Manchmal fragt man sich im Theater, ob es noch um das Stück geht oder schon um den Regisseur. In der Deutschen Oper Berlin stellt sich diese Frage bei Milo Raus «Fliegender Holländer» besonders laut. Er presst Wagners Oper in den engen Rahmen der deutsch-israelischen Geschichte. Das Ergebnis fühlt sich an wie ein überladenes Seminar. Man muss zwei Bildebenen, Live-Erzähler und historische Projektionen gleichzeitig verdauen. Regisseur Milo Rau sagt selbst: «Nicht nur war Wagner Antisemit, sein Stück ist auch noch sexistisch und rassistisch. Es gibt gute Gründe zu sagen: Nice, aber das müssen wir jetzt nicht mehr aufführen.» Warum tut er es dann?
Einige Bilder bleiben hängen. Die norwegische Spinnstube wird zum Gruppenbild der israelischen Olympiamannschaft von 1972. Aus diesem Kreis löst sich Senta. Sie trägt Shorts, wirkt rebellisch und fixiert auf ihr Traumbild. Das ist stark. Andere Momente wirken erzwungen. Der Tenor muss Benno Ohnesorgs Tod nachspielen. Das geschah einst nur wenige hundert Meter von der Oper entfernt. Hier wirkt es wie ein plump aufgesetzter Geschichtsverweis. Ich erinnere mich an Aufführungen, die durch Klarheit überzeugten. Diese hier erstickt fast an ihren eigenen Ideen.
Am Ende liegt der Palästinenser Erik, von Mary einfach abgeknallt, neben der toten Senta. Eine Todesvereinigung, aber nicht die, die Wagner meinte. Rau erzählt keine Liebesgeschichte mehr. Er zeigt die Gewalt politischer Verstrickungen. Die Musik unter Giedrė Šlekytė findet zwischendurch ihre Linie. Doch oft läuft sie nur noch nebenher. Dieser Abend will zu viel erklären und vergisst dabei, zu berühren. Kunst kann Politik sein. Sie sollte aber nicht nur Lehrstück sein.
- Regisseur und Werk im Fokus
- Ein überladenes Seminar
- Emotionale und historische Ebenen
- Bilder von Gewalt und Geschichte
- Ein ungelöstes Spannungsverhältnis
- Die Frage nach der Relevanz
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Wagner | Antisemitismus, Sexismus, Rassismus |
| Inszenierung | Milo Rau, komplexe Bildsprache |
| Musik | Giedrė Šlekytė, oft nebenher |
| Emotionale Wirkung | Will zu viel erklären, vergisst zu berühren |
| Historische Bezüge | Politische Verstrickungen, erzwungene Momente |
| Gesamtbewertung | Verwirrend, nicht überzeugend |