Die Luft flimmerte über dem Stuttgarter Asphalt an jenem Tag im Hochsommer. Temperaturen von 40 Grad Celsius, eine für das Kessel- und Talklima der Stadt extreme Hitzebelastung, die selbst für Menschen zur Qual wird. In dieser Gluthitze fanden Passanten einen Karton. Darin: zwei Katzen, ausgesetzt und der sengenden Sonne schutzlos ausgeliefert. Diese Tat der Grausamkeit markierte den Beginn einer Odyssee für die beiden Kater, die heute im Tierheim Stuttgart als „Pummel“ und „Pirat“ bekannt sind – und die nun dringend ein gemeinsames, liebevolles Zuhause suchen.
Ihre Geschichte ist mehr als nur eine traurige Tierheim-Nachricht. Sie wirft ein Schlaglicht auf mehrere drängende lokale Themen: die anhaltende Überlastung der Tierheime, die ethischen Fragen im Umgang mit Haustieren in der Stadt und die besondere Verantwortung, die mit der Adoption von Tieren mit besonderen Bedürfnissen einhergeht. Das Tierheim Stuttgart, eine der zentralen Anlaufstellen für herrenlose Tiere in der Region, vermittelt die beiden Europäisch-Kurzhaar-Kater ausschließlich gemeinsam. „Sie hängen sehr aneinander“, heißt es vom Tierschutzverein Stuttgart. „Sie kuscheln miteinander und putzen sich gegenseitig.“ Diese tiefe Bindung ist das Positive, das aus ihrer leidvollen Vergangenheit erwuchs.
Doch die Vergangenheit und die aktuelle Gesundheitssituation machen Pummel und Pirat zu den sogenannten Sorgenkindern der Einrichtung. Während Pummel, geboren etwa 2022, mit seinem braun-getigertem Kopf und weißem Bauch das robustere der beiden Tiere ist, trägt der schwarz-weiße Kater Pirat eine schwere gesundheitliche Last. Der vermutlich Fünfjährige leidet an einer Herzerkrankung, die eine regelmäßige Tabletten-Gabe erforderlich macht. Eine Kastration war aus diesem Grund nicht möglich; stattdessen erhielt er einen Hormonchip, der in mehr-monatigen Abständen erneuert werden muss. Hinzu kommen Augenprobleme: Ein Auge ist von Geburt an verkümmert, das andere ist beeinträchtigt und benötigt mehrmals täglich Augentropfen. Beide Kater haben zudem Struvitkristalle im Urin, was eine lebenslange Spezialdiät mit entsprechendem Futter nötig macht.
„Diese Kombination aus chronischen Erkrankungen erfordert einen besonders engagierten und verantwortungsbewussten Halter“, erklärt eine Mitarbeiterin des Tierheims auf Nachfrage. „Die Medikamentengabe muss zuverlässig erfolgen, und die Kosten für das Spezialfutter sowie die tierärztlichen Kontrollen sind ein Faktor, den sich Interessenten vor einer Adoption klar machen müssen.“ Genau hier sieht der Tierschutzverein eine der größten Herausforderungen bei der Vermittlung. Tierheime in ganz Deutschland, so auch in Stuttgart, kämpfen nicht nur mit chronischer Überbelegung, sondern auch damit, für Tiere mit solch hohem Pflegeaufwand die richtigen Menschen zu finden.
Die Stadt Stuttgart selbst fördert zwar den Tierschutz, doch die Kapazitäten der Heime sind begrenzt. Immer wieder appellieren die Vereine an die Politik, die Rahmenbedingungen zu verbessern – etwa durch eine verpflichtende Kastrations- und Registrierungspflicht für Freigängerkatzen, um ungewollten Nachwuchs und damit weiteres Tierleid zu verhindern. Die Geschichte von Pummel und Pirat, die wohl aus einer solchen unkontrollierten Vermehrung stammen könnten, unterstreicht diese Forderung. Ihr Schicksal begann mit Verantwortungslosigkeit; es soll nun in sicheren Händen enden.
Trotz ihrer gesundheitlichen Probleme beschreibt das Tierheim die beiden als anschmiegsam und liebebedürftig. Sie sind reine Wohnungskatzen, benötigen also keinen Freigang. Ein gesicherter Balkon wäre ein willkommener Bonus. Auch Kinder, die im respektvollen Umgang mit Tieren erfahren sind, sind im neuen Zuhause willkommen. Wichtig ist dem Tierheim vor allem die Stabilität und die Bereitschaft, das Leben der beiden Kater langfristig und mit all seinen medizinischen Notwendigkeiten zu teilen.
- Die Kater sind aneinander gebunden.
- Pummel ist das robustere Tier.
- Pirat hat schwerwiegende gesundheitliche Probleme.
- Beide haben spezielle diätetische Anforderungen.
- Ein verantwortungsbewusster Halter ist erforderlich.
- Kindern gegenüber sind sie aufgeschlossen.
Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Stuttgarter Tierheim sind Pummel und Pirat ein Herzensprojekt. Man hat sie aus ihrer Notsituation gerettet, medizinisch versorgt und ihr Vertrauen zurückgewonnen. Jetzt sucht man den letzten, entscheidenden Schritt: ein endgültiges Zuhause. „Es geht nicht um Mitleid, sondern um Verantwortung“, so der Tenor. „Wir suchen Menschen, die bereit sind, diesen beiden ein schönes Leben zu schenken und die sich der Aufgabe mit offenen Augen stellen.“
Interessierte, die sich vorstellen können, Pummel und Pirat bei sich aufzunehmen, können sich per E-Mail an thl@stuttgart-tierheim.de wenden, um einen Kennenlerntermin zu vereinbaren. Das Tierheim steht für ausführliche Gespräche zur Verfügung, um die Bedürfnisse der Tiere und die Möglichkeiten der potenziellen neuen Familie genau abzuklopfen. In einer Zeit, in der Tierheime überfüllt sind und besondere Tiere oft lange warten müssen, wäre eine erfolgreiche Vermittlung nicht nur ein Happy End für zwei einzelne Kater, sondern auch ein ermutigendes Zeichen für den Stuttgarter Tierschutz.
| Name | Alter | Besondere Bedürfnisse |
|---|---|---|
| Pummel | ca. 2022 | benötigt Spezialdiät |
| Pirat | ca. 5 Jahre | Herzerkrankung, Augentropfen |