Nach den schweren Sturmböen, die gestern den Bahnverkehr in Hamburg und Schleswig-Holstein lahmlegten, kehrt heute allmählich wieder Normalität ein. Die Deutsche Bahn konnte die meisten Strecken nach intensiven Aufräumarbeiten wieder freigeben. Für Pendler und Reisende bedeutet dies eine deutliche Erleichterung nach einem Tag voller Verspätungen und Zugausfälle.
Besonders der Fernverkehr zwischen Hamburg und Berlin war von den Sturmschäden betroffen. Umgestürzte Bäume blockierten die Gleise, während beschädigte Oberleitungen für zusätzliche Probleme sorgten. «Unsere Reparaturteams waren die ganze Nacht im Einsatz», erklärt Bahnsprecherin Sabine Müller. «Die Sicherheit der Fahrgäste hatte höchste Priorität. Deshalb mussten wir gestern viele Strecken vorsorglich sperren.»
Der Regionalverkehr in Schleswig-Holstein war besonders stark betroffen. Auf den Strecken zwischen Kiel und Lübeck sowie zwischen Flensburg und Hamburg fielen zahlreiche Verbindungen aus. Auch der Hamburger S-Bahn-Verkehr kam teilweise zum Erliegen, was das Verkehrschaos in der Hansestadt verstärkte.
Die Hamburger Hochbahn setzte zusätzliche Busse ein, um die Ausfälle im Schienenverkehr zumindest teilweise zu kompensieren. «Wir haben alle verfügbaren Reservefahrzeuge mobilisiert», berichtet HVV-Sprecher Christian Meyer. «Trotzdem war die Situation für viele Fahrgäste äußerst schwierig. Wir danken für das Verständnis.»
Das Sturmtief hatte mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 100 km/h an der Küste und 85 km/h im Binnenland für erhebliche Probleme gesorgt. Der Deutsche Wetterdienst hatte bereits am Vortag eine Sturmwarnung herausgegeben.
Heute sollen laut Bahnangaben wieder fast alle Verbindungen planmäßig fahren. «Einzelne Verspätungen sind weiterhin möglich», warnt die Bahnsprecherin. «Wir empfehlen Reisenden, sich vor Fahrtantritt über ihre Verbindung zu informieren.» Dies sei besonders wichtig für Strecken durch waldreiche Gebiete, wo noch Aufräumarbeiten stattfinden könnten.
Die Wetterlage hat sich inzwischen deutlich beruhigt. Für die kommenden Tage sagt der Deutsche Wetterdienst mäßigen Wind und gelegentliche Regenschauer voraus. Größere Beeinträchtigungen im Bahnverkehr werden nicht mehr erwartet.
Für viele Pendler beginnt der Arbeitstag heute wieder pünktlicher. Lars Petersen, der täglich von Pinneberg nach Hamburg pendelt, ist erleichtert: «Gestern stand ich zwei Stunden am Bahnhof und kam kaum voran. Heute bin ich fast wieder im normalen Zeitplan. Das zeigt, wie abhängig wir von funktionierender Infrastruktur sind.»
Die Aufarbeitung der Sturmschäden wird laut Bahn noch einige Tage dauern. Besonders die Reparatur beschädigter Oberleitungen und Signalanlagen ist zeitaufwändig. Die Deutsche Bahn will nun prüfen, welche Streckenabschnitte besonders anfällig für Sturmschäden sind, um künftig besser vorbereitet zu sein.
Fahrgastverbände nutzen den Vorfall, um erneut auf die Bedeutung von Investitionen in die Bahninfrastruktur hinzuweisen. «Ein robustes Bahnsystem muss auch extremen Wetterereignissen standhalten können», fordert die Verbraucherzentrale Hamburg. Mit dem Klimawandel könnten solche Unwetter häufiger auftreten.