Die Theodor-Heuss-Allee in Bockenheim ist eine verkehrsreiche Durchgangsstraße, geprägt von Bürogebäuden, dem großen Radisson Blu Hotel und pendelnden Menschen. An einem unauffälligen Parkplatz, zwischen geparkten Autos und vorbeirasenden Bussen, hat sich seit einigen Monaten eine kleine, besondere Oase etabliert. Drei Räder, eine schmale Theke, ein Sonnenschirm – mehr braucht Heinrich Heim nicht für seinen mobilen Streetfood-Stand. Hier, an der Adresse Theodor-Heuss-Allee 108, verkauft der junge Koch von Dienstag bis Donnerstag seine außergewöhnlichen Kreationen: „Streetfood HEIN“ – kreative Wraps vom umgebauten Lastenfahrrad.
Sein Konzept ist so einfach wie genial und füllt eine spürbare Lücke im Frankfurter Streetfood-Angebot. „Gerichte, die man eigentlich vom Teller isst, verpacke ich in Wraps“, erklärt Heim im Gespräch. „Das kann ein Gulasch mit Knödeln sein oder Butter Chicken mit Reis.“ Diese Idee, vertraute Geschmäcker in eine neue, handliche Form zu bringen, zieht mittlerweile ein stetig wachsendes Publikum an. An einem typischen Werktag verkauft Heim zwischen 50 und 80 seiner Spezialitäten, ein Zeichen dafür, dass das ungewöhnliche Angebot auf fruchtbaren Boden fällt.
Von der Sterneküche auf die Straße: Die Geschichte eines mobilen Konzepts
Die Wurzeln von „Streetfood HEIN“ reichen bis nach Innsbruck zurück, wo Heinrich Heim seine Kochlehre absolvierte. Nach Stationen in Hotels und der gehobenen Gastronomie begegnete ihm dort ein inspirierendes Vorbild: „Der Futterkutter“. Dieses Projekt verkaufte internationale Gerichte in Einmachgläsern – Kulinarik auf Rädern, aber nicht aus einem großen Foodtruck, sondern von einem schlanken Lastenfahrrad. „Die Idee dort war immer: Die Welt auf deinem Löffel“, erinnert sich Heim.
Als er vor einiger Zeit nach Frankfurt zog, wollte er dieses grundlegende Konzept der mobilen, qualitativ hochwertigen Küche mitbringen, es aber weiterentwickeln. Die Einmachgläser tauschte er gegen Wraps. „Dadurch vermeide ich das Abspülen und den kompletten Prozess des Zurückbringens der Gläser“, so der pragmatische Koch. „Und außerdem gibt es Wraps, so wie ich sie mache, in Frankfurt noch nicht. Es ist alles ein bisschen anders und etwas, das man nicht unbedingt kennt.“
Mehr als nur ein Teigfladen: Handwerk und Kreativität
Was die Wraps von Heim auszeichnet, beginnt schon bei der Grundlage. Die Fladenbrote bereitet er täglich frisch mit einer speziellen Presse aus den USA zu, die er kurzerhand an seinem Fahrrad angebracht hat. Dieses Gerät verleiht dem Teig eine besondere Konsistenz, die stabil genug ist, um auch saftige Füllungen zu halten, ohne zu reißen oder durchzuweichen. Die Zubereitung der Füllungen selbst findet nicht auf dem Rad statt, sondern in der Kooperationsküche der Jugendkulturkirche sankt peter in der Innenstadt. Am Morgen, wenn die Küche ungenutzt ist, bereitet Heim hier seine Kreationen vor, bevor er sie gekühlt zu seinem Standort transportiert.
Die Kreativität kennt dabei kaum Grenzen. „Ich setze mir keine Grenzen und bin auch manchmal etwas unkonventionell“, sagt Heim schmunzelnd. Auf seiner sich ständig wandelnden Karte, die er über seinen Instagram-Account @hein.ffm bekannt gibt, fanden sich schon Kreationen wie Hähnchen mit Ananas und italienischer Nduja-Wurst oder ein vegetarischer Mango-Pecorino-Salat mit Jalapeños und Reis. Täglich bietet er zwei Varianten an, von denen mindestens eine immer vegetarisch oder vegan ist – ein bewusster Schritt, um verschiedenen Ernährungsweisen gerecht zu werden.
Ein Konzept mit Zukunft: Catering, Pop-ups und neue Ideen
Der Stand in Bockenheim ist nur ein Teil der Geschichte. „Streetfood HEIN“ ist von Grund auf mobil und flexibel. Heim tritt regelmäßig als Pop-up bei Events und an Locations wie dem Tokonoma Club oder dem Yok Yok Eden auf. Ein besonders wachsendes Standbein sind Caterings für Firmenevents. „Das umgebaute Lastenrad bietet sich perfekt für lockere, moderne Firmenfeiern an“, erklärt Heim. „Es ist ein Eyecatcher, nachhaltig und liefert wirklich hochwertiges Essen abseits der üblichen Kalbsbratwurst.“
Die Pläne für die Zukunft sind konkret. Aktuell arbeitet Heim daran, sein Angebot inklusiver zu gestalten. Der Wrap basiert noch auf Weizenmehl. „Das will ich anpassen und bald auch eine glutenfreie und eine Keto-Variante anbieten“, kündigt er an. Langfristig schwebt ihm sogar ein zweites Lastenrad vor, um an zwei Orten gleichzeitig präsent zu sein oder das Angebot zu erweitern. „Aber jetzt soll es erst mal gut ankommen und sich etablieren“, fügt er besonnen hinzu.
Warum dieses kleine Rad Frankfurt bereichert
„Streetfood HEIN“ steht beispielhaft für mehrere positive Trends in der Frankfurter Gastronomielandschaft.
- Hochwertiges, kreatives Essen für unterwegs
- Wachsende Bedeutung von Nachhaltigkeit
- Flexibilität eines Lastenrades
- Vermeidung von CO₂-Emissionen
- Belebung von Parkplätzen in der Stadt
- Kulinarische Überraschungen für verschiedene Stadtteile
Für die Menschen in Bockenheim und allen anderen Stadtteilen, die Heinrich Heim mit seinem Rad besucht, ist es vor allem eines: eine verlässliche Quelle für ein leckeres, unkompliziertes und immer wieder überraschendes Mittag- oder Abendessen. Es zeigt, dass gute Ideen manchmal nur drei Räder, eine Presse und viel Leidenschaft brauchen, um eine Lücke im städtischen Leben zu füllen. Wer also neugierig auf ein Gulasch zum Mitnehmen ist oder einfach ein handgemachtes, ehrliches Streetfood-Erlebnis sucht, sollte einen Blick auf das Lastenrad in der Theodor-Heuss-Allee oder auf die nächste Pop-up-Location werfen. Manchmal stehen die besten kulinarischen Abenteuer eben doch am Straßenrand.