Am Samstag, dem 31. Oktober, waren die Stimmen der Jugend in sächsischen Städten laut zu hören. Bundesweit rief die Initiative „Gen Z regelt“ zu Demonstrationen auf. In Dresden und Leipzig gingen vor allem Schüler und Studenten auf die Straße. Sie protestierten gegen eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht, gegen Sozialkürzungen und für mehr Geld im Bildungssystem. Die Polizei war mit einem großen Aufgebot im Einsatz, um die Proteste zu begleiten. Die Lage blieb weitgehend ruhig, aber es gab auch Momente der Sorge.
In Dresden begann die Demonstration um 14 Uhr auf dem Theaterplatz. Rund 160 Menschen hatten sich dort zunächst versammelt. Unter ihnen war der 16-jährige Albert aus dem Dresdner Umland. „Meine Freunde und ich haben Angst, eingezogen zu werden“, sagte er. Für ihn und viele andere war die Wehrpflicht das zentrale Thema. Sie forderten, das Geld für Rüstung stattdessen in Bildung zu investieren. Nicht nur Jugendliche waren gekommen. Jens, 68 Jahre alt und Mitglied der Deutschen Kommunistischen Partei, unterstützte die jungen Protestler. „Ich finde es sehr gut, dass die junge Generation aufsteht und sich wehrt“, sagte er. Er glaubte nicht, dass es zu Randalen wie in Frankreich kommen würde.
Der Protestzug zog von Theaterplatz in Richtung Postplatz. Dort traf er auf eine andere Versammlung. Diese hatte der „Querdenker“ Marcus Fuchs unter dem Titel „Reformation 2.0“ angemeldet. Ein Spalier aus Polizeibeamten und Einsatzwagen trennte die beiden Gruppen. Es blieb ruhig, bis auf vereinzelte „Nazis raus“-Rufe. Fuchs, der einen Hoody mit der Aufschrift „Diplomaten statt Granaten“ trug, begrüßte seine meist älteren Teilnehmer. „Wir werden das Land reformieren“, rief er. Die beiden als Redner angekündigten Personen, Uwe Steimle und die Ärztin Bianca Witzschel, sagten kurzfristig ab.
Währenddessen beobachtete der 21-jährige Finn das Geschehen etwas abseits. Ihn enttäuschte, dass sich die verschiedenen Protestgruppen voneinander abgrenzten. „Alle haben hier das gleiche Ziel. Wir wollen alle keinen Krieg und stetig steigende Lebenshaltungskosten“, sagte er. Doch anstatt gemeinsam nach Lösungen zu suchen, blieben sie getrennt. So ändere sich nichts, war er überzeugt.
In Leipzig war die Mobilisierung deutlich größer. Rund 6500 Menschen, überwiegend Jugendliche, zogen durch die Innenstadt. Ihre Rufe waren laut zu hören: „Merz muss weg“, „Jugend, Zukunft, Sozialismus“ oder „Nie, nie wieder Wehrpflicht“. Immer wieder wurde trotz polizeilicher Verbote Pyrotechnik gezündet. Auch vermummten sich einige Demonstranten, was ebenfalls untersagt war. Olaf Hoppe, Sprecher der Leipziger Polizeidirektion, betonte die Konsequenz der Strafverfolgung. „Wir verfolgen das lange auch nach den Veranstaltungen“, sagte er. Noch jetzt gebe es Ermittlungen zu Demos aus dem vergangenen Jahr.
Die Sorge vor Ausschreitungen war in Leipzig spürbar. Sechs Geschäfte in der Innenstadt hatten ihre Schaufenster vorsorglich mit Holz verplankt. Der Handel vertraute auf die Polizei, zeigte sich aber besorgt. Gegen 17 Uhr löste sich der offizielle Demonstrationszug auf. Im Anschluss zogen jedoch weiter Menschengruppen durch die Stadt. Dabei wurden Mülltonnen, Fahrräder und Straßenschilder auf die Straße geworfen. Dies überschattete den weitgehend friedlichen Protesttag.
Hinter den Protesten steht die bundesweite Initiative „Gen Z regelt“. Wer genau dahintersteckt, ist nicht öffentlich bekannt. Die Gruppierung gibt an, nur in einigen Großstädten hauptverantwortlich zu sein. In anderen Städten, wie Dresden und Leipzig, hätten sich lokale Strukturen der Initiative angeschlossen. Auf ihrer Website betont „Gen Z regelt“ einen friedlichen Protest. „Gewalt gegen Menschen oder Sachen widerspricht allem, wofür wir stehen“, heißt es dort. Gleichzeitig postete der Leipziger Instagram-Account der Bewegung: „So kämpfen wie die Jugend in Frankreich!“
Politische Unterstützung erhalten die Jugendproteste vor allem von Linken und Grünen. Ein offener Brief der Initiative an Bundeskanzler Friedrich Merz wurde von Linken-Chefin Heidi Reichinnek und der Grünen-Politikerin Ricarda Lang unterzeichnet. Darin werfen sie der Regierung vor, mit ihrer Sparpolitik der Jugend jede Hoffnung zu nehmen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Sachsen stellte sich hinter die Forderung nach besserer Bildung.
Die Sicherheitsbehörden zeigten sich vorbereitet, aber nicht alarmiert. Der sächsische Verfassungsschutz sieht aktuell keine Anzeichen für gewalttätige Ausschreitungen wie in Frankreich. Das Landesamt beobachtet jedoch eine dynamische Mobilisierung in sozialen Medien. Besonders dogmatische Linksextremisten oder Gruppierungen wie „Young Struggle Leipzig“ könnten die Themen der Jugendproteste für ihre eigenen Ziele nutzen. Sie sprechen damit gezielt Schüler und Studenten an.
Die Demonstrationen am 31. Oktober machen eines klar: Die politischen Anliegen der jungen Generation sind vielfältig und dringlich. Sie fordern eine Zukunft, die nicht von Krieg, sozialer Kälte und Bildungsabbau geprägt ist. Ob ihre Stimmen im politischen Berlin Gehör finden, wird sich zeigen. Für die Städte Dresden und Leipzig war es ein Tag, der zeigte, wie lebendig und gleichzeitig wie herausfordernd Jugendprotest sein kann. Die Polizei wird weiterhin gefordert sein, das Recht auf Versammlung mit dem Schutz von Eigentum und öffentlicher Ordnung in Einklang zu bringen. Die Diskussion über die Wehrpflicht und soziale Gerechtigkeit ist durch diese Proteste neu entfacht.
Hauptforderungen der Protestierenden
- Keine Wiedereinführung der Wehrpflicht
- Erhöhung der Bildungsausgaben
- Abschaffung von Sozialkürzungen
- Friedlicher Protest ohne Gewalt
- Solidarität unter allen Protestgruppen
- Politische Unterstützung von Linken und Grünen
Zusammenfassung der Proteste
| Stadt | Anzahl der Teilnehmer | Zentrale Themen | Polizeipräsenz | Abschlüsse |
|---|---|---|---|---|
| Dresden | 160 | Wehrpflicht, Bildung | Hoch | Ruhig |
| Leipzig | 6500 | Soziale Gerechtigkeit, Wehrpflicht | Hoch | Einige Ausschreitungen |