Im Interview mit der TTBL sprachen Borussias Rückkehrer Wim Verdonschot und Grenzaus Publikumsliebling Sam Walker über das Achtelfinale beim „Leapmotor Pokal Grand Opening“ in Nürnberg. Während die Dortmunder den Favoritenstatus betonen, aber keine leichte Aufgabe erwarten, setzt Grenzau auf eine gute Tagesform und den Kampfgeist. Beide sehen im neuen Turnierformat mit zwei Spielen an einem Wochenende eine Chance. Für Borussia Dortmund geht es darum, endlich die erste Pokal-Barriere zu überwinden und den Traum vom Final4 zu leben. Grenzau will an alte Erfolge anknüpfen und den Verein Schritt für Schritt wieder nach oben führen.
Das Achtelfinale: Ein offenes Duell auf dem Papier
Für Borussia Dortmund ist das Pokal-Achtelfinale gegen den TTC Zugbrücke Grenzau eine erste große Bewährungsprobe in der neuen Saison. Rückkehrer Wim Verdonschot, der aus der Zweiten Liga von Union Velbert zum BVB wechselte, sieht seine Mannschaft zwar als Favoriten, warnt aber vor Leichtsinn. „Ich würde schon sagen, dass wir auf dem Papier wahrscheinlich Favorit sind. Aber jedes Spiel muss erstmal gespielt werden“, so Verdonschot. Seine Erfahrung vom letzten Pokal mit Velbert gegen den haushohen Favoriten 1. FC Saarbrücken-TT lehrt ihn, dass im Tischtennis alles möglich ist. Da die Spielstärke zwischen Dortmund und Grenzau näher beieinander liege, könne es ein „sehr, sehr spannendes und offenes Achtelfinalspiel“ werden.
Auf der anderen Seite blickt Grenzaus englischer Nationalspieler Sam Walker mit gesunder Respektlosigkeit auf die Aufgabe. „Wir haben noch nicht wirklich über das Viertelfinale nachgedacht“, sagt Walker und betont den Fokus auf die unmittelbare Herausforderung. „Selbstverständlich glauben wir immer daran, dass wir gewinnen können.“ Für ihn ist es ein neues Spiel an einem neuen Tag, bei dem die beiden gegenseitigen Bundesligasiege der Vorsaison nur wenig Aussagekraft haben. Mit Neuzugang Liam Pitchford, einem weiteren Weltklassespieler, fühlt sich Grenzau gewappnet.
Der große Traum: Das Final4 in der Westfalenhalle
Für Borussia Dortmund ist der Pokalwettbewerb in dieser Saison von besonderer Bedeutung. Nach zwei Erstrunden-Aus in den vorherigen Bundesliga-Jahren – beide Male gegen den 1. FC Saarbrücken-TT – peilt Trainer Evgeny Fadeev nun den erstmaligen Einzug ins „Liebherr Pokal Final4“ an. Dieses wird 2026 in Dortmunds heimischer Westfalenhalle ausgetragen, was den Anreiz zusätzlich vergoldet. Wim Verdonschot hält dieses Ziel für realistisch. „Wenn man sich mal die Pokalauslosung anschaut, kann man schon sagen, dass wir Glück gehabt haben und es für uns auf jeden Fall möglich ist“, analysiert der Niederländer. Der Weg über Grenzau und ein mögliches Viertelfinale gegen Bad Homburg oder einen anderen Qualifikanten erscheint machbar – aber nur, „wenn wir unsere Leistung abrufen“.
Sam Walker und der TTC Zugbrücke Grenzau tragen ihrerseits das Erbe eines Rekordpokalsiegers mit vier Titeln (bis 2006). Die letzte Final4-Teilnahme liegt jedoch über acht Jahre zurück, und jüngere Jahre waren vom Abstiegskampf in der Liga geprägt. Ein erneuter Einzug ins Halbfinale wäre ein enormes Signal für den traditionsreichen Verein. „Es wäre natürlich großartig für den ganzen Verein“, bestätigt Walker. Gleichzeitig relativiert er die Erwartungen und verweist auf den harten Konkurrenzkampf. Für ihn und das Team gehe es um einen langfristigen Aufbau: „Wir versuchen […] den Verein weiter zu stärken und hoffentlich erfolgreicher zu werden.“ Der Pokal könnte dabei ein kraftvoller Katalysator sein.
Das neue Format: Chance oder Belastung?
Ein Novum in dieser Pokal-Saison ist das „Grand Opening“-Format in Nürnberg, bei dem Achtel- und Viertelfinale an einem Wochenende ausgespielt werden. Beide Spieler sehen darin weniger eine zusätzliche Belastung als vielmehr eine Chance. Für Wim Verdonschot, der die Abläufe in Dortmund erst kennenlernt, spielt die körperliche Verfassung die key Rolle. „Alle Spieler bei uns sind körperlich auf einem super Niveau und spielen auch alle gerade in super Form. Deswegen glaube ich, dass es für uns nur positiv sein kann“, so seine Einschätzung. Ein guter Lauf am ersten Tag könnte wertvollen Schwung für das mögliche Viertelfinale am nächsten Tag generieren.
Sam Walker pflichtet bei: „Ich finde, dass das neue Format gut für die Spieler ist, und es ändert eigentlich nichts an der Vorbereitung.“ Für ihn ist es schlicht ein weiteres Spiel, auf das man sich wie gewohnt vorbereitet. Diese Einstellung unterstreicht die Professionalität der Teams, für die eng getaktete Turniere aus der internationalen Spielpraxis nichts Ungewöhnliches sind.
Persönliche Geschichten: Verdonschots Sternstunde und Walkers bescheidener Fokus
Die Interviews offenbaren auch die persönliche Seite der Protagonisten. Wim Verdonschot schwelgt in der Erinnerung an seine „Sternstunde“ im letzten Pokal, als er für Velbert im Viertelfinale gegen Saarbrücken sowohl Edy Ionescu als auch Darko Jorgic besiegte und den Champions-League-Sieger an den Rand des Aus brachte. „Das war einmalig“, sagt er mit spürbarem Stolz. Diese Erfahrung macht ihn auch mit den hohen Erwartungen an seine Dortmunder Debütsaison gelassener um. Die Vorschusslorbeeren seien „ein bisschen von beidem“ – einerseits ein leichter Druck, andererseits ein großer Ansporn, zu zeigen, was in ihm steckt.
Sam Walker bleibt derweil bescheiden und konzentriert. Auf die Frage nach einem möglichen Viertelfinal-Wiedersehen mit seinem Ex-Trainer Slobodan „Bobo“ Grujic (jetzt bei Bad Homburg) antwortet er nüchtern: „Das liegt noch in weiter Ferne, denn um überhaupt so weit zu kommen, müssen wir erst Dortmund schlagen.“ Dieser Fokus auf das Wesentliche, das nächste Spiel, charakterisiert die Einstellung einer Mannschaft, die sich ohne großen Rummel herangearbeitet hat.
Fazit: Ein Test für Ambitionen und Aufstiegshoffnungen
Das Achtelfinale in Nürnberg wird somit zu einem vielschichtigen Test. Für Borussia Dortmund ist es die Gelegenheit, den lästigen Pokalfluch der ersten Runde zu brechen und den hochgesteckten Ambitionen einer Final4-Teilnahme in den eigenen Hallen ersten Glauben zu schenken. Der Druck, endlich liefern zu müssen, ist da, wird von Spielern wie Verdonschot aber als motivierend empfunden.
Für den TTC Zugbrücke Grenzau ist es die Chance, sich gegen einen vermeintlich stärkeren Konkurrenten zu messen und zu beweisen, dass der positive Trend der letzten Saison, insbesondere der starken Rückrunde, trägt. Ein Sieg wäre ein gewaltiger Schub für das Projekt, den Verein zurück an die nationale Spitze zu führen. Unabhängig vom Ausgang verspricht das Duell zweier Mannschaften mit unterschiedlichen historischen Lasten, aber ähnlichem Kampfwillen, ein packender Auftakt für das Pokalwochenende zu werden.
- Erste große Bewährungsprobe für Borussia Dortmund
- Gute Tagesform entscheidend für Grenzau
- Wim Verdonschot warnt vor Leichtsinn
- Sam Walkers Fokus auf unmittelbare Herausforderung
- Neues Turnierformat als Chance
- Ambitionen für das Final4 in Dortmund
| Mannschaft | Titel | Letzte Final4-Teilnahme |
|---|---|---|
| Borussia Dortmund | 0 | N/A |
| TTC Zugbrücke Grenzau | 4 | 2006 |