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Nachrichten Lokal > Nachrichten > München > München: Erpressung auf Dating-Apps und Messe spart Energie
München

München: Erpressung auf Dating-Apps und Messe spart Energie

Julia Becker
Zuletzt aktualisiert: Oktober 26, 2026 11:59 a.m.
Julia Becker
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Als ob das Leben in München nicht schon teuer genug wäre. Jetzt müssen schwule Männer hier auch noch damit rechnen, bei der Suche nach Nähe bösartig erpresst zu werden. Die Polizei verzeichnet Hunderte solcher Fälle jedes Jahr. Das zeigt ein Fall, der gerade durch die Ermittlungsbehörden geht.

Felix, ein Münchner in seinen Dreißigern, wollte eigentlich nur eines: eine unkomplizierte Begegnung. Über eine gängige Dating-App kam er ins Gespräch mit einem Mann. Die Chatverläufe wurden schnell explizit, Fotos wurden ausgetauscht. Man verabredete sich in Felix‘ Wohnung. Doch der Mann, der vor der Tür stand, war nicht derjenige aus den Bildern. Mit ihm waren zwei Komplizen gekommen. Sie drängten sich in den Flur, zeigten Felix Screenshots der privaten Chats und seiner Fotos. Ihre Forderung war klar und brutal: mehrere tausend Euro, sonst würden sie das Material an seinen Arbeitgeber und seine Familie schicken. Aus Angst und Scham zahlte Felix. Die Täter verschwanden, doch die Angst blieb.

Dies ist kein Einzelfall. Das Polizeipräsidium München bestätigt, dass Erpressungsdelikte im Zusammenhang mit Dating-Apps eine wiederkehrende Straftat sind. Die Täter nutzen gezielt die Anonymität des Internets und das legitime Bedürfnis nach privaten Kontakten aus. Besonders gefährdet sind Männer, die ihre Sexualität nicht oder nicht vollständig im öffentlichen Leben leben können. Die Drohung mit dem «Outing» ist dabei ihre mächtigste Waffe. Ein Polizeisprecher erklärt: «Die Scham der Opfer ist oft so groß, dass sie die Tat nicht anzeigen. Das macht die Täter mutiger. Wir ermitteln in diesen Fällen absolut vertraulich und bitten jeden Betroffenen: Kommen Sie zu uns.»

Was können Sie tun, wenn Sie betroffen sind oder sich schützen wollen?

  • Geben Sie niemals Geld oder weitere Zahlungen.
  • Sichern Sie sofort alle Beweise: Screenshots der Chats, Profilbilder, Telefonnummern.
  • Wenden Sie sich direkt an die Polizei.
  • In München gibt es spezialisierte Ansprechpartner.
  • Zögern Sie nicht.
  • Seien Sie in den frühen Phasen des Kennenlernens vorsichtig mit persönlichen Daten und expliziten Fotos.

Ein erstes Treffen an einem öffentlichen Ort ist immer eine gute Idee.

Parallel zu dieser düsteren Realität vollzieht sich auf dem Messegelände ein bemerkenswerter Wandel. Die Messe München hat auf ihren gigantischen Hallendächern eine der größten Photovoltaikanlagen der Stadt installiert. Sie erzeugt rund zwei Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr. Rein rechnerisch entspricht diese Menge dem Strombedarf für acht Millionen Kilometer Fahrt mit einem Elektroauto. Das ist die Strecke von München nach Sydney und zurück – über tausend Mal.

Doch die eigentliche Geschichte ist eine andere. Die Messe kann mit dieser sauberen Energie ihren eigenen, immensen Bedarf bei weitem nicht decken. Stattdessen speist sie den Strom ins öffentliche Netz ein und wird so zu einem dezentralen Kraftwerk für die ganze Stadt. Der nachhaltigste Clou sind aber die unsichtbaren Helfer vor Ort: ein Blockheizkraftwerk, das mit Biomethan betrieben wird, und ein hochmodernes Kältenetz, das ganze Hallen effizient klimatisiert. Zusammen spart dieses System jährlich über 4000 Tonnen CO₂ ein. Ein Messesprecher sagt: «Wir sind ein Energie-Großverbraucher. Unsere Pflicht ist es, mit innovativer Technik Vorreiter zu sein und den Fußabdruck für München zu verringern.»

Während die Messe an ihrem Image als Klimavorreiter arbeitet, wird einem anderen Großprojekt der Stadt der Spiegel vorgehalten. Die geplante Eröffnung eines neuen Techno-Großclubs in einem ehemaligen Industriegebäude ist von schweren Vorwürfen überschattet. Aus der Techno-Szene selbst kommen anonyme, aber detaillierte Berichte über Machtmissbrauch, psychische Gewalt und sexuelle Übergriffe durch einen der beteiligten Geschäftsführer. Die Vorwürfe sind so gravierend, dass die Betreibergesellschaft den Beschuldigten nun vorläufig von seinen Aufgaben freigestellt hat. Es laufen interne Untersuchungen.

Eine langjährige Münchner Clubgängerin, die ihren Namen nicht nennen will, kommentiert: «Die Szene hier ist klein. Vieles spricht sich hinter vorgehaltener Hand weiter. Dass diese Geschichten jetzt laut werden, zeigt, dass die Zeit der Toleranz für solches Verhalten vorbei ist. Ein Club ist ein Ort des Vertrauens und des gemeinsamen Freiraums. Wer das ausnutzt, hat dort nichts verloren.» Die Staatsanwaltschaft München I hat bestätigt, dass bisher keine strafrechtlichen Anzeigen vorlägen, man die Entwicklung aber beobachte.

Und manchmal braucht es auch eine ganz andere Art von Mut, um mit Traditionen zu brechen. Das bewiesen die bayerischen Bestatter vergangene Woche bei ihrer jährlichen Verbandsparty. Statt schwarzer Anzüge und gedämpfter Gespräche gab es Sekt, laute Musik und Limoncello-Flaschen in Sargform. Sogar Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger ließ sich von den «Engelshänden», einer Bestatter-Band, unterhalten. Ein gelassener Teilnehmer meinte: «Wir arbeiten täglich mit dem Tod. Da tut es gut, das Leben mal so laut zu feiern, wie es geht.» Es war eine Party, die zeigte, dass selbst in den ernstesten Berufen Münchens Platz für unerwartete Lebensfreude ist.

So zeigt sich München an einem Tag von vielen Seiten. Eine Stadt, in der digitale Gefahren lauern und alte Szene-Strukturen hinterfragt werden. Aber auch eine Stadt, die auf riesigen Hallendächern die Energiewende vorantreibt und in ihren Kellern das Leben feiert, so laut es nur geht.

Themen Details
Erpressung Hunderte Fälle jährlich in München
Dating-Apps Gesunde Skepsis und Vorsicht empfohlen
Photovoltaikanlage 2 Millionen kWh Strom pro Jahr
CO₂-Einsparung Über 4000 Tonnen jährlich
Techno-Großclub Vorwürfe von Machtmissbrauch und Gewalt
Feier der Bestatter Traditionen brechen und Leben feiern


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VonJulia Becker
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Julia ist eine engagierte Reporterin für den Süden Deutschlands mit Schwerpunkt auf München und Stuttgart. Sie schreibt über lokale Kulturveranstaltungen, das wirtschaftliche Stadtleben und Geschichten von Menschen, die ihre Region prägen. Ihre Beiträge zeichnen sich durch Nähe, Empathie und starke persönliche Perspektiven aus.
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