zeit, in denen das Insektensterben und der Schutz von Lebensräumen im öffentlichen Bewusstsein präsent sind, wird dieses Argument immer schwerer zu ignorieren.
Hinter den Kulissen tobt die Debatte schon seit Jahren im Ostfilderner Gemeinderat. Bereits 2023 und erneut in diesem Jahr gab es intensive Diskussionen und Abstimmungen über die Zukunft der «Flammenden Sterne». Das Ergebnis war ein Kompromiss mit Ablaufdatum: Dieses und nächstes Jahr soll das Festival noch im gewohnten Format stattfinden. Danach ist Schluss mit dem Feuerwerk, wie wir es kennen.
Die Stadt sucht aktiv nach Alternativen. Im Gespräch sind vor allem moderne, vermeintlich umweltfreundlichere Shows mit Licht und Drohnen, bei denen Klimaschutz, Natur und Umwelt «eine wesentlichere Rolle spielen» sollen, wie es aus dem Rathaus heißt. Damit reagiert Ostfildern auf einen bundesweiten Trend. Immer mehr Kommunen stellen traditionelle Großfeuerwerke infrage, sei es aus Gründen der Sicherheit, der Lärmbelästigung, der Feinstaubbelastung oder des Tierschutzes.
Für die Besucher an diesem Wochenende steht zunächst einmal das pure Vergnügen im Vordergrund. Das Programm beginnt täglich um 18 Uhr mit mehreren Musikbühnen, Feuerartisten, Akrobaten und Familienangeboten. Nach Einbruch der Dunkelheit folgen eine Lasershow und schließlich der Höhepunkt, das etwa 15-minütige Wettbewerbsfeuerwerk eines der teilnehmenden Länder. Eine Jury vergibt Punkte für Choreographie, Farben und Synchronisation zur Musik. Die Siegerehrung findet am Sonntagabend statt. Titelverteidiger ist Japan aus dem Vorjahr.
| Jahr | Nachfolgendes Ereignis |
|---|---|
| 2023 | Letztes Festival im gewohnten Format |
| 2024 | Letztes Festival im gewohnten Format |
| 2025 | Übergangsphase mit neuen Konzepten |
Die «Flammenden Sterne» 2025 sind somit ein Event zwischen Tradition und Abschied. Sie markieren den Beginn einer Übergangsphase, in der eine Stadtgemeinschaft aushandeln muss, wie sie in Zukunft gemeinsam feiern und Gemeinschaft erleben will – ohne dabei Sicherheit und Verantwortung für die natürliche Umgebung aus den Augen zu verlieren. Die Zukunft des sommerlichen Großevents in Ostfildern steht, ganz wörtlich genommen, in den Sternen. Doch eines ist sicher: Der Weg dorthin wird von einer lebhaften demokratischen Debatte in der Bürgerschaft und im Gemeinderat begleitet sein.