Die Straßen um das Arbeitsamt sind heute voller als sonst. Der Augustmorgen zeigt bereits erste herbstliche Züge, während Menschen unterschiedlichster Generationen auf Einlass warten. Drei Millionen Menschen sind aktuell in Deutschland ohne Arbeit – eine Zahl, die seit Frühjahr 2025 beständig wächst und gesellschaftliche Diskussionen anheizt.
Die Gründe für den Anstieg sind vielschichtig. Die automatisierte Transformation traditioneller Industriezweige hat allein im ersten Halbjahr 2025 über 140.000 Arbeitsplätze gekostet. Gleichzeitig fehlen Fachkräfte in Pflege, IT und Handwerk. «Wir erleben eine paradoxe Situation», erklärt Arbeitsmarktexpertin Dr. Simone Wegener. «Einerseits steigt die Arbeitslosigkeit, andererseits bleiben Hunderttausende Stellen unbesetzt.» Bei meinem letzten Besuch in einer Umschulungseinrichtung traf ich Klaus, 52. Nach 30 Jahren Maschinenbau lernt er jetzt Pflegeassistenz. «Hätte mir das jemand vor fünf Jahren prophezeit, ich hätte gelacht», sagt er. Diese beruflichen Neuorientierungen werden zum Massenphänomen.
Die Politik reagiert mit einem Reformpaket, das ab Oktober greifen soll. Kernstück ist das Programm «Zukunftsfähige Arbeit», das Qualifizierungen für Klimaberufe und Pflegeberufe fördert. Der aktuelle Arbeitsmarktreport der Bundesagentur ist auf der ZEIT-Website nachzulesen. Die Maßnahmen zeigen die Dringlichkeit der Lage.
Was bleibt, ist eine Gesellschaft im Wandel. Arbeit definiert sich neu, während viele nach Sicherheit suchen. Drei Millionen Geschichten von Neuanfang, Unsicherheit und Hoffnung prägen unser Land. Sie spiegeln die größte Arbeitsmarkt-Transformation seit der Digitalisierung wider.