Die gelben Wände des Signal Iduna Parks werden im Sommer 2025 einen neuen Blickfang haben. Wenn Borussia Dortmund vor heimischer Kulisse angreift, wird dann vielleicht ein kleiner, flinker Grieche mit der Nummer 10 am Ball sein und versuchen, mit einer seiner unberechenbaren Aktionen die gegnerische Abteilung auszutricksen. Der BVB hat sich mit Giannis Konstantelias eines der größten Talente des griechischen Fußballs gesichert. Ein Spieler, der in seiner Heimat bereits zur Identifikationsfigur geworden ist und nun den schwierigen Schritt in eine der besten Ligen der Welt wagt. Was genau kommt da auf Dortmund zu? Und wie groß sind die Chancen, dass dieser Transfer ein voller Erfolg wird? Ein Mann, der beide Welten wie kaum ein anderer kennt, gibt exklusive Einblicke: Ioannis Amanatidis.
Der 44-jährige Ex-Bundesliga-Stürmer, der für den VfB Stuttgart und Eintracht Frankfurt auflief, arbeitete später als Co-Trainer bei PAOK Saloniki. In dieser Funktion lernte er einen jungen Giannis Konstantelias kennen, der damals noch in der U19 kickte. Im Gespräch erklärt Amanatidis die Faszination dieses Spielers, benennt aber auch klar die Hürden, die in Dortmund auf den Neuzugang warten. „Das hat mich natürlich gefreut, wie bei anderen Landsleuten auch“, sagt Amanatidis über den Transfer. „Man merkt die steigende Qualität im griechischen Fußball. Und Dortmund ist bekannt für sein Scouting, junge Spieler zu holen, sie zu entwickeln und sie später mit einem satten Gewinn weiterzuverkaufen.“
Die Analyse: Ein Straßenfußballer mit besonderem Spielwitz
Was zeichnet diesen 23-Jährigen nun aus? Amanatidis wird nicht müde, einen Begriff zu wiederholen: Spielwitz. „Giannis hat einen Spielwitz, der selten zu finden ist. Er ist kreativ und immer für eine Überraschung gut“, so seine Einschätzung. Schon in den Trainingseinheiten mit den PAOK-Profis fiel dem damaligen Co-Trainer diese besondere Begabung auf. „Man merkte damals schon, dass der Junge besondere Fähigkeiten hat. Vor allem der Umgang mit dem Ball, Eins-gegen-eins-Situationen, Überzahl schaffen. Typischer Straßenfußballer eben.“
Technische Stärke allein reicht in der Bundesliga aber nicht aus. Amanatidis betont die mentale Komponente. „Es gibt Spieler, denen musst du Lösungen zeigen. Und dann gibt es Spieler, die sehen selbst Dinge auf dem Platz, die andere vielleicht gar nicht sehen. Das hat er.“ Diese Fähigkeit, das Unerwartete zu tun, macht Konstantelias für Verteidiger so unberechenbar. „Als Gegenspieler weißt du bei ihm nicht immer: Geht er jetzt ins Dribbling, spielt er den Ball oder macht er noch einen Haken?“ Für Amanatidis ist klar: „Er ist ein Spieler, wegen dem die Leute ins Stadion gehen.“
Die größte Herausforderung: Tempo, Intensität und der Druck des Alltags
Doch der erfahrene Fußballkenner malt kein reines Schönwetterbild. Die Umstellung von der griechischen Super League zur Bundesliga sieht er als kritischsten Punkt. „In der Bundesliga hast du weniger Zeit. Die Gegner sind schneller da, es wird körperlicher gespielt und Fehler werden sofort bestraft. Daran muss er sich gewöhnen.“ Amanatidis glaubt, dass der Spieler hierzu lernen muss, nicht jede Situation „schön“ lösen zu wollen. „Manchmal musst du den einfachen Ball spielen, manchmal musst du auch einfach mal dagegenhalten. Gerade das Spiel gegen den Ball und die Intensität werden in Deutschland sehr wichtig sein.“
Hinzu kommt der psychische Druck. „Das größte Fragezeichen ist für mich die Umstellung und die Intensität“, gibt Amanatidis zu bedenken. „In Griechenland kennt er alles: den Verein, die Liga, die Mitspieler, das Umfeld, den Fußball. Jetzt kommt er in ein anderes Land, eine andere Liga und zu einem Klub, bei dem der Druck sehr groß ist.“ Zwar kennt Konstantelias Druck von PAOK, einem „sehr emotionalen Verein“, wie Amanatidis sagt. Doch die bundesweite und internationale Aufmerksamkeit in Dortmund ist eine andere Hausnummer. „Wenn er zwei gute Spiele macht, heißt es vielleicht sofort: Was für ein Transfer! Und wenn er zwei schlechte macht, fragen die Leute: Warum haben die so viel Geld bezahlt? So ist das Geschäft. Deshalb wäre es wichtig, dass man ihm auch mal ein schlechtes Spiel zugesteht.“
Der Kontext: Eine neue griechische Generation und die Rolle Dortmunds
Der Transfer ist nicht isoliert zu sehen. Mit Konstantinos Karetsas verpflichtete der BVB einen zweiten jungen Griechen. Für Amanatidis ein Zeichen einer positiven Entwicklung. „Die griechischen Klubs haben vermehrt gemerkt, dass sie bei der Jugendarbeit und beim Scouting meilenweit hinterherhinken. In den vergangenen Jahren hat man aber gemerkt, dass da Bewegung reingekommen ist.“ Er nennt Erfolge in der UEFA Youth League und eine Reihe junger Talente wie Tsimas oder Kostoulas. „Ich sage es mal kurz: Es ist gut um den griechischen Fußball bestellt in den nächsten Jahren.“
Die Anwesenheit von Landsmann Karetsas in Dortmund könnte Konstantelias die Eingewöhnung erleichtern. Trotzdem bleibt es ein gewagter Schritt. Amanatidis rät dem Spieler: „Mach dich nicht verrückt. Versuch nicht plötzlich, ein anderer Spieler zu werden. Er ist wegen seiner Art, Fußball zu spielen, dort hingekommen. Das darf er nicht verlieren.“ Gleichzeitig müsse er offen sein, sich anzupassen.
| Herausforderungen | Erwartungen | Entwicklung |
|---|---|---|
| Weniger Zeit auf dem Ball | Hohe Erwartungen seitens der Fans | Positive Entwicklung im griechischen Fußball |
| Körperlicher Umgang mit dem Spiel | Drück von Medien und Fans | Erfolge in der UEFA Youth League |
| Fehler werden sofort bestraft | Wichtige Spielentscheidungen | Junge Talente wie Tsimas und Kostoulas |
Ob die hohe Ablösesumme gerechtfertigt ist? Amanatidis relativiert: „Was sind 20, 25 oder 30 Millionen heute noch wert? Dortmund bezahlt ja nicht nur für den Spieler, der er jetzt ist, sondern auch für das, was aus ihm noch werden kann.“ Der Blick muss nach vorne gehen. „Jetzt bekommt er diese Chance, die er sich verdient hat.“
Fazit: Ein Versprechen, das nun eingelöst werden muss
Die Erwartungen sind hoch, die Herausforderungen sind es ebenfalls. Ioannis Amanatidis bleibt vorsichtig optimistisch. Sein abschließendes Urteil fasst die Situation prägnant zusammen: „Potenzial ist im Fußball ein Versprechen, keine Garantie. Jetzt kommt wahrscheinlich der schwierigste Schritt seiner bisherigen Karriere.“ Für die Dortmund-Verantwortlichen und die Fans bedeutet das: Geduld haben. Sie investieren in einen jungen Mann, der seinen unverwechselbaren, kreativen Fußball aus Thessaloniki in das Ruhrgebiet bringen soll. Wenn es gelingt, diese Leichtigkeit mit der nötigen Härte und Schnelligkeit der Bundesliga zu vereinen, dann könnte der BVB tatsächlich einen Spieler gefunden haben, der nicht nur Tore vorbereitet, sondern auch die Emotionen der Zuschauer weckt. Amanatidis hofft, dass man in zwei Jahren sagt: „Der Junge hat sich in Dortmund durchgesetzt und der BVB hat damals vieles richtig gemacht.“ Die Beweislast liegt nun bei Giannis Konstantelias selbst. Der Ball liegt bei ihm.