In Hamburg war der Samstagnachmittag geprägt von einem Bild der Zerrissenheit. Der Protestzug der Initiative „Gen Z regelt“, der für bessere Bildung und ein bezahlbares Leben demonstrieren wollte, endete in Krawallen am Steindamm. Während viele friedliche Teilnehmer, darunter Familien, den Ort nach dem Ende der Reden verließen, sammelte eine kleinere Gruppe radikaler Demonstranten Absperrungen von einer nahegelegenen Baustelle und errichtete brennende Barrikaden. Die Polizei meldete, dass sie mit Pyrotechnik und Teilen der Barrikaden beworfen wurde. Der Einsatz eines Wasserwerfers war notwendig, um die Flammen zu löschen. Ein solches Szenario ist für die Hansestadt schmerzlich vertraut, erinnert es doch an die schweren Ausschreitungen beim G20-Gipfel im Jahr 2017. Die Polizei sprach von einer Teilnehmerzahl im mittleren vierstelligen Bereich, während die Organisatoren von bis zu 7.000 Menschen ausgingen.
Auch in anderen deutschen Städten zeigte der bundesweite Protesttag der Jugend ein gemischtes Bild. In Köln setzte die Polizei am Rande der Demonstration einen Wasserwerfer ein, nachdem gewaltbereite Demonstranten mit Böllern geworfen hatten und Pyrotechnik auf Einsatzkräfte abgefeuert wurde. Die Teilnehmerzahl blieb dort mit mehreren tausend Menschen deutlich unter den angemeldeten 15.000. In Stuttgart musste der Zug mehrfach angehalten werden, weil sich Teilnehmer vermummten und vor Beginn bereits Rauchtöpfe und Böller gezündet wurden.
Der Tag begann jedoch vielerorts weitaus ruhiger. In Berlin versammelten sich nach Polizeiangaben etwa 4.200 Menschen vor dem Brandenburger Tor, weit weniger als die angemeldeten 10.000. Die Polizei betonte, dass der Protest dort friedlich verlief. Ähnlich war die Lage in München mit 1.800 und Frankfurt mit rund 1.000 Teilnehmern. Insgesamt blieben die Zahlen in Deutschland deutlich hinter den Erwartungen der Organisatoren zurück, die online fast 180.000 Zusagen gesammelt hatten.
Auf der Berliner Bühne, die kurzfristig auf einer Lkw-Ladefläche eingerichtet wurde, vermischten sich die Anliegen. Redner sprachen von einer „Revolution der Jugend“ und beklagten Lehrermangel und die Sorge vor einer Wiedereinführung der Wehrpflicht. Zwischen Regenbogenfahnen und Antifa-Symbolen waren aber auch Flaggen Palästinas, der DDR und der marxistisch-leninistischen MLPD zu sehen. Eine Rednerin bezichtigte Israel des „Genozid“. Am Rande der Kundgebung nutzte die linksradikale Organisation „Klasse gegen Klasse“ die Menge für eine Gegenveranstaltung, während zugleich Mitglieder der AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“ das Geschehen beobachteten. Diese Vielfalt, oder nach Einschätzung der Polizei auch teils fehlende klare thematische Ausrichtung, machte den Charakter der Demonstration aus.
International erreichten die Proteste in Frankreich eine andere Dimension. Das Innenministerium in Paris zählte insgesamt 320.000 Demonstrierende im ganzen Land, davon 70.000 in der Hauptstadt. Auch dort eskalierte die Lage am späten Nachmittag. In Paris und Lyon setzte die Polizei Tränengas ein, in Marseille brannten Gegenstände auf der Straße. Dennoch verlief der Tag nach Behördenangaben deutlich ruhiger als die Proteste am vorherigen Samstag, was sich in einer deutlich niedrigeren Zahl von 27 Festnahmen im Vergleich zu 217 in der Vorwoche widerspiegelte.
Die Ereignisse des Tages zeigen ein klares Muster. Die ursprünglich angemeldeten und größtenteils friedlichen Demonstrationen wurden in mehreren Städten von einer kleinen, gewaltbereiten Minderheit gekapert. Diese Aktionen zogen ein massives und hartes Polizeiaufgebot nach sich, das mit Wasserwerfern und unmittelbarem Zwang reagierte. Während die überwältigende Mehrheit der jungen Demonstrierenden für ihre legitimen sozialen und politischen Anliegen eintrat, bestimmten am Ende des Tages die Bilder von brennenden Barrikaden und Wasserwerfern die öffentliche Wahrnehmung. Für die Zukunft der Jugendproteste stellt sich nun die entscheidende Frage, wie sie sich von diesen gewalttätigen Randgruppen abgrenzen und ihre berechtigten Themen im öffentlichen Diskurs Gehör verschaffen können, ohne dass diese von Krawallen überschattet werden. Die Hamburger Polizei setzte am Samstag jedenfalls ein klares Zeichen, dass sie die Eskalationen wie aus der G20-Zeit nicht wiederholen lassen wird.
- Friedlicher Protest in Hamburg
- Gewalt von radikalen Gruppen
- Wasserwerfer im Einsatz
- Teilnehmerzahl unter den Erwartungen
- Internationale Proteste in Frankreich
- Polizei reagiert mit Tränengas
| Stadt | Teilnehmerzahl (geschätzt) | Angemeldete Teilnehmer |
|---|---|---|
| Hamburg | 4.000-7.000 | Unbekannt |
| Köln | Unter 15.000 | 15.000 |
| Stuttgart | Unbekannt | Unbekannt |
| Berlin | 4.200 | 10.000 |
| München | 1.800 | Unbekannt |
| Frankfurt | 1.000 | Unbekannt |