In einem Düsseldorfer Gerichtssaal schilderte gestern eine 56-jährige Frau den schockierenden Angriff, den sie im vergangenen Sommer im umstrittenen Thor Steinar Laden in der Altstadt erlebt hat. Der Vorfall hatte damals für große Aufmerksamkeit gesorgt.
«Ich dachte wirklich, jetzt sterbe ich», sagte die sichtlich bewegte Zeugin. Die Frau berichtete, wie sie am 16. Juli vergangenen Jahres mit ihrem Mann einkaufen war, als ein junger Mann plötzlich auf sie zustürmte und ihr mehrfach mit der Faust ins Gesicht schlug. «Es ging alles so schnell. Erst hat er mich beschimpft, dann schlug er zu.»
Der 27-jährige Angeklagte muss sich nun wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht Düsseldorf verantworten. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll er die Kundin unvermittelt attackiert haben, nachdem er den Laden betreten hatte. Die Frau erlitt bei dem Angriff erhebliche Gesichtsverletzungen, darunter einen Jochbeinbruch und mehrere Prellungen.
Der Thor Steinar Laden in Düsseldorf steht seit Jahren in der Kritik, da die Marke in rechten Kreisen beliebt ist. Die Polizei bestätigte, dass der Angriff möglicherweise politisch motiviert war. Der Angeklagte soll der linksextremistischen Szene angehören.
Ein als Zeuge geladener Polizeibeamter bestätigte vor Gericht: «Der Laden wird regelmäßig beobachtet und ist immer wieder Ziel von Protesten.» Die Ermittlungen hätten ergeben, dass der Beschuldigte zuvor an mehreren Demonstrationen gegen rechtsextreme Gruppierungen teilgenommen hatte.
«Ich habe mit Politik nichts zu tun», betonte das Opfer im Zeugenstand. «Ich wusste nicht einmal, dass dieser Laden so umstritten ist. Wir waren einfach nur auf der Suche nach einem Geschenk für unseren Sohn.»
Besonders erschütternd sei für sie gewesen, dass niemand eingegriffen habe. «Da waren andere Kunden im Laden, aber keiner hat geholfen. Nur mein Mann hat versucht, mich zu schützen.» Ihr Ehemann erlitt bei dem Versuch, die Angreifer abzuwehren, ebenfalls Verletzungen.
Die Verteidigung des Angeklagten bestritt die Tatvorwürfe. «Mein Mandant war zum fraglichen Zeitpunkt gar nicht vor Ort», erklärte sein Anwalt. Die Personenbeschreibung und die Videoaufnahmen der Überwachungskamera seien nicht eindeutig.
Die Staatsanwältin hielt dagegen: «Wir haben klare Beweise, dass der Angeklagte am Tatort war. Die Aufnahmen zeigen eindeutig sein Gesicht, und zwei weitere Zeugen haben ihn identifiziert.»
Der Vorfall hat in Düsseldorf eine erneute Debatte über politisch motivierte Gewalt ausgelöst. «Es kann nicht sein, dass Menschen Angst haben müssen, bestimmte Geschäfte zu betreten», sagte ein Sprecher der Stadt auf Anfrage. «Gewalt ist niemals ein Mittel der politischen Auseinandersetzung.»
Das Verfahren wird nächste Woche fortgesetzt. Dann sollen weitere Zeugen gehört werden, darunter der Ehemann des Opfers und ein Gutachter, der die Videoaufnahmen analysiert hat. Bei einer Verurteilung drohen dem Angeklagten bis zu fünf Jahre Haft.
Für das Opfer geht der Albtraum auch nach fast einem Jahr weiter. «Ich habe immer noch Angst, wenn ich in die Altstadt gehe», sagte die Frau zum Abschluss ihrer Aussage. «Die körperlichen Verletzungen sind verheilt, aber die seelischen Narben bleiben.»