In Stuttgart-Zuffenhausen beginnen am kommenden Montag umfangreiche Bauarbeiten zur Erneuerung von drei maroden Brücken entlang der B10. Das Regierungspräsidium Stuttgart hat nach jahrelanger Planung nun grünes Licht für die dringend notwendige Sanierung gegeben. Die Bauarbeiten werden den Verkehr in diesem wichtigen Stadtgebiet für voraussichtlich zwei Jahre erheblich beeinflussen.
Die drei Brückenbauwerke an der Schwieberdinger Straße, der Strohgäustraße und dem Porschekreisel haben nach über 60 Jahren Nutzung ihre Lebensdauer erreicht und weisen deutliche Schäden auf. Regelmäßige Inspektionen haben gezeigt, dass eine einfache Reparatur nicht mehr ausreicht – ein kompletter Neubau ist unvermeidbar geworden.
«Diese Maßnahme ist für die Verkehrssicherheit unerlässlich», erklärt Baubürgermeister Peter Schuster. «Die bestehenden Brücken zeigen erhebliche Schäden durch Witterungseinflüsse und die stetig gestiegene Verkehrsbelastung. Wir müssen jetzt handeln, um die Infrastruktur für die Zukunft zu sichern.»
Die Bauarbeiten werden in mehreren Phasen durchgeführt. Zunächst erfolgt der Abriss und Neubau der Brücke an der Schwieberdinger Straße, gefolgt von den beiden anderen Bauwerken. Diese gestaffelte Vorgehensweise soll die Verkehrsbeeinträchtigungen minimieren, auch wenn Einschränkungen unvermeidlich sind.
Für Anwohner und Pendler bedeutet dies erhebliche Umstellungen im täglichen Verkehr. Die Hauptverbindung zwischen dem Stuttgarter Norden und der Innenstadt wird während der Bauzeit nur eingeschränkt nutzbar sein. Das Regierungspräsidium hat gemeinsam mit der Stadt Stuttgart ein umfassendes Umleitungskonzept erarbeitet, um die Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten.
«Uns ist bewusst, dass die Baumaßnahmen für viele Menschen Unannehmlichkeiten bedeuten werden», sagt Verkehrsplaner Thomas Müller. «Wir haben jedoch ausführliche Verkehrssimulationen durchgeführt und optimierte Umleitungsstrecken festgelegt. Zudem werden wir die Bauarbeiten so koordinieren, dass immer mindestens eine Fahrspur pro Richtung verfügbar bleibt.»
Besonders betroffen sind Anwohner im Bereich Zuffenhausen, die mit erhöhtem Lärm und Staub rechnen müssen. Die Stadt hat spezielle Informationsveranstaltungen angekündigt, bei denen Bürger ihre Fragen stellen können. Eine erste Veranstaltung findet bereits nächste Woche im Bezirksrathaus Zuffenhausen statt.
Die Erneuerung der Brücken kostet nach aktuellen Schätzungen rund 15 Millionen Euro und wird vom Bund finanziert. Neben dem reinen Ersatz der bestehenden Bauwerke werden auch Verbesserungen für den Rad- und Fußverkehr umgesetzt. Die neuen Brücken erhalten breitere Geh- und Radwege sowie bessere Beleuchtung.
Für die zahlreichen Pendler, die täglich auf die B10 angewiesen sind, empfiehlt die Stadtverwaltung, wenn möglich auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen oder Fahrgemeinschaften zu bilden. Die Verkehrsbetriebe Stuttgart haben bereits angekündigt, während der Bauphase zusätzliche Busse einzusetzen und die Taktung auf bestimmten Strecken zu erhöhen.
Auch für den Wirtschaftsverkehr werden die Bauarbeiten eine Herausforderung darstellen. Insbesondere die ansässigen Unternehmen, darunter der große Automobilhersteller Porsche, müssen mit längeren Fahrzeiten rechnen. Die IHK Stuttgart hat ein Informationspaket für betroffene Unternehmen zusammengestellt.
Der Neubau der Brücken ist Teil eines größeren Sanierungsprogramms für die Verkehrsinfrastruktur im Großraum Stuttgart. Nach Abschluss der Arbeiten soll die B10 im Bereich Zuffenhausen wieder für mindestens 80 bis 100 Jahre ohne größere Eingriffe nutzbar sein.
Kritiker bemängeln allerdings den späten Beginn der Arbeiten. «Diese Sanierung hätte schon vor Jahren erfolgen müssen», meint Werner Klein von der Bürgerinitiative «Lebenswertes Zuffenhausen». «Jetzt müssen wir alle mit einer sehr langen Bauzeit leben, weil die Schäden bereits so weit fortgeschritten sind.»
Aktuelle Informationen zum Baufortschritt und zu Verkehrsbehinderungen werden auf der Website des Regierungspräsidiums Stuttgart sowie über die städtische Verkehrs-App bereitgestellt. Zusätzlich wird ein monatlicher Newsletter für interessierte Bürger angeboten.
Das Regierungspräsidium bittet alle Verkehrsteilnehmer um Verständnis für die unvermeidbaren Beeinträchtigungen und um erhöhte Vorsicht im Baustellenbereich. Durch gegenseitige Rücksichtnahme und vorausschauendes Fahren könne dazu beigetragen werden, die Situation für alle erträglicher zu gestalten.