Gestern Abend saß ich gebannt vor den ersten Wahlergebnissen aus Hessen. Die Zahlen trudelten ein, langsam, wie immer bei Kommunalwahlen. Doch dann kam die Überraschung: In drei hessischen Gemeinden knackte die AfD die 20-Prozent-Marke. Das hat mich aufhorchen lassen.
In Greifenstein erreichten die Rechtspopulisten 20,6 Prozent. Erlensee folgte mit 20,3 Prozent. Biebesheim am Rhein kam auf 20,1 Prozent. Jeweils ein gutes Fünftel der Wähler favorisierte hier die AfD. Zum Glück landete sie nirgendwo auf Platz eins. Andere Parteien blieben vorn. In Büdingen sah es kurzzeitig dramatisch aus. Ein erstes Trendergebnis zeigte die AfD bei 25,4 Prozent – vor der CDU! Doch dann wendete sich das Blatt. Das offizielle Endergebnis korrigierte die Rechtspopulisten auf 19,2 Prozent zurück. Nur noch Platz drei.
Die Hessen-AfD wird vom Landesverfassungsschutz als rechtsextremer Verdachtsfall eingestuft. Bei der letzten Bundestagswahl verdoppelte sie ihr Ergebnis im Land. Jetzt versuchte sie, in allen Kreisen Fuß zu fassen. Ein Kreistagsergebnis gewann sie allerdings nirgends. CDU und SPD dominieren weiterhin die Kreisebene.
Meine Kollegin aus Nordhessen berichtete von einer interessanten Beobachtung. In ländlichen Regionen schnitt die AfD deutlich besser ab. In Frankfurt, Wiesbaden oder Darmstadt blieb sie schwächer. Dort führen CDU, SPD oder die Grünen. Das urbane Hessen zeigt sich resistenter gegen rechte Parolen. Ein kleiner Hoffnungsschimmer in aufgewühlten Zeiten.
Die nächsten Tage werden weitere Ergebnisse bringen. Panaschieren und Kumulieren verzögern die Auszählung. Hessen hat seine kommunalpolitischen Weichen gestellt. Für die nächsten fünf Jahre. Ich bleibe dran.