Die morgendliche Luft über Albersdorf war erfüllt von Motorengeräuschen und orangen Warnblinkern. Etwa 60 Traktoren versammelten sich am Donnerstagmorgen entlang der A23. Anders als bei früheren Aktionen blieb die Autobahn jedoch frei befahrbar. Die Landwirte hatten sich bewusst für diese moderatere Form des Protests entschieden.
«Wir wollen ein Zeichen setzen, aber nicht den Alltag der Pendler lahmlegen», erklärt Landwirt Thorsten Reimers, während er neben seinem Schlepper steht. Die Bauern fühlen sich von der Politik missverstanden. Steuererhöhungen und neue Umweltauflagen würden ihre Existenz bedrohen. Bei eisigen Temperaturen standen die Traktoren gut sichtbar auf den Feldern nahe der Anschlussstelle Albersdorf. Autofahrer hupten solidarisch beim Vorbeifahren.
Ich beobachte, wie sich die Landwirte in kleinen Gruppen austauschen, Thermoskannen kreisen. Es herrscht eine Mischung aus Entschlossenheit und Resignation. Vor einer Woche hatte ich mit einer Bäuerin gesprochen, die seit drei Generationen einen Hof bewirtschaftet. «Wenn die Politik so weitermacht, gibt es uns bald nicht mehr», sagte sie mir damals. Die Bilder der protestierenden Landwirte werden uns wohl noch länger begleiten.
Die Polizei Dithmarschen bestätigte, dass die Aktion ohne Zwischenfälle verlief. Die Kooperation zwischen Veranstaltern und Behörden funktionierte. In Zeiten polarisierter Debatten zeigt dieser Protest, dass auch rücksichtsvolle Formen des Widerstands möglich sind. Bleibt die Frage, ob leise Stimmen in der Politik überhaupt noch Gehör finden.