Ein unerwartetes Erbe hat die Berliner Landeskasse um mehrere Millionen Euro bereichert. Nach dem Tod eines kinderlosen Ehepaars fielen dem Land Berlin Immobilien in Bestlagen zu, darunter wertvolle Grundstücke in Charlottenburg, Wilmersdorf und am Ku’damm. Der Gesamtwert wird auf rund 4,5 Millionen Euro geschätzt.
Die Geschichte begann vor etwa drei Jahren, als die Senatsverwaltung für Finanzen über das ungewöhnliche Erbe informiert wurde. Ein Ehepaar ohne direkte Nachkommen hatte Berlin als Erben eingesetzt. Die Eheleute waren bereits vor längerer Zeit verstorben.
«Solche großen Erbschaften sind für das Land Berlin äußerst selten«, erklärt Marcel Hövelmann, Sprecher der Finanzverwaltung. «In diesem Fall handelt es sich um ein besonders wertvolles Vermächtnis.» Die geerbten Grundstücke befinden sich in einigen der begehrtesten Stadtteile Berlins.
Besonders hervorzuheben ist ein Grundstück am Kurfürstendamm, einer der teuersten Einkaufsstraßen Deutschlands. Daneben gehören auch Liegenschaften in den gefragten Wohngebieten Charlottenburg und Wilmersdorf zum Erbe.
Die Finanzverwaltung hat inzwischen entschieden, die geerbten Grundstücke nicht zu behalten. «Wir haben die Immobilien zum Verkauf freigegeben«, bestätigt Hövelmann. Der Verkaufsprozess läuft bereits und soll dem Landeshaushalt zugutekommen.
Nach Angaben der Senatsverwaltung erhält Berlin jährlich zahlreiche kleinere Erbschaften, meist handelt es sich dabei um bescheidene Geldbeträge oder einzelne Gegenstände. Ein Erbe in dieser Größenordnung ist jedoch außergewöhnlich.
Warum das Ehepaar Berlin als Erben auswählte, ist nicht bekannt. Die Motive bleiben im Dunkeln, da es keine persönliche Notiz oder Erklärung gab. «Wir können nur vermuten, dass die Erblasser eine besondere Verbindung zu Berlin hatten und der Stadt etwas zurückgeben wollten», sagt Hövelmann.
Der Verkaufserlös fließt vollständig in die Landeskasse und wird voraussichtlich für verschiedene öffentliche Projekte verwendet. Angesichts der angespannten Haushaltslage Berlins kommt das unerwartete Millionenerbe zur rechten Zeit.
Solche Vermächtnisse sind für öffentliche Haushalte durchaus bedeutsam. «Jeder Euro hilft in der aktuellen Finanzlage«, betont der Sprecher der Finanzverwaltung. «Wir sind den Erblassern sehr dankbar für diese großzügige Zuwendung.»
Das Beispiel hat in der Berliner Verwaltung eine Diskussion über den Umgang mit Erbschaften angestoßen. Einige Politiker schlagen vor, mehr Aufmerksamkeit auf das Thema «Vererben an die öffentliche Hand» zu lenken. Bürger, die keine direkten Erben haben, könnten so auf die Möglichkeit aufmerksam werden, ihr Vermögen dem Gemeinwohl zu hinterlassen.
Die Senatsverwaltung prüft nun, ob die Verkaufserlöse für bestimmte soziale Projekte zweckgebunden werden könnten. «Das wäre eine schöne Geste gegenüber den unbekannten Wohltätern», meint Hövelmann. Eine endgültige Entscheidung darüber steht jedoch noch aus.
Experten schätzen, dass in den kommenden Jahrzehnten eine große Erbschaftswelle auf Deutschland zurollt. Nicht alle Menschen haben direkte Nachkommen oder möchten ihr Vermögen wohltätigen Zwecken zukommen lassen. Für die öffentliche Hand könnten sich daraus neue finanzielle Spielräume ergeben.
Für die Berliner Finanzverwaltung bleibt das Millionenerbe ein besonderer Glücksfall. Der Verkauf der hochwertigen Immobilien wird voraussichtlich in den nächsten Monaten abgeschlossen sein.