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Nachrichten Lokal > Nachrichten > München > Beinahe-Katastrophe in München: Boeing-Start misslingt – Experten suchen Ursachen
München

Beinahe-Katastrophe in München: Boeing-Start misslingt – Experten suchen Ursachen

Julia Becker
Zuletzt aktualisiert: August 21, 2026 9:01 a.m.
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Eine Staubwolke über dem Asphalt

Eine Staubwolke über dem Asphalt: Wie München einer Tragödie am Flughafen nur knapp entging

Der Samstagmorgen am Flughafen München begann wie jeder andere. Reisende strömten durch die Hallen, Flugzeuge rollten zu ihren Positionen. Doch um 11:24 Uhr verwandelte sich Routine in blankes Entsetzen. Der Vietnam-Airlines-Flug VN34, eine Boeing 787-9 mit dem Ziel Hanoi, begann seinen Startlauf auf der Nordbahn. Was dann geschah, ließ selbst erfahrenen Flughafenmitarbeitern den Atem stocken. Die Maschine beschleunigte nicht wie vorgesehen. Sie rollte, rollte und rollte – bis über das eigentliche Ende der Startbahn hinaus. In einer riesigen Staubwolke, mit letzter Kraft von den Piloten hochgezogen, hob sie schließlich ab. Für die 200 Passagiere und Besatzungsmitglieder an Bord begann eine zweistündige Odyssee der Angst, die mit einer spektakulären Notlandung und geplatzten Reifen auf demselben Flughafen endete. München war an diesem Tag Zentrum eines Beinahe-Unglücks, das nach Ansicht von Experten katastrophal hätte enden können.

Die entscheidende Frage, die nun die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU), die Luftfahrtbehörden und Millionen verunsicherte Passagiere weltweit beschäftigt, lautet: Warum kam diese Boeing, ein hochmodernes und sicheres Flugzeug, nicht auf die notwendige Startgeschwindigkeit? Die vorläufigen Meldungen der vietnamesischen Luftfahrtbehörde, gestützt auf Pilotenhinweise, sind erschreckend simpel: Die Geschwindigkeit nahm während des Starts plötzlich ab. Zu spät, um den Start noch sicher abbrechen zu können. Die Piloten blieben nur eine Option – Vollgas geben und hoffen.

Heinrich Großbongardt, ein renommierter Luftfahrtexperte, bringt die Gefahr auf den Punkt: „Das hätte einen Feuerball mit Hunderten Todesopfern geben können, wenn die Piloten die Maschine nicht noch hochgezogen hätten.“ Seine Worte machen deutlich: Die Stadt und der Flughafen entgingen einer Tragödie nur durch die schnelle Entscheidung und das Können der Besatzung im Cockpit. Für die Menschen in den umliegenden Gemeinden wie Hallbergmoos, Marzling oder Freising, über die die Maschine mit ihren vermutlich beschädigten Fahrwerken und geplatzten Reifen nach dem Start flog, war dies reines Glück. Ein technisches Versagen in dieser kritischen Phase hätte verheerende Folgen über die Flughafengrenzen hinaus haben können.

Ein detaillierter Blick auf die Minuten der Krise

Was genau in diesen entscheidenden Sekunden im Cockpit und an den Systemen des „Dreamliners“ passierte, wird die BFU in den kommenden Monaten millimetergenau rekonstruieren. Die Flugdatenschreiber („Black Boxes“) sind bereits gesichert. Erste Hinweise aus dem offiziellen Bericht zeichnen ein dramatisches Bild.

Der Startlauf verlief nicht nach Plan. Die Maschine erreichte nicht den nötigen „V1“-Punkt, jenen kritischen Moment, ab dem ein Startabbruch nicht mehr möglich ist. Die Piloten standen vor der schwierigsten Entscheidung ihrer Karriere: abbrechen und mit hoher Wahrscheinlichkeit über das Bahnende schießen oder durchziehen. Sie entschieden sich für Letzteres, erhöhten den Schub und zogen die Nase hoch. Es klappte – aber nur knapp. „Es hat einen richtigen Knall gegeben, als der Flieger über die Landebahn herausschoss“, schildert ein Passagier die brenzlige Situation.

Kurz nach dem Start schlugen dann die Warnsysteme im Cockpit Alarm. Hinweise, dass das Heck die Bahn gestreift haben könnte. Dann die Meldung: Reifendruckabfall an vier der acht Reifen an den Hauptfahrwerken. Die Besatzung handelte mustergültig. Sie informierte sofort die Deutsche Flugsicherung (DFS) und bat um die Rückkehr zum Flughafen München. „Eine solche Entscheidung fällt grundsätzlich im Cockpit“, erklärt eine DFS-Sprecherin. Ihre Kollegen am Boden machten umgehend den Luftraum frei und bereiteten eine Prioritätslandung vor.

Die folgenden zwei Stunden waren für die Passagiere eine Qual der Ungewissheit. „Wir hatten keinerlei Informationen während des Fluges, wir waren im Ungewissen“, berichtet einer der Reisenden. Das Flugzeug musste zunächst Kerosin ablassen, um für eine sichere Landung leichter zu sein. Zweimal flog es tief über den Flughafen, damit Bodencrews mit Ferngläsern mögliche Schäden an der Unterseite und den Fahrwerken inspizieren konnten. Erst dann gab es die Anweisung an die Passagiere: Sicherheitshaltung einnehmen.

Um 13:19 Uhr setzte die Boeing wieder auf Münchner Boden auf. Mit gebrochenem Tempo rollte sie aus. Anschließend war Qualm am linken Hauptfahrwerk zu sehen – zwei Reifen waren geplatzt, möglicherweise bereits durch die Überlastung beim Start vorgeschädigt. Feuerwehr- und Rettungskräfte, die bereits in Bereitschaft standen, empfingen die Maschine. Alle Insassen blieben unverletzt. Sie kamen mit dem Schrecken davon, wurden per Bus zum Terminal gebracht und in Hotels untergebracht. Viele von ihnen, wie ein befragter Passagier, wollten nicht mehr mit derselben Airline weiterfliegen.

Die Suche nach Antworten und die Folgen für München

Die Aufklärung dieses Vorfalls wird nun zur Chefsache. Die BFU hat die Ermittlungen übernommen und rechnet mit einem ersten Zwischenbericht in mehreren Wochen. Die zentralen Untersuchungsstränge sind klar:

  • Technisches Versagen: Lag ein Defekt am Triebwerk, den Schubumkehrklappen, den Sensoren oder am Fly-by-Wire-Steuerungssystem der Boeing 787 vor? Oder war es ein softwarebasiertes Problem?
  • Menschliches Versagen: Gab es Fehler bei der Startvorbereitung im Cockpit? Wurde das Flugzeug falsch konfiguriert (z.B. Klappenstellung, Trimmung)? Die Piloten betonen laut Airline, alle Verfahren eingehalten zu haben.
  • Äußere Einflüsse: Spielten Vereisung, starker Rückenwind oder eine kontaminierte (z.B. nasse oder vereiste) Startbahn eine Rolle?

Die Reaktionen der beteiligten Institutionen zeigen die globale Dimension des Vorfalls. Während Vietnam Airlines zunächst von einem „technischen Problem“ sprach und sich für die „Unannehmlichkeiten“ entschuldigte, geht die vietnamesische Regierung nun in die Offensive. Staatliche Medien berichten, die Luftfahrtbehörde und die Airline seien angewiesen worden, „dringend“ mit den deutschen Behörden zusammenzuarbeiten und die Sicherheitsaufsicht über Ausbildung, Flugbetrieb und Wartung zu verstärken. Dies deutet auf erheblichen innenpolitischen Druck hin, die Ursache nicht im eigenen System zu suchen.

Für den Flughafen München (FMG) ist der Vorfall ein schwerer Imageschlag, der das Vertrauen in die Sicherheit an einem der modernsten und effizientesten Airports Europas erschüttern könnte. Die Flughafengesellschaft hält sich mit öffentlichen Stellungnahmen bislang bedeckt und verweist auf die laufenden Ermittlungen der BFU. Intern dürften die Abläufe jedoch genau überprüft werden – von der Startbahnkontrolle bis zur Kommunikation mit der Besatzung.

Was dieser Vorfall für Reisende und die Stadt bedeutet

Für die Bürgerinnen und Bürger Münchens und des Umlands ist das Ereignis eine beunruhigende Erinnerung daran, dass der große Flughafen im Norden der Stadt nicht nur Wirtschaftsfaktor, sondern auch ein permanentes Risiko ist. Die spektakuläre Rettung darf nicht über die grundlegende Frage hinwegtäuschen: Wie kann ein solch kritischer Zustand bei einem modernen Passagierjet überhaupt entstehen?

Die Luftfahrtexperten sind sich einig: Die eigentliche Leistung lag an diesem Tag bei der Besatzung. Harald Hanke, Luftsicherheitsexperte, betont: „Die Besatzung des Dreamliners hat alles getan, um eine möglichst risikoarme Sicherheitslandung hinzubekommen.“ Ihr kühles Kopf-Bewahren unter extremem Stress verhinderte Schlimmeres.

Bis die BFU ihre Arbeit abgeschlossen hat, bleiben viele Fragen offen. Für die Passagiere an Bord bleibt es ein traumatisches Erlebnis. „Ich habe vor Angst geschwitzt und gefroren zugleich“, fasst einer von ihnen die emotionale Achterbahnfahrt zusammen. Für München bleibt die Erkenntnis, dass die Sicherheit des Luftverkehrs ein fragiles Gut ist – geschützt durch Technik, Regularien und am Ende doch oft abhängig vom menschlichen Urteilsvermögen in Sekunden der absoluten Krise. Die Staubwolke über der Startbahn wird noch lange als Menetekel am Himmel über der bayerischen Landeshauptstadt stehen.


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VonJulia Becker
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Julia ist eine engagierte Reporterin für den Süden Deutschlands mit Schwerpunkt auf München und Stuttgart. Sie schreibt über lokale Kulturveranstaltungen, das wirtschaftliche Stadtleben und Geschichten von Menschen, die ihre Region prägen. Ihre Beiträge zeichnen sich durch Nähe, Empathie und starke persönliche Perspektiven aus.
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