Nach zehn Jahren umfassender Sanierung steht das Deutsche Museum in München vor der nächsten großen Transformation. Die Museumsinsel, einst eine Festung der Technikgeschichte, wird sich bis zum Jahr 2028 zu einem lebendigen Forum für die Zukunft entwickeln. Der Fokus liegt nun auf dem alten Kongressbau, der jüngst noch als Location für den Blitz-Club pulsierte. Doch was kommt danach? Wer könnte hier einziehen?
Die architektonischen Visionen sind vielversprechend. Sie zeigen blühende Dachgärten, die sich über die weitläufigen Gebäudekomplexe erstrecken, und eine elegante Wandelbrücke, die die verschiedenen Ebenen des Areals miteinander verbindet. Zum ersten Mal seit über einem Jahrhundert soll sich das imposante Gebäudeensemble nicht nur als steinerne Insel in der Isar präsentieren, sondern als ein integraler und grüner Teil der Münchner Flusslandschaft.
Ein Neuanfang nach der Sanierung
Nach einem Jahrzehnt der Generalsanierung, in der das Hauptgebäude und viele Sammlungen auf den neuesten Stand gebracht wurden, steht das Deutsche Museum vor einer strategischen Weiterentwicklung. Die Sanierungskosten beliefen sich auf über 450 Millionen Euro, eine Investition, die die Bedeutung des Museums als nationales Kulturgut unterstreicht. Doch die Verantwortlichen denken bereits weiter. Es geht nicht mehr nur um die Konservierung der Vergangenheit, sondern um die aktive Gestaltung von Fragen, die unsere Zukunft betreffen.
Der alte Kongressbau, ein Funktionsbau aus den 1930er Jahren, ist dafür ein zentraler Schlüssel. Nach dem Auszug der temporären Clubnutzung bietet er rund 5.000 Quadratmeter nutzbare Fläche auf mehreren Etagen. Diese Fläche soll nicht mit weiteren historischen Exponaten gefüllt werden. Stattdessen ist ein «Zukunftsforum» geplant – ein Ort des Dialogs, der Experimente und der Begegnung.
Was ist ein «Zukunftsforum»?
Die Idee des Zukunftsforums ist es, das Museum vom reinen Ausstellungsort zu einer interaktiven Plattform weiterzuentwickeln. «Ein Museum des 21. Jahrhunderts darf nicht nur ein Schaudepot sein,» erklärt Generaldirektor Wolfgang Heckl in einem Gespräch mit unserer Redaktion. «Es muss ein lebendiger Ort werden, an dem die großen Themen unserer Zeit – von künstlicher Intelligenz über die Energie- und Mobilitätswende bis zur ethischen Verantwortung in der Wissenschaft – diskutiert und erfahrbar gemacht werden.»
Konkret könnte das bedeuten: In den Räumen des ehemaligen Kongressbaus finden dann regelmäßig Bürgerdialoge mit Wissenschaftlern statt. Labore für Schulklassen bieten praxisnahen Unterricht abseits des Klassenzimmers. Start-ups aus dem Tech-Bereich können ihre Prototypen in einer Testumgebung präsentieren und Feedback erhalten. Auch große internationale Konferenzen zu Zukunftsthemen sind wieder denkbar und würden München als Wissenschaftsstandort stärken.
Eine Brücke zur Stadt und ihren Bürgern
Die geplante Wandelbrücke ist dabei mehr als nur ein architektonisches Element. Sie symbolisiert die Öffnung des Museums hin zur Stadt. Bisher wirkt die Museumsinsel trotz ihrer zentralen Lage oft wie eine abgeschlossene Welt. Die neuen Pläne sehen vor, die Dachterrassen des sanierten Bibliotheksbaus und des Kongressbaus öffentlich zugänglich zu machen und mit grünen Oasen zu versehen.
«Wir wollen, dass die Münchnerinnen und Münchner ihr Museum wieder als einen Ort für sich entdecken,» so ein Sprecher der Baureferats. «Ein Ort zum Flanieren, für eine Mittagspause im Grünen mit Blick auf die Isar, oder für einen informellen Austausch nach einem Museumsbesuch.» Diese Aufwertung des öffentlichen Raums steht im Einklang mit den stadtplanerischen Zielen Münchens, mehr innerstädtische Grünflächen und Begegnungszonen zu schaffen.
Wer sind die künftigen Nutzer?
Die Frage, wer konkret in das Zukunftsforum einziehen wird, ist bewusst noch offen gehalten. Das Museum sucht den aktiven Dialog mit potenziellen Partnern. Im Gespräch sind:
- Hochschulen und Forschungseinrichtungen: Die nahegelegene Technische Universität München (TUM) oder die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) könnten dort dauerhafte Projektbüros oder interdisziplinäre Labore einrichten.
- Kultur- und Bildungseinrichtungen: Organisationen wie die Volkshochschule oder die Münchner Stadtbibliothek könnten Workshop-Reihen oder Lesungen anbieten.
- Die Zivilgesellschaft: Vereine und Initiativen, die sich mit Nachhaltigkeit, Digitalisierung oder sozialem Wandel beschäftigen, sollen Raum für Treffen und Ausstellungen finden.
- Die Wirtschaft: Gerade für junge Unternehmen aus den Bereichen Greentech oder Robotik bietet sich eine einzigartige Plattform, um mit der Öffentlichkeit in Kontakt zu treten.
«Es wird kein exklusiver Elitenort werden,» betont Heckl. «Der Zugang muss niedrigschwellig sein. Wir denken an moderierte Formate, die auch Menschen ohne wissenschaftlichen Hintergrund ansprechen.»
Ein wichtiger Schritt für München
Die Entwicklung zum Zukunftsforum ist ein bedeutender Schritt für München. In einer Zeit, in der viele Museen um Besucher und gesellschaftliche Relevanz ringen, geht das Deutsche Museum einen mutigen Weg. Es nutzt seine historische Autorität, um den Blick nach vorn zu richten. Die bauliche Öffnung hin zur Isar und zur Stadt spiegelt diese neue Philosophie wider.
Für die Münchner Bürgerinnen und Bürger entsteht somit bis 2028 ein neuer, öffentlicher Ort von hoher Qualität. Ein Ort, der Bildung, Erholung und gesellschaftlichen Dialog verbindet. Die Transformation der ehemaligen Party-Location im Kongressbau zu einem Labor der Zukunft wäre damit ein gelungenes Beispiel dafür, wie ein traditionsreiches Institut sich selbst erneuern und einen vitalen Beitrag für das Gemeinwesen leisten kann. Die nächsten Jahre bis zur Fertigstellung werden zeigen, welches Leben in diese Visionen einzieht. Eines ist sicher: Die Museumsinsel wird noch stärker als bisher zum pulsierenden Herzen des modernen Münchens.