Die Halle im Mercedes-Benz Museum ist voll. Die Stimmung ist gespannt und ruhig. Über 400 Menschen sitzen auf den Stühlen. Sie schauen nach vorne auf eine große Leinwand. Dort läuft ein Video von einem hellgrünen Lamborghini Urus. Das Auto fährt über eine Landstraße. Der Motor brummt tief. Jeder hier kennt diese Bilder. Sie kommen von der Internetseite der baden-württembergischen Justiz. Seit Wochen kann man dort die Objekte sehen, die heute versteigert werden.
Es ist die größte Justizauktion, die es je im Land gegeben hat. Der Erlös soll in die Staatskasse fließen. Über 180 Gegenstände stehen auf der Liste. Darunter sind:
- Luxusautos
- teure Uhren
- schweres Baugerät
- Verfahren gegen Organisierte Kriminalität
- ein grüner Lamborghini Urus
- ein türkisfarbener Porsche 911 Turbo S
Die Auktion ist öffentlich. Jeder kann mitbieten. Das wirft Fragen auf. Wer sind die Menschen, die heute hier sitzen? Sind es Sammler, die einfach ein Schnäppchen machen wollen? Oder sind es Menschen, die bewusst die Geschichte dieser Gegenstände ignorieren? Ich spreche vor der Versteigerung mit einigen Besuchern.
Herr Meier, ein älterer Herr im Anzug, sagt: «Ich interessiere mich für die Baumaschinen. Das ist mein Geschäft. Die Herkunft ist mir egal. Die Maschine ist die Maschine. Sie hat keine Schuld.» Eine junge Frau, die lieber anonym bleiben möchte, sagt etwas anderes. Sie steht vor den ausgestellten Uhren. «Ich finde das schon komisch», sagt sie leise. «Diese Uhren hat sich jemand von Geld gekauft, das anderen Menschen geschadet hat. Sie tragen diese Geschichte in sich. Ich könnte das nicht.»
Die Versteigerer Ferdinand Eppli und Alexander Doster betreten die Bühne. Sie arbeiten für das Landesamt für Vermögen und Bau Baden-Württemberg. Sie leiten die Versteigerung professionell und schnell. Der erste Lamborghini ist dran. Das Startgebot liegt bei 150.000 Euro. Die Hände schnellen in die Höhe. Die Zahlen auf der Leinwand steigen rasch. 200.000. 300.000. 500.000. Die Atmosphäre wird elektrisch. Ein Telefonbieter ist im Rennen. Ein Mann ganz hinten im Saal winkt immer wieder. Nach wenigen Minuten ist es entschieden. Der Hammer fällt. Der grüne Lamborghini Urus geht für 712.000 Euro an den Herrn am Telefon. Der Saal applaudiert kurz. Es ist ein Rekord für eine Justizauktion hier.
Ich frage Alexander Doster in einer Pause nach den Käufern. «Es ist ein sehr gemischtes Publikum», sagt er. «Wir haben professionelle Händler hier. Wir haben Privatleute, die ein Auto für sich selbst ersteigern wollen. Und wir haben viele, die per Telefon oder Internet live mitbieten. Aus ganz Deutschland und dem Ausland.» Die Herkunft der Objekte sei oft ein Thema, sagt er. «Aber am Ende entscheidet der Preis. Die Ware wird neutral angeboten. Der Markt regelt den Rest.»
| Objekt | Preis (Euro) |
|---|---|
| Türkisfarbener Porsche 911 | über 200.000 |
| Rolex Daytona | 38.000 |
| Planierraupe | 85.000 |
Der Markt regelt gut. Mit jedem Fall des Hammers verschwindet ein Stück Beweismaterial aus einem Gerichtsverfahren. Es wird zu einem ganz normalen Gebrauchsgegenstand. Zumindest auf dem Papier.
Ich suche das Gespräch mit einem der Käufer. Klaus Berger hat einen Bagger ersteigert. Er ist Bauunternehmer aus der Region. «Ich habe einen fairen Preis gezahlt», sagt er. «Der Zustand ist gut. Das ist wichtig. Woher der Bagger kommt, das ist Sache des Staates. Der hat ihn beschlagnahmt und verkauft. Für mich ist es jetzt ein normales Arbeitsgerät.» Für ihn zählt der wirtschaftliche Nutzen. Die moralische Frage stellt er sich nicht.
Anders sieht es bei einer Bieterin aus, die eine der Luxusuhren erstanden hat. Sie möchte ihren Namen nicht in der Zeitung lesen. «Es ist eine Uhr», sagt sie. «Eine sehr schöne Uhr. Ich habe lange gespart. Der Preis heute war unter dem Marktwert. Das war verlockend.» Sie überlegt einen Moment. «Man denkt schon darüber nach, wem sie mal gehört hat. Aber ich trenne das. Jetzt gehört sie mir. Ich mache damit etwas Gutes. Ich trage sie.»
Am Ende des Tages hat die Justiz mehrere Millionen Euro eingenommen. Die Halle leert sich langsam. Die teuren Autos werden abgeschleppt. Die Uhren werden in unscheinbare Kästen verpackt. Die Geschichte dieser Objekte geht weiter. Mit neuen Besitzern.
Die Justizauktion zeigt ein klares Bild. Der Staat entzieht Kriminellen ihre unrechtmäßig erworbenen Symbole des Reichtums. Er verwandelt sie in Geld für die Allgemeinheit. Das ist das Prinzip. Die Käufer auf der anderen Seite haben unterschiedliche Motive. Für die einen ist es eine reine Geschäftsentscheidung. Sie sehen den Gegenstand, nicht seine Vergangenheit. Für andere ist die Vergangenheit spürbar. Sie müssen sich damit arrangieren. Sie müssen für sich selbst entscheiden, ob der günstige Preis die bedrückende Herkunft aufwiegt.
Sie als Bürger finanzieren mit Ihren Steuern diesen Staat und seine Justiz. Die Auktion ist eine Art Rückführung. Geld, das aus illegalen Geschäften stammt, kommt in den gemeinsamen Topf zurück. Die Auktion ist auch ein Schauspiel. Sie stellt zur Schau, was mit dem erbeuteten Reichtum der Kriminalität geschieht. Er wird zerschlagen und verkauft. Er verliert seinen Glanz und wird zu nüchternem Zahlenwerk.
Wenn Sie das nächste Mal einen auffälligen Lamborghini in Stuttgart sehen, könnten Sie innehalten. Vielleicht war er einmal Teil einer kriminellen Erzählung. Jetzt ist er nur noch ein Auto. Ob das gut oder schlecht ist, das müssen Sie selbst entscheiden. Die Justiz hat ihre Arbeit getan. Der Markt hat seine Arbeit getan. Die neue Geschichte der Objekte beginnt heute.