Die Sommerpause im Düsseldorfer Kunstpalast hat ihre eigene, ruhige Dramatik. Während im gesamten Haus die großen, publikumswirksamen Herbstausstellungen vorbereitet werden, bietet ein kleiner Teil des zweiten Stocks bereits jetzt einen intimen Vorgeschmack auf die Vielfalt zeitgenössischer Kunst. Hier, abseits des großen Trubels, präsentiert die Kunstsammlung der Stadtsparkasse Düsseldorf zum achten Mal ihre Ausstellungsreihe „Made in Düsseldorf“. Die aktuelle Schau trägt den Titel „In Szene gesetzt“ und ist noch bis zum 27. September bei freiem Eintritt zu sehen.
Auf den ersten Blick mag der Titel der Reihe verwirren. „Made in Düsseldorf“ suggeriert eine geografische Herkunft, doch die ausgestellten Künstlerinnen und Künstler stammen aus Leipzig, Los Angeles oder London. Das Konzept ist anders zu verstehen: Es handelt sich um eine Präsentation von Neuerwerbungen der Sparkassensammlung, die alle einen Bezug zum Kunstpalast als Ausstellungsort haben. Entweder wurden die Werke hier erstmals gezeigt oder die Künstler sind mit der Düsseldorfer Kunstakademie verbunden. Kuratiert wird die Sammlung von einem Expertengremium um Linda Conze, Leiterin der Abteilung für Fotografie und Zeitbasierte Medien im Kunstpalast, und Sparkassen-Kuratorin Esther Breinig. Diese Kooperation zwischen Kulturinstitut und Geldhaus besteht seit 2008 und hat eine bemerkenswerte Sammlung zeitgenössischer Positionen hervorgebracht.
Die aktuelle Ausstellung in den drei schmalen Räumen nimmt sich eines großen Themas an: dem Spannungsfeld zwischen Wirklichkeit und menschlicher Wahrnehmung. Den Auftakt macht eine komplexe Werkreihe des Künstlers Juergen Staack mit dem Titel „Transcription“. Staack ließ Personen auf Ainu, einer bedrohten Regionalsprache Nordjapans, ein Foto oder einen Ort beschreiben. Der Besucher kann diese Beschreibungen über Kopfhörer hören und gleichzeitig eine beschriebene Polaroid-Fotografie sowie ein schlichtes Quadrat aus japanischem Papier betrachten. Das eigentliche Kunstwerk aber ist ein monumentales, computererzeugtes Linienbild an der Wand – die visuelle Übersetzung der gehörten Tonspur. Hier wird Sprache unmittelbar in Grafik transformiert und hinterfragt, wie genau ein sprachliches Bild ein reales Bild ersetzen kann.
Im mittleren Raum ändert sich die Stimmung. Sophie Meuresch präsentiert mit „Astrid“ ein ruhiges, zweikanaliges Videoporträt. Eine junge, sportliche Frau namens Astrid wechselt mit minimalen Bewegungen verschiedene Posen vor der Kamera. Das Werk fängt eine fast meditative Stimmung ein und zieht die Aufmerksamkeit durch seine schlichte Präsenz und die subtile Körpersprache der Dargestellten auf sich. Direkt daneben konfrontiert uns Barbara Probst, eine Schülerin der berühmten Fotografenlegende Bernd Becher, mit einem visuellen Rätsel. Ihre Arbeit „Exposure“ zeigt dieselbe Szene – Tischbeine, eine grüne Flasche, die Hand einer Person – zeitgleich aus drei verschiedenen Kameraperspektiven. Das Ergebnis wirkt wie die Dokumentation eines unklaren Tatorts und demonstriert, wie die Wahl des Blickwinkels die Wahrnehmung einer Situation fundamental verändert.
Besonders für Düsseldorfer Augen interessant ist der Beitrag von Andreas Gefeller. Der Fotokünstler hat einen Klassenraum der Düsseldorfer Kunstakademie mit einer Spezialkamera von oben abgelichtet und aus etwa fünfzig Einzelaufnahmen einen fiktiven, aber täuschend echten Raum namens „R 209“ konstruiert. Das chaotische Arrangement aus Stühlen, Brettern und Farbspritzern am Boden wirkt authentisch und ist für jeden, der die Akademie kennt, sofort erkennbar. Gefeller vereint in dieser Arbeit präzise Dokumentation mit digitaler Konstruktion und zeigt, dass die Grenze zwischen abgebildeter und erfundener Realität in der zeitgenössischen Fotografie fließend ist.
Der letzte Raum der Ausstellung hält eine Prise humorvollen, exzentrischen Witzes bereit. Der britische Künstler Steven Pippin präsentiert eine Reihe von Direktbelichtungen, die er mit selbstgebauten Kameras aufgenommen hat – eingebaut in die Schüsseln öffentlicher Urinale. Eine Aufnahme zeigt den Künstler nur schemenhaft, wie er auf einem Fahrrad an dieser ungewöhnlichen „Kamera“ vorbeifährt. Diese spielerische, fast skurrile Herangehensweise kontrastiert mit den subtileren Arbeiten etwa von Jan Dibbets. Der ehemalige Professor der Düsseldorfer Akademie fotografierte in extremer Nahsicht die Lackstrukturen von Autokarosserien und verwandelte so industrielle Oberflächen in fast malerische Abstraktionen. Ebenfalls mit der Verfremdung des Alltäglichen beschäftigte sich Gudrun Kemsa bereits in den 1990er Jahren. Ihre Lichtkompositionen, aufgenommen in einer Düsseldorfer Fabrik, heben das Schöne und Kompositorische aus der industriellen Umgebung hervor.
„In Szene gesetzt“ ist eine bescheidene, aber feine Ausstellung. Sie erfordert vom Besucher etwas Zeit und Aufmerksamkeit, da viele der Werke nicht auf den ersten Blick entschlüsselt werden. Es geht nicht um spektakuläre Effekte, sondern um konzeptuelle Tiefe und die grundlegende Frage, wie wir die Welt um uns herum sehen und interpretieren. In einer Zeit, in der digitale Bilderfluten unseren Alltag bestimmen, wirken diese Reflektionen über Wahrnehmung, Konstruktion und Dokumentation besonders relevant.
| Was | Wann | Wo |
|---|---|---|
| „In Szene gesetzt: Made in Düsseldorf 8“ | Bis 27. September 2025 | Kunstpalast Düsseldorf, Ehrenhof 4-5, 2. Etage |
Die Schau ist ein schönes Beispiel für das Engagement eines lokalen Geldinstitutes für die zeitgenössische Kunstszene. Sie bietet Düsseldorfern und ihren Gästen die Möglichkeit, zwischen den großen Blockbuster-Ausstellungen kostengünstig – nämlich kostenfrei – aktuelle künstlerische Positionen kennenzulernen. Wer also in den kommenden Wochen den Kunstpalast besucht, sollte den Weg in den zweiten Stock nicht scheuen. Dort wartet ein stiller, aber lohnenswerter Dialog über das Sehen und das Gesehene.
Was kostet es?
- Eintritt frei
- Besondere Ausstellungen
- Interaktive Kunstwerke
- Videoporträts
- Fotografie und digitale Kunst
- Kunst aus Düsseldorf und weltweit
Eine kostenlose Broschüre mit weiteren Informationen liegt aus. Öffnungszeiten und weitere Details unter www.kunstpalast.de.