Das Gefühl kennt jeder, der morgens zur Arbeit pendelt. Die S-Bahn kommt, die Türen öffnen sich, und man sieht nur eine Wand aus Menschen. Ab kommendem Montag wird dieses Bild für viele Hamburger im Süden der Stadt zur täglichen Realität. Vier Wochen lang, vom 26. Oktober bis zum 22. November, fallen wegen Bauarbeiten der Deutschen Bahn zahlreiche Regionalzüge zwischen Harburg und dem Hauptbahnhof aus. Die S-Bahnen müssen den Großteil des Verkehrs auffangen. Die Sorge vor überfüllten Zügen und langen Verspätungen ist groß. Jetzt reagiert die Stadt und richtet zusätzliche Direktbusse ein.
Die neue Buslinie ist ein direkter Rettungsring für Pendler von den Elbinseln. Montags bis freitags zwischen 6 und 20 Uhr fahren Busse im Zehn-Minuten-Takt. Sie starten an der S-Bahn-Station Wilhelmsburg am Inselpark und an der Station Veddel. Ihr Ziel ist der Hauptbahnhof. Dort halten sie am Steintordamm und am ZOB. Dieses Angebot ist die Antwort der Stadt auf ein großes Problem. Die Deutsche Bahn hatte für den kompletten Ausfall der Regionalzüge keinen eigenen Schienenersatzverkehr mit Bussen geplant. Die S-Bahnen S3 und S5 bleiben zwar in Betrieb. Sie werden aber die vielen tausend zusätzlichen Fahrgäste kaum bewältigen können. Die Bahn sagt, es stünden keine zusätzlichen Wagen für längere Züge zur Verfügung.
Für Sie als Pendler bedeutet das eine einfache Rechnung. Deutlich mehr Menschen teilen sich den gleichen begrenzten Platz in den Zügen. Sie müssen mit erheblichen Verspätungen rechnen. Planen Sie viel mehr Zeit für Ihren Weg ein. Die Fahrradmitnahme wird in den Stoßzeiten praktisch unmöglich sein. Die Stadt hat den Handlungsbedarf erkannt. Verkehrssenator Anjes Tjarks betonte, man wolle den Menschen in Wilhelmsburg und Veddel eine direkte Verbindung in die City anbieten. Die zusätzlichen Busse sollen den Druck von den völlig überlasteten S-Bahn-Strecken nehmen. Das Angebot wird in der ersten Woche genau überprüft. Bei Bedarf wird es für die restlichen Wochen der Sperrung noch angepasst.
Hinter den Bauarbeiten steckt ein notwendiges Infrastrukturprojekt. Arbeiter erneuern Weichen südlich des Hauptbahnhofs. Diese Arbeiten sind wichtig für einen zuverlässigen Zugverkehr in der Zukunft. Doch die kurzfristigen Auswirkungen auf den Alltag sind massiv. Auch der Fernverkehr ist betroffen. Einige ICE- und IC-Züge beginnen oder enden bereits in Harburg. Reisende müssen dort umsteigen. Die Informationslage war zunächst unübersichtlich. Erst hieß es, alle Regionalzüge fielen aus. Jetzt sollen doch noch wenige Züge verkehren. Diese Unsicherheit macht die Planung für Pendler nicht einfacher.
Die Situation zeigt ein grundlegendes Problem unserer Verkehrsinfrastruktur. Wenn ein wichtiger Abschnitt ausfällt, bricht das System fast zusammen. Es gibt kaum Puffer. Die Kapazitäten der S-Bahn sind in den Stoßzeiten jetzt schon erschöpft. Tausende Pendler aus Harburg, Neugraben oder Buxtehude sind auf eine funktionierende Strecke angewiesen. Vier Wochen sind eine lange Zeit. Für viele bedeutet das täglichen Stress, Ungewissheit und den Verlust von wertvoller Freizeit. Die schnelle Reaktion der Stadt mit den Bussen ist ein Schritt in die richtige Richtung. Doch es bleibt eine Notlösung. Ein Bus kann bei weitem nicht so viele Menschen befördern wie ein Regionalzug.
Was können Sie konkret tun?
- Informieren Sie sich vor jeder Fahrt.
- Nutzen Sie die Apps von HVV und Deutscher Bahn.
- Prüfen Sie, ob die neuen Busse für Sie eine Alternative sind.
- Vielleicht ist auch eine Kombination aus Fahrrad und Bahn eine Option.
- Vermeiden Sie, wenn möglich, die klassischen Stoßzeiten am frühen Morgen und späten Nachmittag.
- An den Bahnhöfen sollen zusätzliche Mitarbeiter für Informationen bereitstehen.
Die kommenden vier Wochen werden eine Belastungsprobe für den gesamten Verkehr im Süden Hamburgs. Sie zeigen, wie verletzlich unser Alltag ist, wenn ein einzelnes Gleis gesperrt wird.
| Tag | Fahrzeiten | Busstationen | Ziel |
|---|---|---|---|
| Montag | 6 – 20 Uhr | Wilhelmsburg am Inselpark, Veddel | Hauptbahnhof |
| Dienstag | 6 – 20 Uhr | Wilhelmsburg am Inselpark, Veddel | Hauptbahnhof |
| Mittwoch | 6 – 20 Uhr | Wilhelmsburg am Inselpark, Veddel | Hauptbahnhof |
| Donnerstag | 6 – 20 Uhr | Wilhelmsburg am Inselpark, Veddel | Hauptbahnhof |
| Freitag | 6 – 20 Uhr | Wilhelmsburg am Inselpark, Veddel | Hauptbahnhof |
Die Einrichtung der Direktbusse ist ein wichtiges Signal. Sie zeigt, dass die Stadt die Not der Bürger sieht und handelt. Es ist ein Akt der Solidarität mit den Bewohnern von Wilhelmsburg und Veddel. Diese Stadtteile sind oft von großen Verkehrsprojekten betroffen. Jetzt erhalten sie eine direkte Verbindung, um überhaupt in die Innenstadt zu kommen. Die wirkliche Bewährungsprobe beginnt am Montag. Dann werden sich die Busse und Bahnhöfe füllen. Dann wird sich zeigen, ob die getroffenen Maßnahmen ausreichen. Eines ist sicher. Die Diskussion über die Widerstandsfähigkeit unseres Verkehrsnetzes und über gerechte Mobilität für alle Stadtteile wird diese vier Wochen überdauern.