Sie planen eine Kundgebung vor dem Goethe-Museum. Die Deutsche Oper am Rhein und das Schauspielhaus machen mit. Selbst das Stadtkollektiv ruft zum Protest auf. Am heutigen Montag will die Düsseldorfer AfD einen ihrer sogenannten Rundgänge durchführen. Ihr Gast ist der Bundestagsabgeordnete Matthias Helferich. Sein Thema: Kulturpolitik von rechts. Ein breites Bündnis aus etablierten Häusern und der freien Szene wehrt sich dagegen. Sie sprechen von einer Vereinnahmung. Sie fürchten um die Freiheit der Kunst.
Der Protest beginnt um 16.30 Uhr. Genau dort, wo der AfD-Rundgang starten soll. Vor dem Goethe-Museum am Schloss Jägerhof. Die Organisatoren rechnen mit zwei- bis dreitausend Menschen. Sie haben ein einstündiges Programm vorbereitet. Es wird Musik geben. Es werden Reden gehalten. Schauspielhaus-Intendant Andreas Karlaganis wird sprechen. Auch Texte von Heinrich Heine werden verlesen. „Wir wollen mit der Vielstimmigkeit von Kunst und Kultur antworten“, sagt Birgit Lengers. Sie leitet das Stadtkollektiv und sprach für das neue Bündnis. Zeitgleich will die Initiative „Düsseldorf stellt sich quer“ den Rundgang der AfD begleiten. Dieser führt vom Museum über den Grabbeplatz zum Palais Wittgenstein. Dort will Helferich am Abend seinen Vortrag halten.
Hinter dem Protest steht eine tiefe Sorge. Es geht nicht nur um diese eine Veranstaltung. Die Kulturschaffenden blicken auf Anträge der AfD im Kulturausschuss. Sie hören die Äußerungen des Politikers. Hamed Shahi organisiert das New-Fall-Festival. Er sagt: „Es ist deren Ziel, dass die freie Szene stirbt.” Helferich selbst schrieb kürzlich in den sozialen Netzwerken: „Rechte Kulturpolitik wird uns als Volk gesunden lassen.” Im Bundestag ist er Mitglied im Ausschuss für Kultur und Medien. Dort will er den aus seiner Sicht „linken Kulturkampf” beantworten. Für die Düsseldorfer Szene klingt das nach einem Angriff auf ihre Existenz. Auf das, was ihre Arbeit ausmacht: Pluralität und Freiheit.
Die Person Helferich sorgt bereits seit längerem für Kontroversen. Vor einem Jahr entschied das NRW-Landesschiedsgericht der AfD, ihn aus der Partei auszuschließen. Der 38-Jährige habe „in schwerwiegender Weise” gegen das Grundgesetz verstoßen. Das Bundesschiedsgericht kippte das Urteil später. Es verhängte jedoch eine sechsmonatige Ämtersperre. Helferich fiel in der Vergangenheit mit umstrittenen Aussagen zum Nationalsozialismus auf. Innerhalb seiner Partei wird er dem äußerst rechten Lager zugeordnet. Sein Auftritt in Düsseldorf ist bereits der vierte Rundgang dieser Art. Im April war die brandenburgische Landtagsabgeordnete Lena Kotré dabei. Der Verfassungsschutz stuft sie als Rechtsextremistin ein.
Ursprünglich sollte der Abend im Heinrich-Heine-Institut stattfinden. Die AfD hatte den Saal nach eigenen Angaben vor Monaten reserviert. Diese Wahl sorgte für Empörung. Heinrich Heine, Düsseldorfs berühmtester Dichter, als Aushängeschild für eine rechte Kulturpolitik? Birgit Lengers nennt das absurd. Heine stehe für kritisches Denken und Offenheit. Die Stadtverwaltung sah zunächst keine rechtliche Möglichkeit, die Vermietung zu verweigern. Sie verwies auf das Gleichbehandlungsprinzip. Dann, vergangene Woche, gab Kulturdezernentin Miriam Koch im Kulturausschuss neue Informationen bekannt. Im Heine-Institut stünden kurzfristig Umbauarbeiten an. Mehrere Veranstaltungen müssten verlegt werden, auch die der AfD. Als Ersatzort bot die Stadt das Palais Wittgenstein an.
AfD-Kreissprecher Elmar Salinger bezeichnete diesen Wechsel als „sonderbaren Zufall”. Man nehme das Politikum um Heine zur Kenntnis. Man wolle den „notwendigen Kulturkampf” aufnehmen. Für die protestierenden Kulturinstitutionen ist diese Aussage ein weiteres Alarmzeichen. Sie sehen ihr Bündnis als notwendige Antwort. Es sei neu, betont Birgit Lengers. Es gehe nicht um Einzelinteressen. Es gehe um das Verständnis von Kunst in einer weltoffenen Stadt. Neben großen Playern wie der Oper oder dem Schauspielhaus machen viele kleinere Häuser mit. Das Zakk ist dabei. Das Forum Freies Theater ist dabei. Gemeinsam stellen sie sich gegen das, was sie als ideologische Vereinnahmung empfinden.
Ihr Protest heute ist laut, aber er ist auch ein Zeichen der Selbstbehauptung. Sie wollen zeigen, wer die Kultur in dieser Stadt trägt. Sie wollen demonstrieren, was freie Kunst bedeutet. Mit Musik, mit Worten, mit der Poesie von Heinrich Heine. Die Botschaft ist klar: Diese Szene lässt sich nicht vorschreiben, was sie zu schaffen hat. Sie wehrt sich dagegen, für parteipolitische Zwecke instrumentalisiert zu werden. Die Straßen rund um das Goethe-Museum werden heute Nachmittag voll sein. Mit Menschen, die für eine Kultur einstehen, die allen gehört. Die Kundgebung ist ihr Statement. Und es wird von vielen getragen.
- Protestbeginn um 16.30 Uhr
- Erwartete Teilnehmerzahl: 2000-3000
- Programm: Musik und Reden
- Sprecher: Andreas Karlaganis
- Textvorlesung: Heinrich Heine
- Initiative „Düsseldorf stellt sich quer” dabei
| Veranstaltung | Ort | Uhrzeit |
|---|---|---|
| Kundgebung | Goethe-Museum | 16.30 Uhr |
| Vortrag von Matthias Helferich | Palais Wittgenstein | Nach 18 Uhr |