In Wüllen, liebevoll als «Klein-Köln» bekannt, explodierte gestern die närrische Stimmung. Überall sah man bunte Kostüme, glitzernde Perücken und strahlende Gesichter. Die Altweiberfastnacht markierte wieder einmal den Höhepunkt im Karnevalskalender des Münsterlandes – und ich mittendrin im bunten Treiben.
Die Festsäle verwandelten sich in brodelnde Hexenkessel. Hunderte Närrinnen und Narren ließen die Wände wackeln. «Dieser Tag ist unser Ventil, hier dürfen wir alle Konventionen über Bord werfen», erklärt mir Petra Schültingkemper vom Karnevalskomitee mit einem Augenzwinkern. Zwischen «Helau»-Rufen und Schunkelrunden spürte man förmlich die Erleichterung der Feiernden, endlich wieder unbeschwert zusammenkommen zu können.
Besonders beeindruckend waren die detailverliebten Kostüme. Von klassischen Clowns bis zu aufwendigen Gruppenkostümen – die Kreativität kannte keine Grenzen. Selbst unser Bürgermeister musste um seine Krawatte fürchten, als die «Möhnen» das Rathaus stürmten. «Tradition verpflichtet», lachte er, während ihm symbolisch der Schlips abgeschnitten wurde.
Wenn ich an die leuchtenden Augen der Kinder denke, die ihre ersten Karnevalserlebnisse sammelten, wird klar: Hier wächst etwas heran. Zwischen all den Konfetti-Wolken und Polonaisen entsteht Gemeinschaftsgefühl. In einer Zeit der Krisen ist dieser ausgelassene Frohsinn vielleicht genau das, was wir alle brauchen – ein kleines Stück Normalität im närrischen Gewand.