Bahn-Chaos in Berlin hält an: Reisende müssen weiter mit Einschränkungen nach Wintersturm rechnen
Der Bahnverkehr in Berlin und Brandenburg kommt auch Tage nach dem Wintersturm nicht zur Ruhe. Viele Reisende stehen weiterhin vor Anzeigetafeln mit roten Störungsmeldungen. Der Sturm hat nicht nur Bäume auf Gleise geworfen, sondern auch wichtige Oberleitungen beschädigt.
«Die Situation bleibt angespannt», erklärt Bahnsprecherin Anja Weber am Montagmorgen. «Unsere Reparaturtrupps arbeiten rund um die Uhr, aber die Schäden sind umfangreicher als zunächst angenommen.» Besonders betroffen sind die S-Bahn-Linien im Osten und Südosten Berlins sowie mehrere Regionalverbindungen nach Brandenburg.
Auf dem Ostbahnhof warten Dutzende Reisende auf Informationen. «Ich versuche seit gestern, nach Erkner zu kommen», sagt die 67-jährige Rentnerin Monika Schulz. «Erst hieß es, in einer Stunde fahren wieder Züge, dann wurden alle Verbindungen gestrichen. Ich übernachte jetzt bei meiner Tochter in Friedrichshain.»
Die Deutsche Bahn hat einen Schienenersatzverkehr mit Bussen eingerichtet, der jedoch dem Andrang kaum gewachsen ist. «Die Busse sind komplett überfüllt», berichtet Student Felix Berger, der täglich von Königs Wusterhausen nach Berlin pendelt. «Statt 30 Minuten bin ich jetzt fast zwei Stunden unterwegs.»
Laut aktuellem Stand der Bahn bleiben folgende Strecken noch mindestens bis Mittwoch gesperrt:
– S-Bahn-Linie S3 zwischen Ostkreuz und Erkner
– S-Bahn-Linie S5 zwischen Wuhletal und Strausberg
– Regionalverbindung RE1 zwischen Berlin und Frankfurt (Oder)
– Regionalverbindung RB24 zwischen Berlin-Ostkreuz und Eberswalde
Der Berliner Verkehrsverbund (BVG) verstärkt als Reaktion die Taktung auf parallelen U-Bahn- und Buslinien. «Wir setzen alle verfügbaren Fahrzeuge ein», versichert BVG-Sprecher Thomas Schmidt. «Aber auch wir stoßen an Kapazitätsgrenzen.»
Besonders bitter ist die Situation für Pendler aus dem Umland. Auf den Berliner Einfallstraßen bildeten sich am Morgen kilometerlange Staus. «Ich habe heute zwei Stunden im Auto gesessen», berichtet die Krankenschwester Jana Müller, die von Strausberg in die Charité pendelt. «So geht das seit Freitag jeden Tag.»
Die anhaltenden Probleme werfen auch politische Fragen auf. Der Fahrgastverband Pro Bahn kritisiert das Krisenmanagement: «Es kann nicht sein, dass ein Sturm, der zwei Tage im Voraus angekündigt war, das Bahnnetz über eine Woche lahmlegt», sagt Verbandssprecher Karl Wagner. «Hier rächt sich der jahrelange Investitionsstau bei der Infrastruktur.»
Meteorologen sehen in den extremen Wetterereignissen ein Zeichen des Klimawandels. «Die Häufigkeit und Intensität von Stürmen nimmt zu», erklärt Klimaforscherin Dr. Sabine Meier vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. «Unsere Infrastruktur muss widerstandsfähiger werden.»
Die Bahn empfiehlt Reisenden, sich vor Fahrtantritt über die aktuelle Lage zu informieren. Aktuelle Informationen gibt es in der DB-App, auf der Webseite der Deutschen Bahn oder telefonisch bei der Fahrplanauskunft. Für betroffene Strecken gilt eine großzügige Kulanzregelung – Tickets behalten ihre Gültigkeit oder können kostenfrei storniert werden.
Ein Lichtblick: Für die kommenden Tage melden die Wetterdienste ruhigeres Wetter, was die Reparaturarbeiten beschleunigen dürfte. «Wir hoffen, bis zum Wochenende wieder einen weitgehend normalen Betrieb anbieten zu können», so Bahnsprecherin Weber. Bis dahin heißt es für Berliner Bahnreisende: Geduld haben und Alternativen suchen.