Ein vertrautes Bild für viele Münchner Pendler wird in den kommenden Tagen wieder Realität: Ersatzverkehr mit Bussen. Die Deutsche Bahn setzt ihre umfangreichen Baumaßnahmen auf der wichtigen Strecke zwischen München und Buchloe fort. Nach den bereits seit Februar laufenden Einschränkungen durch Langsamfahrstellen steht nun ein neuer, größerer Bauabschnitt an. Dieser wird vom 26. August bis zum 5. September 2025 den Zugverkehr auf einem zentralen Teilstück der Strecke massiv beeinträchtigen.
Warum jetzt gebaut wird und was geschieht
Die Gründe für die Baustelle sind vielfältig und zielen auf langfristige Verbesserungen ab. Im Kern geht es darum, die Infrastruktur für einen zuverlässigeren und leistungsfähigeren Bahnverkehr fit zu machen. Die Strecke zwischen München und dem Allgäu ist eine der meistbefahrenen in Bayern mit einem hohen Aufkommen an Pendlerverkehr der S-Bahn, regionalen Verbindungen und sogar internationalen Fernzügen. Der Verschleiß ist entsprechend hoch.
Konkret werden im Bereich Kaufering Gleise erneuert – eine Maßnahme, die für weniger Ruckeln und langfristig höhere Geschwindigkeiten sorgt. Gleichzeitig tauscht die Bahn in Fürstenfeldbruck drei Weichen aus. Weichen sind mechanisch hochkomplexe und beanspruchte Teile des Netzes; ihr Austausch ist entscheidend für die Betriebssicherheit und Pünktlichkeit. Als weitere Großbaustelle werden zwei neue Eisenbahnüberführungen in Geltendorf und Epfenhausen fertiggestellt. Diese Bauwerke sind Teil von langfristigen Projekten zur Kapazitätssteigerung und zur Entflechtung von Verkehrsströmen.
Für die Fahrgäste bedeutet dies jedoch vorerst Einschränkungen. Die Strecke zwischen Fürstenfeldbruck und Kaufering ist in dem genannten Zeitraum nur stark eingeschränkt nutzbar. Die Deutsche Bahn hat deshalb einen umfassenden Ersatzverkehr mit Bussen organisiert, der sowohl den S-Bahn- als auch den Regional- und Fernverkehr auffängt. Die genauen Details sollten Fahrgäste unbedingt vor Antritt ihrer Reise in der DB Navigator App oder auf bahn.de prüfen, da sich kurzfristige Änderungen ergeben können.
Auswirkungen auf den S-Bahn-Verkehr: Die S4 wird zur Buslinie
Für die vielen Pendler, die täglich auf die S-Bahnlinie S4 angewiesen sind, bringt die Baustelle die deutlichste Veränderung im Alltag. Auf dem Abschnitt zwischen Puchheim und Buchenau fahren in beiden Richtungen keine Züge mehr. Stattdessen übernehmen Busse den kompletten Verkehr. Um Engpässe zu vermeiden, richtet die S-Bahn München tagsüber sogar einen ergänzenden Ersatzverkehr mit Bussen zwischen Buchenau, Fürstenfeldbruck und Germering-Unterpfaffenhofen ein, der im Stundentakt fährt.
Die S-Bahn rechnet mit erhöhtem Anfrage- und Informationsbedarf. Deshalb werden während der Bauphase tagsüber zusätzliche Mitarbeiter am Bahnhof Puchheim im Einsatz sein, um den Umstieg zu erleichtern und Fragen zu beantworten. Dennoch müssen sich Pendler auf längere Reisezeiten einstellen. Ein Bus ist langsamer als eine S-Bahn und der Umstieg selbst kostet Zeit. Wer flexibel sein kann sollte in diesen zehn Tagen über Alternativen wie Homeoffice oder eine andere Route nachdenken.
Regional- und Fernverkehr: Umstiege und Durchbindungen
Auch der Verkehr in die weitere Region und ins Ausland ist betroffen. Zwischen dem Münchner Hauptbahnhof und Buchloe entfällt der Zugverkehr komplett. Reisende in Richtung Allgäu oder von dort nach München müssen auf Busse umsteigen. Diese fahren im Halbstundentakt und ersetzen die Fahrten der RE-Linien 70, 72, 76 und 96. In Buchloe besteht dann wieder Anschluss an die Züge die weiter nach Lindau, Kempten oder Memmingen fahren.
Eine Ausnahme bilden die Züge der Bayerischen Regiobahn (BRB). Die RB 68 aus Füssen kommend kann ohne Umstieg bis Augsburg durchfahren. Zwischen Buchloe und Kaufering verkehrt zudem halbstündlich ein Pendelzug der BRB, der eine lokale Verbindung aufrechterhält.
Besonders stark trifft es den internationalen Fernverkehr. Die ECE-Linie 88 von München über Lindau nach Zürich wird in diesem Zeitraum geteilt. Die Züge verkehren nur noch auf den Abschnitten Lindau-Reutin – Zürich. Für die Strecke zwischen München und Lindau wird ein Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet, die am Münchner ZOB (Hackerbrücke) starten. Dies bedeutet für Fernreisende eine erhebliche Verlängerung der Reisezeit und den komfortablen Verlust des direkten Zuganschlusses.
Lokale Perspektive: Unmut und Verständnis
Die Reaktionen in den betroffenen Gemeinden wie Geltendorf, Türkenfeld oder Grafrath sind gespalten. Einerseits gibt es Verständnis für die Notwendigkeit der Arbeiten. «Die Strecke war in den letzten Jahren wirklich anfällig. Ständig gab es Verspätungen wegen Stellwerksstörungen oder Langsamfahrstellen», berichtet Michaela S. aus Geltendorf, die täglich nach München pendelt. «Wenn das jetzt endlich besser wird, nehme ich die zehn Tage Busfahren in Kauf.»
Andererseits sorgen sich gerade ältere Menschen oder Familien mit Kindern vor den Umständen des Ersatzverkehrs. «Die Busse halten oft nicht direkt am Bahnhof, das Gepäck muss man schleppen und bei Regen ist das alles andere als ideal», sagt Ernst B. aus Türkenfeld. Die Gemeinden und die Bahn stehen hier in der Pflicht, die Umstiege klar auszuschildern und barrierefrei zu gestalten, soweit möglich.
Aus Sicht der Stadt München und der regionalen Politik sind die Baumaßnahmen ein wichtiger Schritt. Sie sind eingebettet in größere Projekte wie den Ausbau der Südtangente und die geplante S-Bahn-Stammstrecken-Entlastung. Ein modernisiertes und leistungsstarkes Gleisbett ist die Grundvoraussetzung für mehr Zugverbindungen und höhere Taktungen in der Zukunft – beides dringende Forderungen aus der Bevölkerung um den Verkehr auf die Schiene zu verlagern.
Was Fahrgäste jetzt wissen und tun sollten
| Punkt | Details |
|---|---|
| 1. Reisezeit einplanen | Rechnen Sie mit mindestens 30 bis 60 Minuten zusätzlicher Reisezeit für Strecken, die den betroffenen Abschnitt betreffen. |
| 2. Aktuelle Informationen checken | Nutzen Sie die DB Navigator App oder die Webseite. Hier sind die Ersatzverkehre integriert und es wird auf eventuelle kurzfristige Änderungen hingewiesen. |
| 3. Früher losfahren | Besonders für wichtige Termine, Zuganschlüsse oder Flüge ist ein früherer Start unbedingt ratsam. |
| 4. Alternative Routen prüfen | Für manche Ziele bieten sich Umwege über Augsburg oder über die Strecke München–Kufstein–Rosenheim–Salzburg an, auch wenn diese länger sind. |
| 5. Geduld mitbringen | Die Busse und Bahnhöfe werden voller sein als üblich. Die Einsatzkräfte vor Ort leisten in dieser Zeit Schwerarbeit. |
| 6. Umstiege beachten | Die Umstiege müssen klar ausgeschildert und barrierefrei gestaltet werden. |
Die Baustelle zwischen München und Buchloe ist mehr als nur eine lästige Unterbrechung. Sie ist ein sichtbares Zeichen für die Investition in die marode Schieneninfrastruktur. Ob der versprochene langfristige Gewinn an Pünktlichkeit und Kapazität am Ende die aktuellen Unannehmlichkeiten aufwiegt, wird sich aus Sicht der täglichen Nutzer erst in den Monaten nach Abschluss der Arbeiten zeigen. Bis dahin heißt es: Durchhalten und umsteigen.