Volleyball-Bundesliga: Stuttgart startet Saison mit klarem Ziel vor Augen
Für die Volleyballerinnen von Allianz MTV Stuttgart hat am Montag die heiße Phase der Vorbereitung begonnen. Der Startschuss fiel in der vertrauten Scharrena, wo Coach Konstantin Bitter seine Mannschaft für die kommende Saison in der Volleyball-Bundesliga formen will. Diesmal ist alles anders – oder soll es zumindest werden. Während viele Konkurrenten bereits seit Wochen trainieren, startete Stuttgart bewusst später. Der Grund ist so einfach wie ambitioniert: Nach mehreren Jahren der Enttäuschung in den entscheidenden Play-off-Phasen will der Dauermeister aspirant endlich wieder den Titel nach Stuttgart holen. Es geht nicht mehr nur um die Teilnahme am Finale, sondern darum, es tatsächlich zu gewinnen.
Im Fokus des neu beginnenden Arbeitszyklus stehen zwei Spielerinnen, die für die Hoffnungen des Vereins stehen: Die deutsche Nationalspielerin Pia Kästner und die vielversprechende Schweizerin Leilani Slacanin. Kästner, die erfahrene Zuspielerin und Rückgrat der Mannschaft, soll mit ihrer Ruhe und Präzision das Spiel ordnen. Slacanin, eine der größten Offensivtalente ihrer Generation, wird mit ihrer Wucht und ihrem Sprungvermögen entscheidende Punkte machen sollen. Ihre Entwicklung wird maßgeblich darüber entscheiden, ob Stuttgart die nötige Durchschlagskraft für den langen Saisonendspurt findet.
Die Entscheidung für einen späteren Trainingsstart ist eine taktische. Nach langen und fordernden Saisons, die oft erst im Europapokal im Frühjahr endeten, setzt der Verein auf mehr Regeneration für seine Leistungsträgerinnen. Die körperliche und mentale Frische ist in den entscheidenden Momenten im Mai das Wichtigste, erklärt eine Vereinsquelle. Man wolle den klassischen Saisonverlauf, bei dem die Formkurve manchmal zu früh ihren Höhepunkt erreichte, durchbrechen. Es ist ein kalkuliertes Risiko, das auf den Erfahrungen der vergangenen Jahre basiert.
Hintergrund: Die Stuttgarter Dauerbaustelle Play-offs
Stuttgart ist in der deutschen Volleyball-Landschaft eine feste Größe. Seit Jahren dominiert die Mannschaft die Hauptrunde der Bundesliga, nur um dann in den knockout-Phasen der Play-offs oder im Pokal gegen vermeintlich schwächere Teams zu scheitern. Der letzte Meistertitel liegt bereits sechs Jahre zurück. In einer Stadt, die sportlichen Erfolg von ihren Top-Clubs gewohnt ist, wird dieser «Titelknick» zunehmend kritisch gesehen.
Die Analyse des Vereins zeigt ein klares Muster: Oft fehlte es in den entscheidenden Finalspielen an der letzten körperlichen Schärfe oder der mentalen Härte. Die Mannschaft wirkte ausgespielt, während Gegner wie der SSC Palmberg Schwerin oder zuletzt die Ladies in Black Aachen frischer und hungriger wirkten. «Wir haben oft die beste Mannschaft in der Liga über die lange Distanz gehabt, aber im Sprint um die Meisterschaft hat es nicht gereicht», so ein Insider. Genau an dieser Stelle soll die neue Planung ansetzen.
Trainingsauftakt mit neuen und alten Gesichtern
Das erste Training in der Scharrena zeigte eine gut gelaunte, aber konzentrierte Truppe. Neben den gesetzten Stars wie Pia Kästner und der kapitelerprobten Mittelblockerin Marie Schölzel waren auch die Neuzugänge in Aktion. Der Kader wurde gezielt verstärkt, insbesondere in der Breite. Man wolle in der anspruchsvollen Doppelbelastung aus Bundesliga und europäischem CEV-Pokal mehr Rotation ermöglichen, ohne an Spielstärke einzubüßen, betont Trainer Konstantin Bitter.
«Der Druck ist da, das ist klar», sagt Bitter. «Aber Druck ist auch ein Privileg. Er bedeutet, dass man etwas erreichen kann. Wir haben aus den vergangenen Jahren gelernt und unsere Planung angepasst. Jetzt geht es darum, diese Vorbereitung Tag für Tag mit Qualität und Leidenschaft zu füllen.» Besonders die Integration der jungen Talente wie Leilani Slacanin in das bestehende Gerüst wird eine seiner Hauptaufgaben sein. Sie soll entlastet werden, um sich frei entfalten zu können, gleichzeitig aber von der Erfahrung der Veteranninnen profitieren.
Die Perspektive der Schlüsselspielerinnen
Pia Kästner, die nach der verpassten Olympia-Qualifikation mit der Nationalmannschaft nun den Fokus voll auf Stuttgart richtet, sieht den späteren Start positiv. «Man spürt, dass der Körper länger Zeit hatte, sich zu erholen. Das ist ein gutes Gefühl. Jetzt baut man die Intensität langsam auf, um dann zur richtigen Zeit am Peak zu sein.» Für sie als Zuspielerin ist die Vorbereitung entscheidend, um ein eingespieltes, intuitives Verständnis mit ihren Angreiferinnen aufzubauen – insbesondere mit der jungen Slacanin.
Leilani Slacanin selbst wirkt motiviert, aber auch respektvoll vor der Aufgabe. «In Stuttgart geht es immer um die Meisterschaft. Das weiß ich. Ich will hier lernen und meinen Teil zum Erfolg beitragen.» Die Erwartungen an die 20-Jährige sind immens, doch der Verein betont, ihr Zeit geben zu wollen. Man setze nicht nur auf sie allein, sondern auf ein kollektives Offensivkonzept.
Die Herausforderungen der kommenden Saison
Der Weg zum ersehnten Titel ist steinig. Die Bundesliga ist ausgeglichener geworden. Teams wie der SSC Schwerin, Aachen oder auch der Dresdner SC haben starke Kader zusammengestellt. Zudem wartet mit dem CEV-Pokal ein anspruchsvoller internationaler Wettbewerb, der Kraft und Aufmerksamkeit fordert. Die Kunst für Coach Bitter wird es sein, seine Mannschaft durch diese Doppelbelastung zu steuern, ohne dass die Formkurve zum falschen Zeitpunkt absinkt.
| Team | Stärke | Schlüsselspieler |
|---|---|---|
| Allianz MTV Stuttgart | Hoch | Pia Kästner, Leilani Slacanin |
| SSC Schwerin | Hoch | Unbekannt |
| Aachen | Mittel | Unbekannt |
| Dresdner SC | Mittel | Unbekannt |
Die finanzielle und infrastrukturelle Stärke des Allianz MTV Stuttgart ist dabei ein großer Vorteil. Die professionellen Rahmenbedingungen in der Scharrena und die Unterstützung durch die Fans sind bundesligaweit einzigartig. «Wir haben alle Voraussetzungen, um oben mitzuspielen. Jetzt müssen wir es auf dem Feld umsetzen», fasst es Sportdirektor Kim Ocelic zusammen.
Fazit: Alles auf eine Karte
Allianz MTV Stuttgart geht mit einer klaren Strategie in die neue Saison. Der spätere Start ist ein Statement, das die Fixierung auf den Saisonhöhepunkt im Mai unterstreicht. Es ist ein Plan, der Mut erfordert, denn die Konkurrenz schläft nicht. Ob er aufgeht, wird sich an der Fitness und der mentalen Stärke der Spielerinnen in den entscheidenden Play-off-Spielen zeigen.
Für die Fans in der Scharrena und in ganz Stuttgart ist die Botschaft klar: Nach Jahren des «Fast aber doch nicht» soll 2025 endlich wieder der Titel gefeiert werden. Die Reise dorthin hat nun mit dem ersten Training begonnen. Der Fokus liegt auf Pia Kästners Präzision und Leilani Slacanins Talent – und auf der Hoffnung, dass diesmal alles bis zum allerletzten Punkt des Finales durchgehalten werden kann.