In Dortmund verwandelt sich der Rheinische Esel gerade in eine kleine Kunstmeile. Der bekannte Rad- und Wanderweg wird in diesem Jahr durch ein besonderes Projekt aufgewertet. Künstler gestalten die grauen Steinkanten entlang des Weges neu. Sie erzählen mit ihren Werken die wechselhafte Geschichte dieses wichtigen Verkehrsweges. Das Projekt startet im Sommer 2025. Es soll den Weg für alle, die ihn nutzen, attraktiver machen und gleichzeitig ein Stück Stadtgeschichte sichtbar halten.
Der Rheinische Esel ist keine natürliche Erhebung, sondern ein alter Bahndamm. Er führt auf etwa sieben Kilometern Länge von Dorstfeld über die Gartenstadt und den Westfalenpark bis nach Hörde. Früher rollten hier Züge der Rheinischen Eisenbahn, was dem Weg seinen neckischen Namen gab. Nach der Stilllegung der Strecke in den 1980er Jahren wurde der Damm zu einem grünen Band umgebaut. Heute nutzen täglich Tausende Menschen den Weg. Sie fahren Rad, gehen joggen oder spazieren mit dem Hund. Die Beton- und Natursteinkanten, die den Weg einfassen, sind jedoch in die Jahre gekommen. Sie wirken oft trist und grau.
Genau hier setzt das Kunstprojekt an. Die Stadt Dortmund hat gemeinsam mit Künstlern und dem Verein Stadtgestalten eine Idee entwickelt. Sie wollen die langen Kanten als Leinwand nutzen. Verschiedene Künstler aus Dortmund und der Region bemalen Abschnitte der Steine. Ihre Motive erzählen von der Vergangenheit des Rheinischen Esels. Sie zeigen alte Dampfloks und rauchende Schornsteine der Stahlindustrie. Andere Bilder erinnern an die Zeit, als der Damm brach lag und von der Natur zurückerobert wurde. Wieder andere Motive feiern die heutige Nutzung als grüne Oase für Freizeit und Sport.
«Wir wollen den Menschen, die hier unterwegs sind, die Geschichte unter ihren Füßen und Rädern zeigen,» sagt die Projektleiterin Anja Weber vom Planungsamt. «Der Rheinische Esel ist für viele einfach nur ein praktischer Weg. Dabei steckt in ihm die ganze industrielle DNA unserer Stadt. Das soll jetzt nicht mehr unsichtbar bleiben.» Das Projekt wird mit rund 50.000 Euro aus städtischen Mitteln und einer Förderung des Landes Nordrhein-Westfalen finanziert. Die beteiligten Künstler erhalten ein kleines Honorar für ihre Arbeit.
Die Resonanz in den Stadtteilen ist groß. Der Bürgerverein in der Gartenstadt hat die Aktion von Anfang an unterstützt. «Der Weg ist unser wichtigster Naherholungsraum,» erklärt Vorstandsmitglied Thomas Berg. «Wenn er durch Kunst aufgewertet wird, profitieren wir alle. Es macht den Ort wertvoller und lädt zum Verweilen ein.» Auch Radfahrverbände begrüßen die Initiative. Sie hoffen, dass ein schönerer Weg auch zu mehr Rücksicht unter den verschiedenen Nutzern führen könnte.
Kritische Stimmen gibt es dennoch. Einige Anwohner fragen, ob das Geld nicht besser in die Reparatur der teilweise holprigen Wegdecke investiert worden wäre. «Kunst ist schön und gut,» meint ein älterer Herr aus Dorstfeld, der täglich auf dem Esel spazieren geht. «Aber ich stolpere hier eher über eine Wurzel oder einen Schlagloch, als dass ich mir gedankenvoll Bilder ansehe.» Die Stadtverwaltung entgegnet, dass die Instandhaltung des Weges ein laufender Prozess sei. Das Kunstprojekt sei eine zusätzliche, ideelle Aufwertung, die die normale Unterhaltung nicht ersetze.
Für die Künstler ist die Arbeit eine besondere Herausforderung. Sie müssen bei Wind und Wetter draußen arbeiten. Die Steine sind uneben und die Flächen langgezogen. «Es ist ganz anders als im Atelier,» sagt der Dortmunder Maler Felix Körner. «Man bekommt ständig Feedback von den Leuten, die vorbeikommen. Kinder stellen Fragen, Radfahrer halten an. Das macht die Arbeit lebendig und direkt.» Sein Abschnitt nahe dem Westfalenpark zeigt die Transformation von Schwerindustrie zu grünem Freiraum.
Das Projekt ist auf mehrere Jahre angelegt. Nicht alle Steinkanten werden auf einmal bemalt. Es soll nach und nach wachsen, wie ein offenes Geschichtsbuch.
| Projektziel | Finanzierung | Startdatum | Dauer | Beteiligte Künstler | Öffentliche Resonanz |
|---|---|---|---|---|---|
| Attraktivierung des Weges | 50.000 Euro | Sommer 2025 | Mehrere Jahre | Dortmunder und regionale Künstler | Überwiegend positiv |
Sie können diesen Wandel selbst miterleben. Wenn Sie das nächste Mal auf dem Rheinischen Esel radeln oder spazieren gehen, schauen Sie genauer hin. An den Kanten beginnt sich die Geschichte Dortmunds zu entfalten. Sie sehen, wie aus Stahl Grün wurde und wie ein vergessener Bahndamm heute die Stadtteile verbindet. Das Projekt zeigt, dass Stadtentwicklung nicht immer große Bauprojekte braucht. Manchmal reicht etwas Farbe und eine gute Idee, um einen Ort neu zu beleben und ihn den Menschen wieder näherzubringen. Der Rheinische Esel wird dadurch nicht schneller oder asphaltierter. Aber er wird bedeutungsvoller. Er wird zu Ihrer Kunstmeile vor der Haustür.