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Düsseldorf

Cannabismesse Düsseldorf startet: Entdecken Sie lokale Highlights

Julia Becker
Zuletzt aktualisiert: August 23, 2026 5:01 a.m.
Julia Becker
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Cannabismesse Düsseldorf


Der Messeduft über dem Areal der Messe Düsseldorf hat sich in dieser Woche verändert. Statt Maschinenöl oder Druckfarbe liegt jetzt ein süßlich-herber Geruch in der Luft. Die „Cannafair“, eine der größten Fachmessen für Hanf- und CBD-Produkte in Europa, hat ihre Tore geöffnet. Doch was auf den ersten Blick wie eine bunte Konsumgütermesse wirkt, ist in Wirklichkeit ein Spiegelbild des tiefgreifenden Wandels, der Deutschland seit der teilweisen Legalisierung von Cannabis durchläuft. In den Hallen treffen sich nicht nur Anbieter von Aromablüten und Ölen, sondern auch Anwälte, Mediziner, Aktivisten und neugierige Bürger aus Düsseldorf und dem ganzen Land. Die Messe ist zum lokalen Epizentrum einer nationalen Debatte geworden – und zeigt, wie eine globale Pflanze die lokale Gemeinschaft, Wirtschaft und Politik in unserer Stadt berührt.

Hintergrund: Ein Jahr nach der Legalisierung – Die neue Normalität in Düsseldorf

Seit dem 1. April 2024 ist der private Besitz und Anbau von Cannabis in begrenzten Mengen in Deutschland erlaubt. Was als historischer Schritt der Bundesregierung begann, hat sich im Alltag vieler Städte, auch in Düsseldorf, zu einer praktischen Herausforderung entwickelt. Die Stadtverwaltung stand vor der Aufgabe, die neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen in die lokale Ordnungspolitik zu gießen. „Wir mussten sehr schnell Klarheit schaffen, besonders für unsere Ordnungskräfte und die Jugendhilfe“, erklärt eine Sprecherin des Ordnungsamtes. Die Stadt reagierte mit Informationskampagnen und schärfte die Regeln für den Konsum in der Öffentlichkeit, besonders in der Nähe von Schulen, Kitas und Spielplätzen.

Die „Cannafair“ in diesem Jahr ist die erste ihrer Art in diesem neuen rechtlichen Umfeld. Die Besucherzahlen erwarten die Veranstalter auf über 15.000. Damit ist die Messe nicht nur ein Wirtschaftsfaktor für die Düsseldorfer Messegesellschaft und die umliegenden Hotels und Gastronomiebetriebe, sondern auch ein seismographisches Ereignis. Sie misst, wie sich die Akzeptanz, das Wissen und die wirtschaftlichen Hoffnungen rund um die einst verpönte Pflanze entwickeln.

Die Messehalle als Mikrokosmos: Von Medizin bis Lifestyle

Betritt man die hell erleuchtete Halle, fällt die Vielfalt sofort ins Auge. Die Messe gliedert sich in klar getrennte Welten, die die verschiedenen Facetten der Cannabis-Debatte widerspiegeln.

In einem Bereich dominieren weiße Kittel und seriöse Stände. Hier informieren Ärztevereinigungen und Hersteller von Medizinalcannabis über die therapeutischen Anwendungen bei chronischen Schmerzen, Multipler Sklerose oder Übelkeit während einer Chemotherapie. „Für viele Patienten ist die Legalisierung ein enormer Gewinn an Lebensqualität. Sie müssen nicht länger wie Kriminelle behandelt werden, um ihr Medikament zu bekommen“, sagt Dr. Lena Bergmann, eine Düsseldorfer Schmerztherapeutin, an ihrem Stand. Sie verweist auf Zahlen des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte: Die Zahl der Patienten mit einer Cannabis-Verschreibung hat sich seit 2017 mehr als verzehnfacht.

Nur wenige Meter weiter herrscht eine andere Atmosphäre. Bunte Stände preisen CBD-Öle, Hanflebensmittel, aromatisierte Blüten und allerlei Lifestyle-Produkte an. CBD, der nicht-berauschende Wirkstoff der Hanfpflanze, ist zum Milliardengeschäft geworden. „Der Markt ist unglaublich dynamisch, aber auch unübersichtlich geworden“, berichtet Markus T. (42), Inhaber eines kleinen Fachgeschäfts in Derendorf. „Die Messe ist für uns wichtig, um Kontakte zu seriösen Lieferanten zu knüpfen und unsere Kunden über Qualität aufzuklären.“ Sein Laden gehört zu schätzungsweise einem Dutzend CBD- und Headshops, die sich in den letzten zwei Jahren über das Düsseldorfer Stadtgebiet verteilt haben, besonders in Innenstadtnähe und in Szenevierteln wie Flingern.

Die Schattenseiten: Suchthilfe und Jugendschutz vor Ort

Doch die bunte Messewelt blendet die Probleme nicht aus. In einem ruhigeren Eck der Halle hat der „Junge Kreuzbund Rheydt“, eine Selbsthilfegruppe für junge Suchtkranke, einen Informationsstand aufgebaut. Ralph Sieben, der Leiter der Gruppe, ist auch im Studiogespräch der Lokalzeit ein gefragter Mann. Seine Botschaft ist klar: „Legalisierung heißt nicht Verharmlosung. Cannabis kann, besonders für junge, sich entwickelnde Gehirne, abhängig machen und psychische Erkrankungen auslösen oder verschlimmern.“ Die Düsseldorfer Drogenhilfeeinrichtung „Drob“ bestätigt einen Anstieg der Beratungsanfragen von jungen Erwachsenen, die Probleme mit ihrem Cannabiskonsum haben, seit der Legalisierung. „Viele haben das Gefühl, es sei jetzt ja alles erlaubt und ungefährlich. Diesen Irrglauben müssen wir aufklären“, so eine Mitarbeiterin.

Die Stadt Düsseldorf hat reagiert und die Mittel für die aufsuchende Jugendarbeit und Suchtprävention an Schulen leicht aufgestockt. Ein neues Pilotprojekt in zwei Stadtteilen bringt Streetworker und Ordnungskräfte enger zusammen, um frühzeitig auf konsumierende Jugendliche einzuwirken, anstatt nur zu bestrafen. „Prävention ist der Schlüssel. Wir müssen da sein, bevor die Probleme entstehen“, betont Sozialdezernent Stadtrat Klaus Meyer (SPD).

Lokale Wirtschaft und Rechtssicherheit: Neue Chancen, neue Unsicherheiten

Für lokale Unternehmer ist die neue Gesetzeslage ein zweischneidiges Schwert. Während der Handel mit CBD-Produkten boomt, bleibt der legale Markt für THC-haltiges Cannabis für den Freizeitkonsum weiterhin stark reglementiert und für normale Geschäftsleute kaum zugänglich. Die geplanten „Cannabis-Clubs“, in denen Mitglieder gemeinschaftlich anbauen können, stecken in Düsseldorf noch in den Kinderschuhen. Die bürokratischen Hürden für eine Gründung sind hoch. „Die rechtliche Grauzone ist kleiner geworden, aber ganz verschwunden ist sie nicht. Wir brauchen mehr Rechtssicherheit für legale Anbieter, sonst gewinnt der Schwarzmarkt“, fordert eine Anwältin für Drogenrecht auf einem Messepanel.

Dennoch: Die wirtschaftlichen Impulse sind spürbar. Neben den Fachgeschäften profitieren Anwaltskanzleien, die auf Drogenrecht spezialisiert sind, Steuerberater und sogar Agrartechnik-Firmen, die Equipment für den Heimanbau vertreiben. Die IHK Düsseldorf hat erste Fortbildungen zum Thema „Cannabis und Wirtschaftsrecht“ angeboten – ein deutliches Signal, dass die Pflanze in der gewerblichen Welt angekommen ist.

Gesellschaftliche Akzeptanz: Ein Stadtbild im Wandel?

Die größte Veränderung vollzieht sich wohl im öffentlichen Raum. Der gelegentliche Geruch in Parks wie dem Hofgarten oder an bestimmten Ecken der Rheinuferpromenade ist für viele Düsseldorfer inzwischen Alltag. Die Reaktionen sind gespalten. „Solange es nicht vor der Haustür oder bei den Kindern im Spielpark passiert, ist es mir egal. Jeder sollte seinen Feierabend genießen können, wie er will“, meint Simone L. (55) aus Oberkassel. Anders sieht es Annette K. (68) aus Golzheim: „Ich finde es unangenehm. Das gehört nicht in die Öffentlichkeit. Früher war das klar verboten, und das war auch gut so.“

Die Stadt versucht, einen Mittelweg zu finden. Konsumverbotszonen wurden vor sensiblen Einrichtungen eingerichtet. Die Polizei ist angehalten, bei Verstößen gegen diese Regeln oder beim Konsum in Gruppen von Jugendlichen einzuschreiten. Die alltäglichste Konfliktlinie verläuft jedoch oft zwischen Nachbarn in Mehrfamilienhäusern, wenn der Geruch aus einer Wohnung in die nächste zieht – ein klassischer Fall für die Schlichtungsstelle des Mietervereins.

Bürgerbeteiligung und Ausblick: Was kommt auf Düsseldorf zu?

Für die Bürgerinnen und Bürger Düsseldorfs ist die Entwicklung mit konkreten Fragen verbunden. Wie gründe ich einen Anbauverein? Was muss ich beachten, wenn ich zu Hause anbauen möchte? Wo finde ich Hilfe, wenn der Konsum zum Problem wird? Die Stadt bietet auf ihrer Website inzwischen umfangreiche Informationen an, von den genauen Gesetzestexten bis hin zu Kontakten der Suchtberatungsstellen.

Die „Cannafair“ ist mehr als nur eine Messe. Sie ist ein Stopp auf dem Weg einer Gesellschaft, die einen jahrzehntealten prohibitionistischen Kurs verlassen hat. Die Herausforderungen für Düsseldorf sind vielfältig: Sie reichen von der praktischen Umsetzung des Jugendschutzes über die Klärung von Nachbarschaftsstreitigkeiten bis hin zur Steuerung wirtschaftlicher Hoffnungen. Die Legalisierung hat die Verantwortung nicht weggezaubert, sondern neu verteilt – zwischen Staat, Wirtschaft und jedem Einzelnen.

Die nächsten Jahre werden zeigen, wie unsere Stadtgesellschaft mit dieser neuen Verantwortung umgeht. Wird es gelingen, einen aufgeklärten, verantwortungsvollen Umgang zu etablieren, der die Freiheit des Einzelnen schützt, ohne die Gemeinschaft zu belasten? Die Antwort wird nicht nur in den Gesetzen stehen, sondern in den Parks, den Mietshäusern und den Klassenzimmern Düsseldorfs. Die Cannafair ist dafür in diesem Jahr das grell beleuchtete Schaufenster – der wahre Test findet jedoch im ganz normalen Stadtalltag statt.

  • Cannabis-Legalisierung in Deutschland seit April 2024
  • Erwartete Besucherzahl über 15.000 auf der Cannafair
  • Zahl der Patienten mit Cannabis-Verschreibung hat sich verzehnfacht
  • Wirtschaftliche Impulse durch neue Gesetze bemerkbar
  • Kampf gegen Probleme des Cannabiskonsums bei Jugendlichen
  • Etablierung von Konsumverbotszonen durch die Stadt
Bereich Information
Medizin Therapeutische Anwendungen von Medizinalcannabis
CBD-Produkte Boomender Markt mit vielen Anbietern
Suchtprävention Informationsstand für junge Suchtkranke
Konsumregeln Schärfere Regeln in der Öffentlichkeit
Wirtschaftliche Chancen Fortbildungen und neue Geschäftsmodelle
Bürgerinformation Umfangreiche Informationen auf der Stadtwebsite


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VonJulia Becker
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Julia ist eine engagierte Reporterin für den Süden Deutschlands mit Schwerpunkt auf München und Stuttgart. Sie schreibt über lokale Kulturveranstaltungen, das wirtschaftliche Stadtleben und Geschichten von Menschen, die ihre Region prägen. Ihre Beiträge zeichnen sich durch Nähe, Empathie und starke persönliche Perspektiven aus.
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