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Nachrichten Lokal > Nachrichten > Frankfurt am Main > Postmigrantischer Rundgang in Frankfurt-Höchst: Gesellschaftliche Konflikte im Fokus
Frankfurt am Main

Postmigrantischer Rundgang in Frankfurt-Höchst: Gesellschaftliche Konflikte im Fokus

Julia Becker
Zuletzt aktualisiert: August 27, 2026 11:20 p.m.
Julia Becker
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Postmigrantischer Rundgang in Frankfurt

Postmigrantischer Rundgang in Frankfurt: Wenn der Stadtraum Geschichten von Zugehörigkeit erzählt

Höchster Bahnhof, ein sonniger Samstagmorgen. Rund zwanzig Menschen, ausgestattet mit Rucksäcken und Neugier, bilden einen Halbkreis. Ein Kind auf dem Laufrad ruft: „Opa, wink mal!“ In dieser alltäglichen Frankfurter Szene beginnt eine ungewöhnliche Reise durch den Stadtteil Höchst. Geleitet wird sie von Tülây Güneș, Architektin und Stadtforscherin, mit ihrer ersten Führung unter dem Titel „Postmigrantisches Höchst“. Ihr Ziel ist es nicht, Sehenswürdigkeiten abzuhaken. Sie will den Stadtraum als lebendiges Archiv lesbar machen – als einen Ort, an dem gesellschaftliche Konflikte, Unsichtbarkeiten und die ständige Neuverhandlung von Zugehörigkeit im Alltag sichtbar werden. Für Güneș, deren Eltern in den 1970er Jahren als Gastarbeiter aus der Türkei nach Höchst kamen, ist dies auch eine persönliche Heimkehr. Ihre Expertise als Wissenschaftlerin verbindet sie mit den biografischen Erfahrungen aus ihrer Heimat. Der Rundgang, Teil des Rahmenprogramms der Ausstellung „Höchst erzählt“ des Historischen Museums, stellt zwei zentrale Fragen in den Raum: Wer bleibt in unserer Stadt unsichtbar? Und was bedeutet es heute eigentlich, dazuzugehören?

In Höchst sind diese Fragen besonders dringlich. Hier hat ein Drittel der Bevölkerung eine eigene Einwanderungsgeschichte, ein weiteres Drittel einen sogenannten Migrationshintergrund. Migration, so Güneș‘ Überzeugung, ist keine Ausnahme, sondern eine Konstante der Gesellschaft. Der Begriff „postmigrantisch“, den sie bewusst wählt, beschreibt genau diesen Zustand: Die Tatsache der Migration wird als gegeben anerkannt, doch alles Weitere – Perspektiven, Teilhabe, Anerkennung – wird permanent neu ausgehandelt. Diese Verhandlungen finden nicht nur in Parlamenten statt, sondern auf den Straßen, in den Geschäften und an den Denkmälern von Stadtteilen wie Höchst. Güneș lädt die Teilnehmer ein, mit allen Sinnen wahrzunemen: das Getöse der Kreuzung, den Duft von reifem Obst aus den Läden der Dalbergstraße, die mehrsprachigen Schilder in den Cafés. „Hier ist nicht einfach alles arabisch oder türkisch“, betont sie und korrigiert damit vorschnelle Zuschreibungen. Die Inhaber hätten vielfältige Hintergründe, sprächen Farsi, Französisch, Deutsch. Die Multisprachigkeit sei auch eine pragmatische Geschäftsstrategie, um möglichst viele Kundengruppen zu erreichen. Ein einfacher Detail, das eine komplexe Realität erklärt.

Hintergrund und Kontext: Höchst – Ein Stadtteil im steten Wandel

Um die Tiefe von Güneș‘ Rundgang zu verstehen, lohnt ein Blick auf die Geschichte Höchsts. Der Stadtteil im Frankfurter Westen ist geprägt von einer doppelten Identität: jahrhundertealte, fast dörflich anmutende Altstadtgassen einerseits und das Erbe der Industrialisierung andererseits. Die Höchster Farbwerke, später Teil des Chemiekonzerns Hoechst, machten den Ort im 19. und 20. Jahrhundert zu einem Magneten für Arbeitskräfte aus ganz Deutschland und später aus dem Ausland. Die sogenannten Gastarbeiter aus Südeuropa und der Türkei prägten ab den 1960er Jahren das Gesicht des Stadtteils nachhaltig. Sie fanden Arbeit im Werk und viele blieben, gründeten Familien, eröffneten Geschäfte. Aus der temporären „Gast“-Arbeiterschaft wurde eine dauerhafte Einwohnerschaft.

Heute steht Höchst, wie viele ähnliche Stadtteile in deutschen Großstädten, vor neuen Herausforderungen. Es geht um bezahlbaren Wohnraum, um die Attraktivität der Innenstadt, um saubere Straßen und das Zusammenleben einer extrem heterogenen Bevölkerung. Die Debatten, die hier geführt werden, sind Mikrokosmen bundesweiter Diskussionen über Integration, Teilhabe und das Selbstverständnis der Einwanderungsgesellschaft. Die kommunale Politik in Frankfurt steht dabei in der Pflicht, Räume für diese Aushandlungsprozesse zu schaffen und allen Bewohnern eine Stimme zu geben. Das ist kein einfaches Unterfangen, wie der Rundgang zeigt. Verwaltungsvorschriften, etablierte Prozeduren und oft auch unbewusste Vorurteile können Hürden darstellen. Gleichzeitig gibt es beeindruckende Beispiele gelungenen Miteinanders, die jedoch oft unter dem Radar der öffentlichen Wahrnehmung bleiben.

Hauptanalyse: Fünf Stationen – Fünf Konflikte um Sichtbarkeit und Teilhabe

An fünf Stationen arbeitet Tülây Güneș konkrete räumliche Aspekte urbaner Konflikte heraus. Jeder Halt wird zu einer Fallstudie darüber, wie Zugehörigkeit verhandelt oder verwehrt wird.

  1. Die Königsteiner Straße und das „Vermüllungs“-Narrativ: Die einstige barocke Prachtstraße ist heute eine lebhafte Einkaufsmeile mit großen Ketten und inhabergeführten Geschäften. Seit langem tobt in Höchst eine Debatte über vermeintliche Verschmutzung und Unordnung im Zentrum. Auch in der Führungsgruppe kommt das Thema auf. Güneș lenkt den Blick jedoch weg von moralischen Zuschreibungen hin zu strukturellen Ursachen: „Oft ist das einfach ein Verwaltungsproblem“, erklärt sie. Es fehlten vielleicht ausreichend Mülleimer oder eine angepasste Reinigungslogistik für stark frequentierte Orte. Das Problem schnell einer undifferenziert wahrgenommenen „Einwandererbevölkerung“ zuzuschreiben, verdeckt die eigentlichen, oft banalen administrativen Lösungsbedarfe. Es ist ein klassisches Beispiel dafür, wie soziale Konflikte im Stadtraum sichtbar und dann bestimmten Gruppen angelastet werden.
  2. Der gestürzte Bismarck: Wer bestimmt die Deutungshoheit? Ein zentrales Symbol dieses Ringens um Deutungshoheit ist der „Höchster Bismarck“. 2024 hatten Aktivisten die Statue des Reichskanzlers von ihrem Sockel gestoßen und mit einem Graffiti auf seine koloniale Verstrickung hingewiesen. Ein Teilnehmer der Führung kommentiert trocken: „Der war marode, der wäre sowieso bald umgefallen.“ Für Güneș geht es aber um mehr als den physischen Zustand des Denkmals. Sie fragt: Wer kam in der folgenden öffentlichen Debatte zu Wort? „Warum hat man zum Beispiel die Schulen oder Jugendzentren nicht eingebunden?“ Eine Gegenfrage aus der Gruppe – „Die Hälfte von uns Erwachsenen weiß doch nichts über Bismarck, wie soll man da Schulen einbinden?“ – offenbart das Kernproblem: Ein großer Teil der Stadtgesellschaft fühlt sich von diesen historisch-politischen Debatten nicht angesprochen oder ausgeschlossen. Die Auseinandersetzung um das Denkmal bleibt ein Diskurs innerhalb bestimmter Bildungsmilieus, während andere Perspektiven und Betroffenheiten – etwa die von Menschen, deren Herkunftsländer von deutscher Kolonialpolitik betroffen waren – kaum Gehör finden.
  3. St. Josef: Geteilte Kirchen und unsichtbare Strukturen: Ein paar Straßen weiter zeigt sich ein Modell gelebter Pragmatik und zugleich ein Beispiel struktureller Ungleichheit. In der katholischen Kirche St. Josef nutzt die eritreisch-orthodoxe Gemeinde den Raum mit. Während viele etablierte Gemeinden ihre großen Gebäude nicht mehr halten können, finden hier Hunderte Gläubige sonntagmorgens einen Ort für ihren Gottesdienst. Eine Win-win-Situation, wie Güneș einräumt, auch wenn frühe Gesänge Anwohner stören könnten. Doch diese Regelung sei eine Ausnahme. „Viele verschiedene religiöse Gemeinden werden an den Stadtrand gedrängt und müssen sich immer noch als Verein eintragen lassen“, kritisiert die Architektin. Christliche Gemeinden verfügten über historisch gewachsene, anerkannte Strukturen und Sichtbarkeit. Nicht-christliche, migrantisch geprägte Gemeinden müssten alles mühsam aus sich heraus neu aufbauen und kämpften oft um legale Räume. Diese unsichtbare administrative Hürde entscheidet mit darüber, wer sich in der Stadt heimisch fühlen kann.
  4. Das gescheiterte Straßenfest: Das Neuverhandeln von Ritualen: Ein sehr konkretes Beispiel für diesen Aushandlungsprozess ist der bisher gescheiterte Versuch muslimischer Gemeinden, während des Ramadan ein öffentliches Fastenbrechen (Iftar) auf einer Höchster Straße zu veranstalten. Was in anderen Städten bereits Praxis ist, stößt in Höchst auf behördliche und vielleicht auch politische Widerstände. Für Güneș symbolisiert dies den Kern der postmigrantischen Gesellschaft: Es geht darum, neue, gemeinsam ausgehandelte Formen des Zusammenlebens und -feierns zu finden, die über das hinausgehen, was der Mehrheitsgesellschaft vertraut ist. „In einer postmigrantischen Gesellschaft muss man alle einbinden, nicht nur diejenigen, die einem gerade noch passen“, fordert sie. Dies sei kein „Nice-to-have“, sondern Grundlage für sozialen Frieden.
  5. Die Dalbergstraße: Der Marktplatz der Ankommen: Die erste Station der Führung ist vielleicht die positivste. Die lebhafte Geschäftsstraße mit ihren internationalen Lebensmittelläden, Bäckereien und Cafés ist ein Ort, der von der Kraft der Migration erzählt. Hier wird nicht über Integration geredet, sie wird täglich praktiziert. Die Geschäfte sind Knotenpunkte, Treffpunkte, Orte des Wirtschaftens und des Austauschs. Güneș‘ Hinweis, dass man hier lernt, eine gute Wassermelone auszuwählen, ist mehr als eine Anekdote. Es steht für das praktische, alltägliche Wissen, das in solchen Räumen weitergegeben wird – ein Wissen, das zur Teilhabe gehört, aber in offiziellen Integrationskursen nicht gelehrt wird.

Gemeinschaftsauswirkungen: Wer wird gehört, wer bleibt unsichtbar?

Die Analyse von Tülây Güneș macht deutlich, dass die Auswirkungen dieser stadt-räumlichen Konflikte ungleich verteilt sind. Während etablierte Bürgervereinigungen, politische Gremien und Bildungsbürger oft über die Zukunft Höchsts diskutieren, bleibt ein großer Teil der Bevölkerung außen vor. Teilnehmer Markus Müller bringt es auf den Punkt: „Diskussionen finden gerade in bestimmten Gruppen statt: Im Bildungsbürgertum, im Mittelstand. Ein großer Teil der Bevölkerung bleibt außen vor. Das müsste dringend geändert werden.”

Besonders betroffen sind jene, deren Lebensrealitäten nicht der vermeintlichen „Norm“ entsprechen: Jugendliche aus migrantischen Familien, die sich in den Debatten um Bismarck nicht repräsentiert fühlen; religiöse Minderheiten, die für ihre Gebetsräume kämpfen müssen; Ladenbesitzer, die pauschal mit dem Narrativ der „Unordnung“ in Verbindung gebracht werden; oder einfach Anwohner, die sich von den bürokratischen Hürden für Gemeinschaftsaktionen entmutigen lassen. Für sie kann der Stadtraum zu einem Ort der Frustration werden, an dem sie zwar physisch anwesend sind, aber nicht als gleichberechtigte Akteure wahrgenommen und eingebunden werden.

Gleichzeitig zeigen positive Beispiele wie die geteilte Kirche St. Josef oder die vitale Dalbergstraße, dass ein inklusiveres Miteinander möglich und bereits gelebte Realität ist. Diese informellen, oft unsichtbaren Praktiken des Zusammenlebens sind eine enorme soziale Ressource für den Stadtteil. Sie stiften Zusammenhalt und Alltagsnormalität jenseits der großen politischen Debatten.

Lokalpolitische Dimensionen: Verwaltung zwischen Regelwerk und Pragmatismus

Die Beispiele des Rundgangs werfen ein grelles Licht auf die Herausforderungen der lokalen Politik und Verwaltung. Auf der einen Seite steht die Pflicht, Regelwerke einzuhalten, Sicherheit zu gewährleisten und einheitliche Verfahren zu garantieren – sei es bei Versammlungsgenehmigungen für Straßenfeste, bei der Denkmalpflege oder bei der Vergabe von Gemeindeflächen. Auf der anderen Seite steht der Auftrag, eine inklusive Stadtgesellschaft zu fördern und allen Bürgerinnen und Bürgern Teilhabe zu ermöglichen.

Oft kollidieren diese beiden Aufgaben. Das scheiterte Iftar auf der Straße ist ein Beispiel: Mögliche Bedenken wegen Verkehrssicherheit, Lärm oder Sauberkeit treffen auf den legitimen Wunsch einer großen Gemeinschaft, ihr wichtigstes Fest im öffentlichen Raum sichtbar zu begehen. Die Kunst für die Kommunalpolitik liegt darin, nicht einfach mit Verboten zu reagieren, sondern pragmatische Lösungen zu suchen, die beide Seiten berücksichtigen. Ähnliches gilt für die Nutzung von Kirchen oder anderen kommunalen Räumen. Hier muss die Verwaltung proaktiv werden und nicht-christlichen Gemeinden den Zugang erleichtern, anstatt sie mit bürokratischen Hürden zu konfrontieren.

Die Diskussion um den Bismarck zeigt zudem, dass politische Bildung und historische Aufarbeitung keine Elitenprojekte bleiben dürfen. Der Stadtrat und die Kulturbehörden sind gefordert, Formate zu entwickeln, die Menschen aller Bildungs- und Herkunftshintergründe erreichen und einbeziehen. Nur so kann eine wirklich gemeinsame, von allen mitgetragene Erinnerungskultur entstehen.

Vergleich und Kontext: Höchst ist überall

Die in Höchst beobachteten Dynamiken sind kein Einzelfall. In Stadtteilen wie Duisburg-Marxloh, Berlin-Neukölln, Stuttgart-Bad Cannstatt oder Köln-Chorweiler finden ähnliche Aushandlungsprozesse statt. Überall wird gestritten über die Nutzung öffentlicher Räume, über den Umgang mit Denkmälern, über Lärm von Gottesdiensten und über das Erscheinungsbild von Einkaufsstraßen.

Was Frankfurt-Höchst jedoch besonders macht, ist die intensive historische Verwurzelung der Industrie-Einwanderung und das starke Engagement von Menschen wie Tülây Güneș, die diese Geschichte aus persönlicher und professioneller Perspektive aufarbeiten. Andere Städte haben vielleicht früher damit begonnen, kommunale Integrations- oder Teilhabekonzepte zu entwickeln. Der Ansatz von Güneș geht einen Schritt weiter: Er fragt nicht danach, wie sich Menschen „integrieren“ können, sondern wie die Stadt selbst – ihre Räume, ihre Verwaltung, ihre Symbole – sich verändern muss, um einer postmigrantischen Realität gerecht zu werden. Dieser Perspektivwechsel vom Individuum auf die Strukturen ist zukunftsweisend.

Bürgerbeteiligung und Handlungsmöglichkeiten: Vom Zuhören zum Mitgestalten

Der Rundgang selbst ist ein hervorragendes Beispiel für gelebte Bürgerbeteiligung. Er schafft einen Raum des Zuhörens, des Perspektivwechsels und des direkten Austauschs zwischen Anwohnern unterschiedlichster Hintergründe. Die große Nachfrage – bereits vierzig Interessenten für die nächsten Termine – zeigt, dass es einen Hunger nach solchen Formaten gibt.

Für Bürgerinnen und Bürger, die sich einbringen wollen, bieten sich mehrere Wege:

  • Teilnahme an solchen Führungen und Gesprächsformaten: Sie schärfen den eigenen Blick für die Stadt und bauen Vorurteile ab.
  • Engagement in bestehenden Vereinen und Initiativen: Ob in der Höchster Altstadtvereinigung, in religiösen Gemeinden oder in Nachbarschaftsprojekten – hier wird das Zusammenleben konkret gestaltet.
  • Einmischung in die Kommunalpolitik: Anwohner können in Bezirksversammlungen ihre Anliegen vorbringen, bei Bürgerhaushalten mitentscheiden oder Petitionen starten, etwa für die pragmatische Nutzung von Räumen oder die Neugestaltung von Plätzen.
  • Dialog mit der Verwaltung suchen: Statt sich über „Vermüllung“ zu beschweren, kann man konkrete Vorschläge für mehr Mülleimer oder Reinigungsintervalle an die zuständigen Ämter richten.
  • Eigene Perspektive einbringen: Menschen mit eigener oder familiärer Einwanderungsgeschichte sollten ihre Expertise und ihre Sichtweisen in Debatten aktiv einbringen – sei es in der Schule, im Verein oder in der Lokalpresse.

Schlussfolgerung: Der Stadtraum als Labor der Demokratie

Am Ende des zweistündigen Rundgangs zieht Teilnehmer Wolfgang Reinhard, selbst in der Höchster Altstadtvereinigung aktiv, ein gemischtes Fazit: „Ich finde es spannend, die Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen. Daraus kann man viel lernen. In der Praxis ist es jedoch manchmal schwieriger.“ Dieser Satz fasst die Herausforderung perfekt zusammen. Die Einsicht und der Wille zur Veränderung sind da, doch die Umsetzung im Alltag stößt auf Widerstände, Beharrungskräfte und komplexe Regelwerke.

Tülây Güneș‘ „Postmigrantisches Höchst“ ist mehr als eine Stadtführung. Es ist eine Einladung, den eigenen Stadtteil mit neuen Augen zu sehen – nicht als Problemgebiet, sondern als lebendiges Labor der Demokratie. Ein Ort, an dem die großen Fragen unserer Zeit im Kleinen ausgehandelt werden: Wer sind wir? Wer gehört dazu? Und wie wollen wir zusammenleben? Die Antworten darauf werden nicht in Berlin oder Wiesbaden gefunden, sondern vor unserer Haustür, auf den Straßen von Stadtteilen wie Höchst. Sie erfordern den mutigen Blickwechsel, zu dem Güneș einlädt: weg von der Defizitperspektive auf Migration, hin zur Anerkennung der postmigrantischen Realität als Chance, unsere Städte gerechter, inklusiver und lebendiger für alle zu gestalten. Die nächsten Führungen im Oktober und Dezember werden zeigen, ob dieser Impuls in der Höchster Bürgerschaft weiterwirkt und vielleicht sogar konkrete Veränderungen in der kommunalen Praxis anstößt.


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Julia ist eine engagierte Reporterin für den Süden Deutschlands mit Schwerpunkt auf München und Stuttgart. Sie schreibt über lokale Kulturveranstaltungen, das wirtschaftliche Stadtleben und Geschichten von Menschen, die ihre Region prägen. Ihre Beiträge zeichnen sich durch Nähe, Empathie und starke persönliche Perspektiven aus.
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