Die Szenerie vor dem Tagungshotel ist aufgeladen. Hunderte Menschen versammeln sich zum Protest, während im Inneren die AfD Schleswig-Holstein ihre Jugendorganisation «Junge Alternative» gründet. Es ist ein regnerischer Sonntag in Neumünster, der die Gemüter erhitzt und die Stadtgesellschaft spaltet.
Die Gründungsveranstaltung findet unter erheblichen Sicherheitsvorkehrungen statt. Polizeikräfte sichern das Gebäude ab, während draußen Demonstranten Plakate hochhalten. «Eine demokratische Gesellschaft muss wachsam bleiben», ruft eine Rednerin ins Mikrofon. Zwischen 500 und 700 Menschen haben sich dem Protest angeschlossen. Die Polizei spricht von einem überwiegend friedlichen Verlauf. Im Hotel selbst versammeln sich etwa 40 AfD-Mitglieder zur Gründung ihres Jugendverbandes.
Meine Gespräche mit Teilnehmern beider Seiten offenbaren die tiefe Kluft. «Wir setzen ein Zeichen gegen Rechtsextremismus», erklärt mir eine Demonstrantin mit entschlossenem Blick. Vergangene Woche erst hatte der Verfassungsschutz die «Junge Alternative» bundesweit als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. Diese Einordnung ist für viele Protestierende der Hauptgrund ihrer Anwesenheit.
Neumünster erlebt eine Zerreißprobe. Die Stadtgesellschaft ringt mit der Frage, wie viel Toleranz eine Demokratie aushalten muss. Während die AfD auf ihr Recht zur politischen Organisation pocht, sehen ihre Gegner darin eine Gefahr für unsere demokratischen Werte. Diese Spannung wird unsere Gesellschaft wohl noch lange begleiten.