Liebe Münchnerinnen und Münchner,
der Zustand der Trambahn-Nordtangente ist eine klare Ansage. Es geht nicht mehr nur um eine neue Straßenbahnlinie. Es geht um ein grundsätzliche Probleme in unserer Stadt. Wie können wir Großprojekte noch erfolgreich anpacken? Die Nordtangente zeigt es leider deutlich: Wir scheitern oft schon an den einfachsten Schritten.
Stellen Sie sich das vor. 2023, im Stadtteil Bogenhausen, fingen Arbeiter an. Sie rissen Randsteine heraus. Sie entfernten Mittelstreifen. Alles für eine Trambahn, die noch nicht einmal eine Planfeststellung hatte. Die Genehmigung fehlte komplett. Das ist kein Baubeginn. Das ist Vandalismus auf Kosten der Stadt und Ihrer Steuergelder.
Die Folge kennen Sie. Die zuständige Genehmigungsbehörde stoppte das gesamte Projekt. Seitdem liegt alles auf Eis. Drei Jahre lang passierte nichts. Nun werden die gleichen Randsteine, die damals ohne Sinn entfernt wurden, wieder eingebaut. Ohne dass ein Meter Schiene verlegt wurde. Das ist mehr als eine Peinlichkeit. Es ist eine Verschwendung von Millionen Euro, die woanders dringend benötigt werden.
Was sagt uns das über München? Wir haben große Visionen. Eine Nordtangente von Neuhausen nach Johanneskirchen ist eine sehr gute Idee. Sie würde den ÖPNV entlasten und die Stadtteile besser verbinden. Doch zwischen Idee und Umsetzung klafft ein riesiges Loch. Wir fangen an, bevor wir denken. Wir handeln, bevor wir planen. Am Ende stehen wir mit leeren Händen und völlig verunsicherten Anwohnern da.
Die Menschen in Bogenhausen und entlang der geplanten Strecke haben seit Jahren keine Klarheit. Sie leben mit der Ungewissheit, wann und ob vor ihrer Haustür gebaut wird. Das zermürbt. Es zerstört das Vertrauen in die Stadtverwaltung. Warum sollten Bürgerinnen und Bürger an künftigen Planungen teilnehmen, wenn das Ergebnis solches Chaos ist?
Kabarettist Helmut Schleich brachte es in der tz auf den Punkt. Er sprach von „Randsteinlupfen“ als neuer olympischer Disziplin. Der bittere Witz hat einen wahren Kern. Wenn wir unsere Stärken im internationalen Wettbewerb zeigen wollen, dann leider oft in solchen Disziplinen.
Schauen Sie nach Stuttgart. Dort wurden beim Bahnhofsumbau 1000 Kilometer Kabel falsch verlegt. Der Bau verzögert sich nun um weitere fünf Jahre. Das ist eine Katastrophe von nationalem Ausmaß. Doch ich frage mich: Sind wir in München wirklich besser? Unser Hauptbahnhof, die zweite Stammstrecke – sie sind Dauerthemen von Verzögerungen und Problemen. Wir haben die idealen Übungsstätten für das „Kabel-falsch-verlegen“.
Das Problem ist kein bayrisches oder deutsches. Es ist ein Systemproblem. Zu viele Behörden sind beteiligt. Die Kommunikation zwischen Politik, Planung und Ausführung ist schlecht. Die Angst, Fehler zu machen, lähmt dann am Ende alle. Besser gar nichts tun, als etwas falsch zu machen. So lautet die Devise. Das Ergebnis ist Stillstand.
Was müssen wir ändern?
- Wir brauchen Transparenz.
- Die Stadt muss klar und frühzeitig mit den Bürgerinnen und Bürgern sprechen.
- Es muss klargestellt werden, welche Schritte wann kommen.
- Wir benötigen eine klare Verantwortung.
- Wer entscheidet wann?
- Wir müssen realistischer planen.
Die Nordtangente ist nicht tot. Die Idee ist zu gut. Aber wir müssen sie neu angehen. Mit einer ordentlichen Planfeststellung. Mit einem transparenten Zeitplan. Und mit dem Respekt vor den Menschen, die entlang der Strecke leben.
Sie als Bürgerin und Bürger können etwas tun. Fragen Sie nach. Bei Ihrem Stadtrat, bei den Bezirksausschüssen. Besuchen Sie die Bürgerinformationsveranstaltungen, wenn es sie gibt. Zeigen Sie Ihr Interesse und Ihre Kritik. Nur so bringen wir Druck in die Sache. Nur so zeigen wir der Verwaltung, dass wir dieses Chaos nicht länger hinnehmen.
München ist eine wunderbare Stadt. Sie verdient eine funktionierende Verwaltung. Sie verdient moderne Verkehrsprojekte, die pünktlich und im Budget fertig werden. Daran müssen wir jetzt arbeiten. Sonst gewinnen wir am Ende nur Medaillen im Randsteinlupfen. Und das wollen wir wirklich nicht.
| Problem | Folge |
|---|---|
| Voreilige Arbeiten | Stillstand des Projekts |
| Fehlende Transparenz | Unklarheit für Bürger |
| Schlechte Kommunikation | Misstrauen gegenüber Verwaltung |
| Fehlende Verantwortung | Wiederholung von Fehlern |
| Unrealistische Planung | Verschwendung von Steuergeldern |
| Verzögerungen bei Projekten | Verlust von Vertrauen |