Die Halle bebte, als sei es das Finale um die Weltmeisterschaft. Am Sonnabendabend verwandelte sich die Barclays Arena für die 9.583 Zuschauer und die deutsche Basketballnationalmannschaft in einen Hexenkessel, in dem es um viel mehr ging als nur um einen Testspielpokal. Mit einem leidenschaftlichen 96:87 (24:24, 26:15, 28:30, 18:18) setzte sich das Team von Bundestrainer Àlex Mumbrú im Endspiel des Supercups gegen das hartnäckige Kroatien durch und krönte ein Wochenende, das die Zukunft des Turniers in Hamburg sicherte und die Euphorie um den deutschen Basketball weiter befeuerte.
Einen Titel zu gewinnen, ist immer nice, sagte Kapitän Dennis Schröder nach dem Spiel lässig in die Mikrofone. Doch hinter dieser Coolness verbarg sich harte Arbeit. Wir mussten leiden, gab Trainer Mumbrú zu. Der Sieg war alles andere als ein Spaziergang und offenbarte sowohl die Stärken als auch die Entwicklungspotenziale des Welt- und Europameisters.
Ein Kampf bis zur letzten Sekunde
Das Spiel begann verhalten, das erste Viertel endete ausgeglichen 24:24. Die deutsche Mannschaft schien zunächst die Lethargie aus dem ersten Halbfinale gegen Tschechien mitgeschleppt zu haben. Doch im zweiten Viertel legten Schröder und seine Kollegen eine Defensiv- und Offensivshow hin, die den Unterschied ausmachte. Sie zogen auf 50:39 davon und demonstrierten, warum sie derzeit die Mannschaft zu schlagen sind in Europa.
Die größte Herausforderung trug den Namen Mario Hezonja. Der 2,06 Meter große Kroate schien zeitweise unaufhaltsam und erinnerte mit seinen spektakulären Aktionen an die «Super Mario»-Figur aus den Videospielen. Doch jedes Mal, wenn es für die Gastgeber brenzlig wurde, fand die deutsche Verteidigung eine Antwort. Vor allem Isaac Bonga lieferte mit seiner intensiven und selbstlosen Spielweise den emotionalen Kitt für den Sieg. Sein Hecht auf einen verlorenen Ball in der Schlussphase, als der Sieg schon sicher schien, symbolisierte die Mentalität dieser Mannschaft: Sie geben niemals auf, egal wie bedeutungslos das Spiel auf dem Papier sein mag.
Dennis Schröder führte das Team mit ruhiger Hand und zehn Assists, während er sich beim Punkten zurückhielt und nur zehn Zähler beisteuerte. Dafür traf er einen entscheidenden Dreier in der letzten Minute, als die Kroaten auf bis zu sechs Punkte herangekommen waren. Die Last der Punkte trugen andere: Oscar da Silva, Maodo Lô und der herausragende Bonga zeigten, dass diese Mannschaft nicht von einem Superstar abhängig ist, sondern eine breite und tiefe Qualität besitzt.
Es ist nicht unsere Mentalität, lasch in Spiele zu gehen, egal in welche, betonte Maodo Lô nach dem Spiel. Gegen Tschechien hatten wir das erste Match des Sommers, das hat man gemerkt. Aber wir wollen immer unser Bestes geben, das ist unsere Identität. Wir hatten zwar Erfolg, sind aber frei von Arroganz.
Hamburg bleibt Basketball-Hochburg
Während auf dem Feld gekämpft wurde, fiel hinter den Kulissen eine entscheidende Weichenstellung für die Zukunft des Basketballs in Hamburg. Der Supercup, der 2023 als Testturnier vor dem überraschenden WM-Triumph in Manila diente, bleibt der Hansestadt erhalten. Hamburgs Sport- und Innensenator Andy Grote (SPD) bestätigte dem Abendblatt, dass die Stadt ihre finanziellen Zuwendungen für das Turnier beibehält.
Für die Active City Hamburg ist so ein Event nicht einfach nur ein Testspiel, so Grote, der das «coole Spiel» selbst vor Ort verfolgte. Es ist eine strategische Investition in den Sportstandort und eine Belohnung für die Hamburger Fans, die das Turnier in den vergangenen Jahren zu einem festen Highlight im Sportkalender gemacht haben. Die vertragliche Bindung sichert Planungssicherheit für den Deutschen Basketball Bund (DBB) und stellt sicher, dass sich die Nationalmannschaft auch vor der WM 2027 in Katar wieder in der weltoffenen Atmosphäre Hamburgs einspielen kann.
Die erschreckende Tiefe des Kaders
Was die Konkurrenz Europas am meisten beunruhigen muss, ist nicht nur der Sieg, sondern wer alles nicht auf dem Parkett stand. Der beste Werfer der letzten Europameisterschaft, Andreas Obst vom FC Bayern München, fehlte mit Rückenproblemen. Ein ganzes Quartett von NBA-Spielern – darunter Meister Ariel Hukporti (New York Knicks) und der erfahrene Isaiah Hartenstein (Oklahoma City Thunder) – war aufgrund der Sommerpause nicht verfügbar. Auch die Wagner-Brüder Franz und Moritz pausierten, um sich von den Strapazen der Saison zu erholen.
Hinzu kommt die nächste Generation: Toptalente wie Hannes Steinbach, Christian Anderson (beide Charlotte Hornets) oder Jack Kayil von Alba Berlin warten auf ihre Chance. Bundestrainer Mumbrú kann also buchstäblich aus dem Vollen schöpfen. Diese Tiefe erlaubt es ihm, verschiedene Spielsysteme zu testen und auf jeden Gegner individuell zu reagieren. Die Niederlage gegen Kroatien in der WM-Qualifikation Anfang des Jahres scheint längst vergessen und dient nur noch als zusätzliche Motivation.
Ein Turnier mit Vorbildcharakter
Der Supercup in Hamburg war mehr als nur ein Basketballwochenende. Er zeigte, wie Sport eine Stadt vereinen und begeistern kann. Die Stimmung in der Barclays Arena, die bis zur letzten Sekunde stehende und jubelnde Menge, die das Team auch nach dem Schlusspfiff nicht verlassen wollte, bis Schröder den Pokal in die Höhe reckte – all das spricht Bände.
| Platzierung | Mannschaft | Ergebnis |
|---|---|---|
| 1 | Deutschland | 96:87 |
| 2 | Kroatien | 87:96 |
| 3 | Türkei | 99:84 |
| 4 | Tschechien | 84:99 |
Im Spiel um Platz drei besiegte der Vizeeuropameister Türkei Tschechien mit 99:84 (28:25, 26:27, 29:13, 16:19) und komplettierte ein starkes Turnierfeld, das den hohen Standard des europäischen Basketballs unter Beweis stellte.
Für die deutsche Nationalmannschaft ist der Supercup-Sieg ein wichtiges psychologisches Signal auf dem Weg zur WM 2027. Er bestätigt den eingeschlagenen Weg, festigt die Mannschaftshierarchie und gibt den jüngeren Spielern wertvolle Erfahrung auf internationalem Niveau. Für Hamburg ist es die Bestätigung, ein erstklassiger Gastgeber für große Sportevents zu sein. Und für die Fans bleibt die Gewissheit: Diese Basketball-Generation hat noch lange nicht genug von Titeln. Der Hunger ist größer denn je.