Motty Steinmetz bringt spirituelle Klänge nach Frankfurt: Ein Konzert als Brücke zwischen Tradition und Gemeinschaft
Wenn am Abend des 2. September die Lichter im Frankfurter Ignatz Bubis-Gemeindezentrum ausgehen, wird es still im Saal. Dann erklingt die erste Melodie von Motty Steinmetz, einer der bedeutendsten Stimmen der zeitgenössischen jüdisch-orthodoxen Musik. Für viele der erwarteten Besucher ist dies mehr als ein Konzert. Es ist eine musikalische Einstimmung auf die Hohen Feiertage Rosch Ha-Schana und Jom Kippur, die wenige Tage später beginnen. In einer Stadt wie Frankfurt, deren jüdisches Leben nach der Schoa einen langen und schmerzhaften Weg der Wiederbelebung gegangen ist, hat ein solcher Abend eine besondere, gemeinschaftsstiftende Dimension.
Steinmetz, 1992 im strengreligiösen Bnei Brak in eine chassidische Vizhnitz-Familie geboren, steht für eine Musik, die tief in der jüdischen Liturgie verwurzelt ist. Sein Repertoire schöpft aus Gebeten und biblischen Texten, verbindet die Kunst des Chasan, des Vorbeters, mit den emotionalen Melodien der chassidischen Tradition. Sein Erfolg, der mit dem Debütalbum „Haneschama Bekirbi“ 2017 begann, liegt nicht in Bühnenspektakel, sondern in der rohen, ergreifenden Kraft seiner Stimme. Er schafft es, dass aus einem Lied schnell ein gemeinsames, andächtiges Erlebnis werden kann. In Frankfurt wird er von einem erweiterten Live-Orchester unter der Leitung seines langjährigen Wegbegleiters Ruvi Banet und dem renommierten Zamru-Chor aus Belgien begleitet. Die Veranstaltung findet mit Mechitza, also getrennter Sitzordnung für Männer und Frauen, statt – ein Zeichen für die orthodoxe Ausrichtung des Abends.
Hintergrund und Kontext: Jüdisches Kulturleben in Frankfurt
Frankfurts jüdische Gemeinde ist mit über 6.500 Mitgliedern eine der größten und aktivsten in Deutschland. Das kulturelle Leben pulsiert zwischen Tradition und Moderne, zwischen religiöser Verankerung und offenem Dialog. Das Ignatz Bubis-Gemeindezentrum in der Savignystraße, benannt nach dem ehemaligen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden, ist dabei ein zentraler Ort. Es ist mehr als ein Gebäude; es ist ein Symbol für die gewachsene Selbstverständlichkeit jüdischen Lebens in der Stadt. Hier finden Gottesdienste, Feste, Bildungsangebote und eben auch Kulturveranstaltungen wie das Konzert von Motty Steinmetz statt.
Die Programmierung solcher Events folgt einer doppelten Strategie. Einerseits richtet sie sich an die interne Gemeinschaft, stärkt die religiöse und kulturelle Identität. Andererseits öffnet sie Türen für die nichtjüdische Frankfurter Stadtgesellschaft. „Musik ist eine universelle Sprache, die Vorurteile abbauen und Neugier wecken kann“, erklärt ein Gemeindesprecher. In einer Zeit, in der antisemitische Vorfälle leider auch in Frankfurt nicht verschwinden, ist dieser integrative Ansatz von großer Bedeutung. Das Konzert kurz vor den Hohen Feiertagen, einer Zeit der Einkehr und Besinnung, setzt dabei einen bewussten Akzent auf Spiritualität und inneren Frieden.
Die musikalische und gesellschaftliche Wirkung
Was macht den Besuch eines Motty Steinmetz-Konzerts so besonders? Es ist die emotionale Tiefe, die seine Musik transportiert. Viele seiner Lieder, wie „Atik Yomin“ oder „Emunah Ubitachon“, handeln von Glaube, Vertrauen und Sehnsucht. Für jüdische Zuhörer sind diese Texte und Melodien oft vertraut, sie wecken Erinnerungen an Feiertage und Familienerlebnisse. Für nichtjüdische Gäste eröffnet sich ein emotional zugänglicher Zugang zu einer religiösen Tradition, die ihnen vielleicht fremd ist. Die Kraft der Musik überbrückt hier sprachliche und kulturelle Grenzen.
Ein Gemeindemitglied, das Steinmetz bereits in Israel live erlebt hat, beschreibt es so: „Man muss die hebräischen Texte nicht wortwörtlich verstehen. Die Emotion in seiner Stimme, die Hingabe im Gesang – das spricht direkt zum Herzen. Es ist ein Gefühl von collective soul, von gemeinsamer Seele.“ Genau diese Wirkung ist in der heutigen, oft von Hektik und Oberflächlichkeit geprägten Zeit ein seltenes Gut. Das Konzert schafft einen geschützten Raum für Stille, Reflexion und gemeinschaftliches Erleben – Werte, die weit über die jüdische Gemeinschaft hinaus geschätzt werden.
Lokalpolitische Dimension und städtische Unterstützung
Die Förderung des jüdischen Lebens und der Kampf gegen Antisemitismus sind erklärte Ziele der Frankfurter Stadtpolitik. Die Stadt unterstützt die Jüdische Gemeinde nicht nur durch Sicherheitsmaßnahmen, sondern auch durch die Förderung kultureller Projekte. Veranstaltungen wie das Steinmetz-Konzert werden als wichtiger Teil der städtischen Kulturvielfalt und der Demokratiearbeit gesehen. „Eine lebendige, sichtbare jüdische Kultur ist die beste Antwort auf alle, die Jüdinnen und Juden wieder unsichtbar machen wollen“, betont ein Kulturdezernent der Stadt.
Die Entscheidung, ein Konzert mit orthodoxer Ausrichtung (Mechitza) in einem städtisch anerkannten und geförderten Gemeindezentrum stattfinden zu lassen, spiegelt auch den Respekt vor der inneren Diversität der jüdischen Gemeinschaft wider. Frankfurt anerkennt, dass jüdisches Leben viele Facetten hat – von liberal bis streng orthodox. Die Unterstützung aller Strömungen ist Ausdruck einer gelebten Toleranz- und Integrationspolitik.
Bürgerbeteiligung und einladende Gemeinschaft
Das Konzert von Motty Steinmetz ist eine Einladung an die gesamte Frankfurter Bürgerschaft. Die Gemeinde betont, dass ausdrücklich alle Musikinteressierten willkommen sind, unabhängig von ihrer religiösen oder weltanschaulichen Zugehörigkeit. Für Interessierte bietet sich hier die Chance, jüdische Kultur authentisch und auf hohem künstlerischen Niveau zu erleben. Es ist eine Form der Bürgerbeteiligung auf kultureller Ebene – ein Angebot, miteinander in Kontakt zu treten, zuzuhören und Gemeinschaft in einem besonderen Moment zu erfahren.
- Musik als universelle Sprache
- Emotionale Tiefe der Lieder
- Integration in die Frankfurter Stadtgesellschaft
- Reise von Tradition zu Moderne
- Raum für Stille und Reflexion
- Einladende Gemeinschaft für alle
Wer mehr über die Arbeit der Jüdischen Gemeinde Frankfurt oder ihre kulturellen Angebote erfahren möchte, findet Informationen auf der Website der Gemeinde. Dort sind auch die Modalitäten für den Kartenkauf für das Konzert hinterlegt. Solche Veranstaltungen leben davon, dass sie entdeckt und besucht werden.
Fazit: Mehr als nur Musik
Wenn Motty Steinmetz am 2. September im Ignatz Bubis-Gemeindezentrum die Bühne betritt, geht es um viel mehr als um schöne Melodien. Es geht um die Kraft der Tradition, die in der Gegenwart neu erklingt. Es geht um die Stärkung einer Gemeinschaft, die sich ihrer Identität freudig und selbstbewusst zeigt. Und es geht um ein offenes Angebot an die vielfältige Stadtgesellschaft Frankfurts, an dieser Kultur teilzuhaben.
In einer von Unruhe und Spaltung geprägten Welt setzt dieser musikalische Abend ein Zeichen der Einkehr, des Zusammenhalts und der Hoffnung. Er erinnert daran, dass Musik eine Brücke sein kann – zwischen Menschen, zwischen Kulturen und zwischen dem Alltag und den Fragen, die tiefer gehen. Das ist ein wertvolles Geschenk für jede Stadt, besonders aber für Frankfurt mit seiner historischen Verantwortung und seiner lebendigen, zukunftsorientierten jüdischen Gegenwart.