Die Bahnstrecke zwischen Hannover und Hamburg gleicht manchmal einem Geduldspiel. Gestern stand ich wieder am Bahnsteig, als die Anzeigetafel die übliche Verspätung verkündete. Was für mich ein Ärgernis ist, entwickelt sich für unsere Region zum echten Problem. Niedersachsens Verkehrsminister Olaf Tonne hat nun deutlich Stellung bezogen. Die Pläne der Deutschen Bahn zum Ausbau dieser wichtigen Verbindung seien «nicht akzeptabel».
Was konkret kritisiert wird? Die Bahn plant eine Hochgeschwindigkeitstrasse für Tempo 300, während die bestehende Strecke kaum modernisiert werden soll. «Wir brauchen beides: eine schnelle Fernverkehrsverbindung und eine leistungsfähige Bestandsstrecke für den Nahverkehr», betont Tonne im Gespräch mit unserer Redaktion. Die aktuelle Planung lasse vor allem Pendler im Regen stehen.
Beim letzten Bahngipfel erlebte ich selbst, wie erhitzt die Gemüter sind. Anwohner befürchten Baubelastungen ohne persönlichen Nutzen. Kommunalpolitiker sehen ihre Orte vom Bahnnetz abgeschnitten. «Die Akzeptanz vor Ort ist der Schlüssel zum Erfolg», mahnte eine Bürgermeisterin aus dem Landkreis Uelzen.
Die Debatte zeigt ein klassisches Dilemma deutscher Infrastrukturprojekte: Schnelligkeit versus flächendeckende Versorgung. In den kommenden Monaten sollen neue Gespräche stattfinden. Das Schienennetz braucht dringend Modernisierung. Ob die Deutsche Bahn und die Politik diesmal einen gemeinsamen Weg finden? Als tägliche Bahnfahrerin bleibe ich skeptisch – aber hoffnungsvoll.